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Geistliches zum Finale der Ouverture spirituelle

29.07.2012 | 18:33 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Abbado und Gergiev: Von einer Messe des zwölfjährigen Mozart über Franz Schuberts Lebensbeichte bis zu Igor Strawinskys feinsinnig gedrechselten Psalmenvertonungen.

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Gastspiele und ein Beitrag der Philharmoniker rundeten die neue geistliche Eröffnungswoche ab. Nikolaus Harnoncourt wiederholte sein traditionelles Styriarte-Chorprogramm aus Stainz. Claudio Abbado kam mit seinem Orchestra Mozart vorbei. Er koppelte die Waisenhausmesse des zwölfjährigen Mozart mit der Es-Dur-Messe Franz Schuberts, die von Gottes Gnaden zum tönenden Vermächtnis werden sollte.

Ein Bekenntnis, das Schubert übrigens nicht zum katholischen Glauben ablegen, sondern abstrakter formulieren wollte. Es spricht Skepsis, vielleicht auch Angst aus den mystischen Harmonien, um die er die musikalische Romantik bereichert.

Genügend Anlass zum Nachdenken also am Wochenende. Auch über die Sinnhaftigkeit der Schwemme an Jugendorchestern bei einem Festival, das doch „in der Höhe der Preise“, um mit Karl Kraus zu ätzen, den höchsten Emanationen europäischer Musizierkunst gewidmet sein sollte.

Junge Menschen, die unter einem charismatischen Dirigenten ihr Äußerstes geben, machen allerdings leicht Mängel an natürlicher Harmonie vergessen, die sich bei einem Meisterorchester sozusagen traditionsgemäß einstellt.

 

Philharmonische Klangwände

Überdies präsentieren sich ja auch die Wiener Philharmoniker nicht immer von der allerbesten Seite und lassen hie und da nötige Tugenden eines Spitzenensembles unter die Notenpulte fallen. Nicht nur, weil sie von dort herumkriechenden ORF-Kameraleuten irritiert werden.

Jedenfalls gewann man beim einzigen Wiener Beitrag zur „Ouverture spirituelle“ den Eindruck, dass man sich auf die rhythmischen und satztechnischen Finessen von Igor Strawinskys „Psalmensymphonie“ nur unzureichend vorbereitet hat. Zwar garantiert ein Profi wie Valery Gergiev stets, dass alle gleichzeitig fertig werden, nicht immer auch, dass alle wirklich im selben Moment Strawinskys scharfe Akkordschnitte vornehmen.

Vor allem aber fehlt im Mittelsatz jegliches Gespür für die kontrapunktischen Linien. Die Holzbläser machen zunächst zwar (wie auch nach der Pause im Scherzo von Prokofieffs Fünfter) ihrem singulären Ruf kammermusikalisch alle Ehre, aber sobald alle gemeinsam agieren, verkommt, was ein luzides kontrapunktisches Gewebe sein sollte, zur undurchdringlichen Mauer. Ein Psalmengulasch statt einer Symphonie.

Der Staatsopernchor erwies sich dabei als nicht halb so souverän wie tags zuvor der exzellente Schönberg Chor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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10 Kommentare

Sinko weiß sogar, "dass Schubert sein Bekenntnis abstrakter formulieren wollte."

Manchen Rezensenten ist einfach gar nichts mehr peinlich!

Gast: Monteclavis
30.07.2012 15:29
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Widerlich

Ein Orchester, das unter anderem einen ehemaligen (Wiener) philharmonischen Solo-Kontrabassisten zu seinen Mitgliedern zählt als Jugendorchester zu bezeichnen, zeugt nur von vorsätzlicher Ignoranz und bewusstem Diskreditierungswillen des an sich durchaus fachkundigen Rezensenten. Sehr schade, dass Herr S immer mehr glaubt, sein Wissen in den Dienst der Meinungsbildung stellen zu müssen.

War ich in einem anderen Konzert?

Ich war gestern bei Gergiev und den Wr. Philharmonikern und kann dieser Kritik nicht einmal im Ansatz folgen.

Mag sein, dass ich nicht über ein absolutes Gehör verfüge und auch mit mangelndem Wissen ausgestattet bin ..

Hr. Sinkovicz, vielleicht könnten Sie zur Ausnahme mit permanent grundlos negativen Kritiken aufhören?!!!

Antworten Gast: schreker
31.07.2012 20:53
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Re: War ich in einem anderen Konzert?

Wieso? Wenn Thielemann oder Welser-Möst dirigieren, sind die sin-Kritiken doch nie negativ, nicht einmal grundlos...

Antworten Antworten Gast: beckfeitel
02.08.2012 09:27
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Re: Re: War ich in einem anderen Konzert?

Beruhigend zu wissen, dass das mit Thielemann und Welser-Möst auch anderen auffällt. Hier muss ich allerdings dem Rezensenten in Bezug auf das Gergiev-Konzert recht geben .(habe allerdings nur im TV geschaut)

Re: Re: War ich in einem anderen Konzert?

Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?

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Re: Re: Re: War ich in einem anderen Konzert?

Ich glaube, dass der Kritiker einen schlechten Tag hatte. Gergiev war ausgezeichnet. Auch die Psalmensymphonie, die ich früher selber im Chor miterlebte, war tadellos. Bitte lassen Sie auch andere Dirigenten leben. Nicht nur Thielemann.

Re: Re: Re: Re: War ich in einem anderen Konzert?

Verzeihung, da ist etwas in die falsche Kehle gerutscht.

Ob Böhm, Karajan, Levine, Bernstein, Abbado, Muti, Harnoncourt, Mehta, Barenboim, Pretre, Welser - Möst, Rattle, Boulez, Chailly, Thielemann, Jansons .... jeder ist ein großartiger Interpret - ich habe keine Vorliebe für Thielemann!!! Ich schätze jeden Einzelnen der Genannten ohne Anspruch auf Vollständigkeit!!!

Ich hatte nur wirklich aufgrund der Rezension, dass der Kritiker nicht einmal beim Konzert war oder pathologisch bösartig ist!!!!

War ich in einem anderen Konzert?

Ich war gestern bei Gergiev und den Wr. Philharmonikern, kann aber in keinem Satz dieser Presse Kritik das Konzert wiederfinden.

Mag sein, dass ich nicht über das absolute Gehör und auch das Wissen des Hrn. Sinkovicz verfüge, aber langsam Nerven seine permanent grundlos negativen Rezensionen ...

Gast: Norn
29.07.2012 21:56
2 0

Die Wiener zeigen sich nicht immer von der allerbesten Seite - immer seltener von der allerbesten Seite...

Und das Orchestra Mozart ist kein Jugendorchester - nur die Besetzung ist noch relativ jung, was in der Geschichte des noch jungen Orchesters begründet liegt.
RECHERCHIEREN HERR SIN. RECHERCHIEREN!

Sinkothek