Im Werden: Barbara Husar

Sie besitzt auf Sinai eine Ziegenherde, malte Kühe auf der Silvretta und Dinos in Bilbao. Jetzt hat Barbara Husar gleich zwei Soloausstellungen in Wien. Besuch bei einer Vielarbeiterin.

Ob man sich zum Safrantee vielleicht gern mit einer Wüstenziege verbinden würde, fragt Barbara Husar. Per Pille aus pulverisierter Ziegennabelschnur, ganz toll zur Entspannung. Da setzt die Experimentierfreude dann doch aus bei der Besucherin und dem Fotografen. Auch wenn die Nabelschnüre sozusagen aus kontrollierter Zucht stammen, hat sich die 1975 in Feldkirch geborene Künstlerin doch selbst zehn Wüstenziegen auf Sinai zugelegt. Um leichter an eines ihrer bevorzugten Rohmaterialien zu gelangen, die Nabelschnüre. Die hätten die Beduinen, obwohl sie Husar von ihren Zeichenaufenthalten bereits seit 15 Jahren kennen, ihr nämlich nicht so einfach verkaufen wollen. Sie wären nämlich Sitz der Seele, so ihr Glaube.

Also hütet jetzt eine alte Beduinenfrau Husars eigene Herde. Anfang Februar fährt sie wieder auf Besuch, Nachschub holen für ihr „Data Exchange“-Projekt. „Mich interessieren Herdenphänomenologie und Kanäle“, erklärt Husar. Und nichts ermögliche mehr Austausch, meint sie, als die Verbindung zwischen der Abgeschiedenheit einer Wüstenziege und unserer infoüberfluteten Welt. Ihr Traum: Sich aus Ziegennabelschnüren eine Hängematte zu knüpfen. Bis dahin hortet sie die getrockneten Schnüre in Plastikphiolen und Kisten in ihrer Wiener Atelierwohnung. Gemeinsam mit rund 600 Wortstempeln, mit denen sie ebenfalls experimentiert.

Husar ist eine Rastlose und Vielreisende, schafft Malerei, Objekte, Bücher, Filme. „Ich bin manisch am Forschen“, wie sie selber sagt. Voriges Jahr hantelte sie sich ein halbes Jahr lang von einem Artist-in-Residence-Programm zum nächsten, wollte auf Einladung der Illwerke dem Silvretta-Stausee einen ungehörigen Po-Stöpsel verpassen und entdeckte dabei beim Zeichnen die Kuhherden auf den Wiesen davor. In einem Gastatelier in Kopenhagen malte sie diese Kühe dann auf Plastikplanen, die von den Beduinen zum Zeltbau verwendet werden. Bei einem Atelieraustausch in Bilbao entdeckte sie als neue Tiermotive die Dinosaurier.

Diese dichte Zeit schließt Husar jetzt einmal mit zwei Soloschauen in Wien ab – Herdendruckgrafik gibt es bei „Ortner 2“ in der Sonnenfelsgasse 8 zu sehen. Die Ausstellung „I am the medium“ wird nächsten Donnerstag (19 Uhr, Spiegelgasse 21) in der Galerie Konzett mit einer Performance eröffnet. Und ihren Sinai-Film will Husar demnächst bei einem arabischen Filmfestival in Syrien präsentieren. Bon voyage! Clemens Fabry

almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2010)

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