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Grafenegg: Mit Michael Schade träumen

24.06.2012 | 18:26 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Das immer noch neue, doch bestens etablierte niederösterreichische Festival startete mit einer luxuriös besetzten "Sommernachtsgala" - und bittet nun zu spannend programmierten Konzerten.

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Kritiker sind gehalten, sich aufzupudeln, denn wieder einmal hat man via TV eines jener Events unter die Leute gebracht, bei dem Klassik häppchenweise serviert wird. Und doch: Vielleicht hat die Eröffnungsgala der Festspielsaison in Grafenegg nicht nur dem Publikum, das live die singuläre Stimmung im „Wolkenturm“ des Schlossparks genießen konnte, einfach Spaß gemacht. Damit wäre ja doch schon wieder viel gewonnen.

Überlegen wir also nicht lange, was die „Leiden des jungen Werther“ mit amerikanischer Musical-Herrlichkeit zu tun haben könnten. Nehmen wir zur Kenntnis, dass man mit einer Moderatorin wie Barbara Rett und einem so vielseitigen Tenor wie Michael Schade von „Pourquoi me réveiller“ zu „What a beautiful morning“ mühelos modulieren kann.

Und dass eine Vollblut-Entertainerin wie Joyce DiDonato Rodgers und Hammerstein ebenso freudig servieren kann wie Gioacchino Rossini. Oder umgekehrt. Jedenfalls feuert sie die Koloratursalven der Belcanto-Ära so virtuos ab, dass selbst das notorische Feuerwerk am Ende der Veranstaltung dagegen blass wirken muss.

Zu aller technischen Meisterschaft kommt bei dieser Künstlerin ja hinreißender Jungmädchen-Charme, der fragen lässt, warum ihre Tätigkeit an der Wiener Staatsoper nach nur einer Aufführung des „Barbiers von Sevilla“ schon wieder zu Ende war...

 

Wozu wir Festspiele brauchen

Die Antwort könnte lauten: Dafür haben wir eben Festspiele im Lande, die das Besondere bieten. Voilà. Die Tonkünstler lassen sich bei solchen Gelegenheiten nicht lumpen und beweisen, wie feurig sie unter der Leitung ihres Chef-Animators Andres Orozco-Estrada ans Werk gehen können. Ein bisschen Fritz Kreisler mit dem souveränen Vadim Repin, ein bisschen Tango mit Unterstützung von Krzysztof Dobrek, Ein bisschen Strawinsky gar, ein Tänzchen aus dem unverwüstlichen „Feuervogel“, damit viele behaupten dürfen, sie hätten auch einen Meister der Moderne überstanden und er hätte „überhaupt nicht gebohrt“.

Mir nichts, dir nichts, landet man bei George Gershwin, „and the livin' is easy“. Das sollte es ja wohl sein. Zuletzt spielt man in Grafenegg zur Eröffnung immer Elgar, auch wenn Sir Edward bei „Land of Hope and Glory“ mit Sicherheit nicht an Niederösterreich gedacht hat. Ein bisschen Taschenspielerei darf schon dabei sein, wenn der Sommer einmarschiert und manche Dinge bereithält, die Musikfreunde, auch solche, die gern einmal Meisterwerke zur Gänze hören möchten, in den Schlosspark locken werden.

Gleich kommenden Samstag spielen die Tonkünstler immerhin erstmals unter der Leitung von Wladimir Fedosejew auf, zwei Wettbewerbssieger gastieren im Rahmen dieses russischen Programms: Cellist Narek Hakhnazaryan musiziert Glasunows „Chant du ménestrel“ und Tschaikowskys „Rokoko“-Variationen, Daiil Trifonov ist Solist in Rachmaninows hintergründiger „Paganini“-Rhapsodie (30. Juni). Info: www.grafenegg.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2012)

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2 Kommentare

Was war "spannend"?

Wurden keine Programme verkauft?

Gast: Sachs
25.06.2012 11:06
4 0

Leider bedeutet vieles zu singen

noch lange nicht vielseitig zu sein. Sowohl die Werther- als auch die Hoffmann-Arie waren unterstes Niveau. - Schade!

Sinkothek