Das Festival in Gars am Kamp geht heuer in seine 23. Spielzeit. „Ich glaube“, sagt Intendant Karel Drgac, „es ist uns gelungen, den Leuten die Schwellenangst vor der Oper zu nehmen.“ Für das Waldviertel gehörte die Initiative zu den Pioniertaten in Sachen anspruchsvolles Musiktheater.
„Wir können nachweisen“, sagt der Intendant, „dass Besucher, die in Gars das erste Mal in ihrem Leben mit Opern konfrontiert worden sind, heute zu Abonnenten von Volks- und Staatsoper gehören.“
Hinzu kommt der im wahrsten Sinne völkerverbindende Charakter der Unternehmung: „Wir agieren grenzüberschreitend im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Drgac. Sein Ensemble kommt aus aller Welt – „heuer von Mexiko bis Australien“. Etwa 300.000 Besucher sind seit Gründung des Festivals ins Kamptal gepilgert, um einige der Höhepunkte des Opernrepertoires kennenzulernen. Oder sich dem Vergnügen hinzugeben, Oper einmal in ungewohntem Ambiente zu genießen: „Es kommen auch Besucher aus Städten zu uns, in denen es Opernhäuser gibt. Nicht nur aus Wien, auch aus Prag oder Brünn. Und viele sagen mir: Eine Gewitterszene unter freiem Himmel zu erleben, das kann kein Theater der Welt bieten.“
Ein Gewitter ist im diesjährigen Programm vorgesehen: In Verdis „Rigoletto“ ballen sich die dramaturgischen Verknotungen zu einer enormen Entladung, kurz vor dem Finale. Dass die Darsteller während der Probenzeit von echten Gewittern überrascht werden, gehört in Gars zum gewohnten Spiel. Sänger, die hierher kommen, betrachten ihr Festspiel-Engagement durchaus als Sprungbrett. „Bei uns hat einst Wolfgang Bankl angefangen“, erzählt Drgac, „der heute Mitglied des Staatsopernensembles ist.“ Vor einigen Jahren war etwa auch George Petean in Gars engagiert – „es geht“, sagt Karel Drgac, „also nicht nur um die Umwegrentabilität für den Tourismus und die Region – an einer solchen Opernproduktion sind ja viele Menschen im Hintergrund beteiligt. Es geht aber auch um die kulturelle Aufbauarbeit.“
In Gars will man Oper „für die ganze Familie“ spielen, nicht zuletzt für Einsteiger, weshalb Drgac versichert: „von Regietheater-Experimenten bleibt man bei uns verschont. Das heißt nicht, dass wir nicht – wenn auch ohne erhobenen Zeigefinger – einfließen lassen, was an einem Werk wie ,Rigoletto‘ allzeit aktuell ist – Stichworte: Eventgesellschaft, Opportunismus . . .“ sin
Premiere: 13. Juli Info: www.opernair.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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