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Salzburger Festspiele, ewige Melkkuh

03.08.2012 | 18:48 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Intendanten, Konzepte, künstlerische Qualität? In Wahrheit geht es an der Salzach im Sommer weniger um Kulturfragen als um den Rückfluss von Steuergeldern – und um internationale PR für die „Kulturnation“.

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Salzburg. Anna Netrebko singt. In Wahrheit genügt das, um das Salzburger Festspielbarometer den höchsten erreichbaren Wert anzeigen zu lassen. „Gibt es Karten für die Netrebko-Show?“, so lautete die Frage an das Kartenbüro bereits 2005. Die „Netrebko-Show“, das war Verdis „Traviata“, nach dem allseits als Sensation bestaunten Debüt in der von Nikolaus Harnoncourt dirigierten Premiere von Mozarts „Don Giovanni“ der zweite Auftritt der Diva im Festspielhaus.

Und für viele, dank Fernsehübertragung, ihr eigentlicher Durchbruch. Die Opern, in denen die Netrebko auf der Besetzungsliste steht, sind seither immer der eigentliche Kassenmagnet. Ganz gleich, wer am Dirigentenpult steht, ganz gleich, wer inszeniert. So sind denn auch heuer die Vorstellungen von Puccinis „La Bohème“ restlos überbucht, während für alle anderen Produktionen mit mehr oder – in der Regel – weniger Mühe Tickets in jeder Kategorie zu haben sind.

In gewisser Hinsicht, so trösten sich Salzburger Eingeweihte, die den Betrieb seit Jahrzehnten beobachten, hat sich nichts geändert. Früher einmal hieß die Konstante Herbert von Karajan. Man pilgerte in die Festspielstadt, um bestimmte Namen in den Programmheften lesen zu können. Und um dabei gewesen zu sein.

Insofern, da sind sich die Kommentatoren einig, hat man mit Alexander Pereira einen idealen Mann an der Festspielspitze gefunden. Er versteht sich aufs Namedropping bestens, holt aktuelle Spitzenstars – eben auch die Netrebko – und „Ehemalige“. Sogar José Carreras gibt heuer wieder einen Liederabend. Ein alter Haudegen wie Placido Domingo singt Händel, für den ein wenig angeschlagenen Publikumsliebling Rolando Villazón fand sich eine Mozart-Oper, in der er ohne Probleme reüssieren konnte.

Vor allem aber: Pereira weitet das Angebot aus und hat die Festspiele kurzerhand um eine Woche verlängert. Er begann mit einer „Ouverture spirituelle“, die sich auch im Feuilleton als synkretistischer Versöhnungsakt und Gedankenmühle vermarkten lässt. Ein Salzburger Nobelwirt bringt es auf den Punkt: „Unser Geschäft hat heuer schon eine Woche früher begonnen.“ Während die schöngeistige Festspielberichterstattung dabei sogar philosophische Hintergedanken wälzen darf, bedeutet das für das Finanzministerium höhere Steuereinnahmen bereits ab 19. und nicht erst ab 27.Juli. Die viel zitierte Umwegrentabilität beschert neue Überschussrekorde.

Kein Wunder, dass Budgetdiskussionen unter diesen Auspizien rasch verstummen. Dass ein Intendant deshalb keine Rücktrittsdrohungen ausstoßen muss, hat Alexander Pereira bereits begriffen. Man hat sich geeinigt. Offiziell beträgt der Rahmen nicht mehr als die vorab geplanten 60 Mio. Euro. (Zuschüsse: 12,6 Mio. Euro) Was an Sponsorengeldern zusätzlich geschnorrt werden kann, fließt „ausgelagerten“ Projekten zu.

 

Auch auf den Bildschirmen präsent

Da die Steuereinnahmen durch die Festspiele und ihr Umfeld erwiesenermaßen der öffentlichen Hand mehr Geld bringen, als diese dem Kunstbetrieb zuschießt, wird nicht einmal jener Paragraf des Festspielgesetzes in Zweifel gezogen, der die Abgangsdeckung in jedem Fall garantiert.

Künstlerische Fragen wurden bei alledem in Salzburg immer nur auf den Kulturseiten abgehandelt. Solange die rechten Galionsfiguren für Aufruhr auch in den Klatschspalten sorgen, fällt das Salzburger Nockerl nicht in sich zusammen. Dass sich dessen Nimbus auch medial transportieren lässt, erweisen die enormen Einschaltquoten bei den (heuer ungewöhnlich vielen) TV-Übertragungen.

Salzburg ist als das Sommerfestival schlechthin bis in den fernen Osten auf den Bildschirmen präsent. Salzburg, Mozart und die Netrebko – im weitesten Sinn Österreich-Werbung. Ideell unbezahlbar – und real, angesichts des erzielten Effekts, nicht einmal wirklich teuer...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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27 Kommentare
 
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Gast: silberwald
06.08.2012 07:56
0 0

Wunschdenken

Noment mal: Wie war das? "schlechthin bis in den fernen Osten auf den Bildschirmen praesent" -
Ja, schoen waer's.
Tut mir leid, aber hier in New York kennt man nicht einmal in der Komponistenszene die Salzburger Festspiele.
Vielleicht waer ein bisschen mehr Realitaetsbezug von Vorteil. Das beginnt mit dem Neujahrskonzert, das laut der PBS Station maximal 24 - 26.000 Leute sehen, wieviel sind das bei einer Zielgruppe von 300 Millionen?
Nur so viel: Solange Tanglewood stattfindet, wird Salzburg absolut NULL Chance haben!

Gast: eine Million Milliarden
04.08.2012 15:26
0 0

Elend

…die "Netrebko - Show", im sicken Schick der letztjährigen Atomkatastrophe.

Gast: Jedermann
04.08.2012 14:56
0 0

Ohne die eigentliche Hauptperson, die Kultusministerin Schmied, kann es keine echten Salzburger Festspiele geben

Mittlerweile lebt die ganze Salzburger Festspielindustrie von der vortrefflichen Netrebko!

Leider sind inzwischen die Karten und vor allem die Unterkünfte für kulturinteressierte junge Leute unerschwinglich teuer.

Antworten Gast: b754
04.08.2012 16:09
0 1

Re: Ohne die eigentliche Hauptperson, die Kultusministerin Schmied, kann es keine echten Salzburger Festspiele geben

diese festspiele sind doch ohnehin eine inzucht der kunst an der niemend teilhaben soll der nicht das nötige kleingeld bereit stellt und damit das fußvolk ruhig bleibt stell man eine leinwand auf damit weiter die millionen fließen können voen denne immer die selben profitieren

Gast: b754
04.08.2012 13:34
2 1

und wann kommt endlich der höhepunkt

der gottschalk?

Die mit den Steuergeldern tanzen...

Von Hofmannsthal und Reinhardt als Ort österreichischer Identitätsstiftung erfunden, sind die SF längst zu einem Popanz des globalen Regietheaters geworden.

Die österreichischen Nationalparke sind da gesünder. Kosten weit weniger. Und werben lässt sich damit auch.

Daher: Legt unser Steuergeld vernünftiger an. Oder lasst es uns.

Antworten Gast: Insider1
04.08.2012 14:02
1 0

Re: Die mit den Steuergeldern tanzen...

Die Steuerabgaben, die die Festspiele abliefern, sind bereits höher als die Förderungen, die der Bund an die Festspiele hergibt. Da reden wir noch gar nicht über die zig-tausend Menschen und Betriebe in Salzburg und Umgebung, die über Hotellerie, Gastwirtschaft und u.v.a.m. Geld damit verdienen und auch damit Geld über Steuern abliefern und - damit z.B. auch Nationalparks etc. mitfinanzieren!

Gast: Callisto
04.08.2012 08:12
2 2

Erstaunlich gell Herr Journalist?

Mit gutem Kunstmanagement ist sogar mit Hochkultur was zu verdienen!
Vielleicht spricht es sich sogar irgendwann mal bis Wien herum......

Antworten Gast: Vogel Strauss
04.08.2012 14:07
1 1

Re: Erstaunlich gell Herr Journalist?

'Hochkultur' in Salzburg? Ganz was Neues ...

Antworten Antworten Gast: Klaus
04.08.2012 14:39
0 0

Re: Re: Erstaunlich gell Herr Journalist?

das einzige das hoch ist sind die Hotelpreise. 30% und mehr Zuschläge weil Festspielzeit ist.
Für das Geld was da ein Wochenende kostet kann ich inkl. Flug gleich ein nettes Wochenende in Berlin oder in einer anderen Weltstadt machen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Callisto
04.08.2012 15:05
0 0

Re: Re: Re: Erstaunlich gell Herr Journalist?

Wer es sich nicht leisten kann möge zuhause bleiben.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Klaus
04.08.2012 20:54
0 0

Re: Re: Re: Re: Erstaunlich gell Herr Journalist?

oh, im Gegenteil: das Geld wird eben in einer Stadt mit Rang und Namen ausgegeben, nicht in der Provinzstadt Salzburg.

Wir zahlen!

sie verdient: die Festspiel-Industrie.

Österreichs Kulturschaffende leiden oft bittere Not. Ihnen könnte mit diesem Geld geholfen werden!

Antworten Antworten Gast: Callisto
04.08.2012 15:07
0 0

Re: Wir zahlen!

Wer nichts kann verdient auch nichts außer beim ORF und seinen Epigonen.
Glaube nicht das die Netrebko arm ist und die Sozen hatte sie auch nicht nötig um erfolgreich zu werden - so im Gegensatz zu anderen (Lebens)Künstlern.

Antworten Antworten Antworten Gast: Klaus
04.08.2012 20:55
0 0

Re: Re: Wir zahlen!

bezahlter Poster der Festspielveranstalter?

Gast: Wunderlich
04.08.2012 07:23
1 1

Kommentare

Wenn ich mir die bisherigen Kommentare ansehe, dann zweifle ich, ob da jeder eine tiefere Ahnung von volkswirtschaftlicher Umwegrentabilität hat.

Zudem bin ich nicht der Meinung, dass Salzburg aus der puren Existens heraus bereits dermaßen viele Touristen anziehen könnte, würde man die Festspiele für immer beenden.

Gast: Hemingway
04.08.2012 06:20
3 1

Bei diesen sogenannten Festspielen handelt es sich um eine Massenhysterie, wo viele 'wichtige' Möchtegerns glauben, dabei sein zu müssen !


Re: Bei diesen sogenannten Festspielen handelt es sich um eine Massenhysterie, wo viele 'wichtige' Möchtegerns glauben, dabei sein zu müssen !

So ist es! Wahre Kunst ist woanders ...

Antworten Antworten Gast: Callisto
04.08.2012 15:09
1 0

Re: Re: Bei diesen sogenannten Festspielen handelt es sich um eine Massenhysterie, wo viele 'wichtige' Möchtegerns glauben, dabei sein zu müssen !

Der Neid der Habenichtse - wie in Bayreuth

Gast: Entzauberung Salzburgs
04.08.2012 05:01
1 1

Gräßliche Bohème für gräßlich ungebildetes Adabei-Publikum

Die Zwangsverproletarisierung unserer Gesellschaft als Folge des unermüdlichen Hinunternivellierens und des daraus resultierenden Werte- und Ethikverlustes durch unsere inhaltlich wenig anspruchsvolle, nur symbolisch gebildete, neureiche Kleptokratie und ihre von den gelenkten Medien hochgejubelten Pseudostars bekam man mit der gräßlichen Bohème überdeutlich vor Augen geführt. Leid tun konnte einem die wie immer exzellente Netrebko, die sich in sonderbarer Ausstaffierung auf der Bühne für die Herren im Publikum prostituieren mußte. Würstlstandl umringt von Subkultur sieht man en masse kostenlos und nach Belieben täglich öfters am Gürtel und inzwischen fast überall im abgewirtschafteten, verdreckten, verkifften Prolo-Wien, da braucht man nichteinmal eine geschenkte Festspielkarte im extrateuren Adabei-Salzburg.

Die krass niveauverlierenden Salzburger Festspiele mit ihrem Almauftrieb an sich selbst inszenierenden Nervensägen inmitten der Kleptokratenvollversammlung kann einem in Hinkunft gerne gestohlen bleiben.


Gast: Piccolomini
04.08.2012 04:08
1 2

Ja, ja der Herr v. Pereira!

Er ist ein wirklicher Kuenstler, dass er die nicht vorhandenen Kleider des Kaisers, als sublime Kreation verkauft. Mehr nicht. Wenn ein Festspiel vom Rang Salzburg's nur mehr auf Frau Netrebko's Stimmbaender ruht, dann sind die Festspiele wirklich nur mehr zum Event verkommen. Anstatt, dass es wie bei der Olympiade zu geht, wo die Besten der Besten eine Buehne bekommen, setzt man auf ein Zugpferd und ein paar verdiente ehemalige Groessen und wuerzt dies mit einer veralteten Modernitaet. Alte Maenner kennen leider nur, die alten Tricks, weil sie den Bezug zum Heute verloren haben. Provinzgeschmack! Lass es teuer aussehen, aber gehe nicht das Risiko wirklich aufregende Kuenstler zu foerdern. Ein untruegliches Zeichen, fuer schlechtes Theater ist, wenn man mehr ueber den Intendanten spricht, als ueber das, was auf der Buehne wirklich stattgefunden hat. Schade! Nur ein Event, mehr nicht!

Er versteht sich aufs Namedropping bestens, holt aktuelle Spitzenstars – ...?

Würde wahrscheinlich so nicht sein, hätte er für seine Einkäufe eigenes Geld in die Hand zu nehmen?

Antworten Gast: b754
04.08.2012 07:28
2 0

Re: Er versteht sich aufs Namedropping bestens, holt aktuelle Spitzenstars – ...?

Werter Rauhaardackel, was wollen Sie uns sagen?

Salzburg wäre auch ohne Festspiele im Sommer ...

... übervoll.
Aber man kann das Rausplempern von Steuergeldern so herrlich mit "Umwegrentsbilität" begründen.

Antworten Gast: Max Meier
09.08.2012 19:29
0 0

Re: Salzburg wäre auch ohne Festspiele im Sommer ...

übervoll mit Tagestouristen, die ihr Picknick mitbringen und evtl eine Postkarte kaufen.

Die Festspiele bringen Logiernächte und weiteres; Trotzdem ist das Ganze zu überdenken.

Gast: b754
03.08.2012 19:59
5 5

es hat wohl ohnehin nie wer ernsthaft annehmen können dass es dabei um kunst geht

der mediale höhepunkt ist gottschalk und die größten wirtschaftsverbrecher geben sich die klinke in die hand eine schande für eine stadt die sich zur hochkultur zählt eine ansammlung von scheuchs

 
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