Kirchschlagers Liederabend für Entdecker

08.05.2012 | 18:07 |  STEFAN MUSIL (Die Presse)

Die Mezzosopranistin überzeugte im Brahms-Saal mit rarem Altem und einer Novität von Christian Muthspiel. Dies ist zweite Konzert im Angelika-Kirchschlager-Zyklus des Musikvereins.

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„Musik, wenn sanfte Stimmen verklingen, schwingt im Gedächtnis weiter“, so heißt es in der deutschen Übersetzung des Gedichts „Music, when soft voices die“ von Percy Bysshe Shelley. In spätromantische Töne hat das Frank Bridge gegossen – für Mezzosopran, Viola oder Violoncello und Klavier. Das war auch die Besetzung für den ungewöhnlichen Liederabend: das zweite Konzert im Angelika-Kirchschlager-Zyklus des Musikvereins, in dem die Sängerin nach Lust und Laune und mit viel Fantasie dem Lied frönen darf. Kirchschlager lud sich dafür hochkarätige Kollegen: den farbenreich von zart bis süffig spielenden Cellisten Gautier Capuçon und ihren subtil-souveränen Klavierpartner Helmut Deutsch.

Nach der britischen Ouvertüre mit den „Three Songs“ von Bridge folgten Kleinodien, die alle neben der Singstimme noch für Klavier und Cello komponiert oder für Cello als Alternative zu Horn oder Viola gesetzt waren. In einem wohlklingenden Crescendo ging es mit raren Biedermeierlichkeiten von Kreutzer („Das Mühlrad“), Heinrich Proch („Antwort“) und Carl Gottlieb Reißiger („Abendständchen an die Geliebte“) zum Meister: Franz Schubert. Sein „Auf dem Strom“ schaukelte, gekonnt pianistisch getragen von Deutsch und überzeugend gelenkt von Capuçons Cello (statt vom Horn), durch seine fünf Strophen. Ideale Wellen für den klar, unprätentiös geführten Mezzosopran der Kirchschlager, die allerdings diesmal ein wenig brauchte, um ihre Stimme ganz auf Linie zu bringen.

 

Geistreiche Shakespeare-Vertonung

Vielleicht war es auch Anspannung vor der Uraufführung, die nach der Pause kam: ein von Christian Muthspiel für Kirchschlager komponiertes Stück. Er vertonte dafür nicht nur das Sonett XVIII von Shakespeare im englischen Original, sondern bezog auch Stefan Georges Übertragungen ins Deutsche mit ein. Also verschränkte er beide, wobei er stilistisch auf Sprachduktus und Zeit der Niederschrift reagierte. Die Strophen Shakespeares steigerten sich aus einem zart beginnenden Dowland-Ton ins Dramatische, während die jeweils direkt auf sie folgenden George-Strophen ganz expressionistisch gefärbt waren. Ein in seiner Dichte überzeugender Dialog zwischen Stimme und Cello, von Kirchschlager und Capuçon mit begeisternder Intensität präsentiert.

Dann noch zweimal Brahms, zwei Lieder von Massenet, darunter die temperamentvolle „Nuit d'Espagne“, eine Rarität von Jacob Christian Fabricius und Saint-Saëns „El Desichado“: insgesamt eine respektable Fülle an selten gehörter Musik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2012)

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