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Salzburg: Schubert für Herz und Hirn

10.08.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Christian Gerhaher und Gerold Huber mit der „Schönen Müllerin“: Eine großartige Leistung, die auf Intellekt ebenso wie auf Emotion fußte – und dankbar bejubelt wurde.

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Christian Gerhaher darf als Inbegriff des Liedinterpreten gelten – ein Sänger, der fähig ist, mit seinem hell timbrierten, höchst modulationsfähigen lyrischen Bariton jede Silbe, jeden Ton auf die Goldwaage zu legen, und der bei aller intellektuellen Präzision doch spontan und unmittelbar emotional zu wirken versteht.

Gerhahers Entscheidung, die drei von Franz Schubert nicht vertonten Binnengedichte aus Wilhelm Müllers „Schöner Müllerin“ als Rezitation einzugliedern, Prolog und Epilog aber wegzulassen, mag auf den ersten Blick überraschen, besitzt jedoch Logik: Sie geben weiteren Einblick in die Geschichte der unerwiderten und tragisch endenden Liebe zwischen dem Müllerburschen und seiner Angebeteten.

Sie verzichten aber auf jene ironische Distanz, die Müller in Prolog und Epilog aufbaut. Und sie helfen, die Deutung zu untermauern, welche Gerhaher verfolgt, indem er den Protagonisten als „ziemlich schüchternen, von Sehnsucht getriebenen jungen Mann“ darstellt, der an seiner Introvertiertheit zugrunde geht – weil er nicht fähig ist, sein reiches Innenleben, von dem der Zyklus ja auf Schritt und Tritt kündet, nach außen zu kommunizieren.

 

Emotionale Nöte eines Jünglings

Ob nun singend oder in nicht minder nuancierter Deklamation, brachte Gerhaher gemeinsam mit seinem trefflichen Partner Gerold Huber da die emotionalen Nöte des Jünglings auf Punkt und Komma zum Ausdruck – und das heißt, dass sich auch jeder Beistrich Müllers in der Phrasierung niederschlug, dass Klangfarben zur Hervorhebung von Klage, Ärger, Resignation ebenso wichtig und gewichtig eingesetzt wurden wie dynamische Werte – fernab aller Plakativität, jedoch mit größter Eindringlichkeit.

Huber reflektierte nicht nur gleich eingangs die Themen Wasser, Räder und Steine klanglich aufs Schönste mit, obwohl doch der Notentext derselbe bleibt, sondern setzte auch in der Klavierstimme jene kleinen Zäsuren und Schwerpunkte, die selbst an relativen Ruhepunkten jeden Anflug von Behaglichkeit unterbanden. Eine großartige Leistung, die auf Intellekt ebenso wie auf Emotion fußte – und dankbar bejubelt wurde. wawe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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