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Salzburg: Schuberts dramatische Tänze

16.08.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Bei den Festspielen begann der Schubert-Zyklus mit Daniel Barenboim. Er interpretiert den großen Lyriker schon zum Auftakt durchaus dramatisch.

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Auf dem CD-Markt und auf Konzertpodien stehen für Daniel Barenboim alle Zeichen auf „Beethoven For All“. Auch in Salzburg, wo er Anfang August die Symphonien fünf und sechs aufführte. Am Klavier widmet er sich bei den Festspielen nun einer ganz anderen Welt: der von Franz Schubert. An drei Abenden im Großen Festspielhaus spielt er die letzten vier Klaviersonaten und die beiden Impromptu-Zyklen, in denen Schubert das übermächtige Vorbild Beethoven auf ganz eigenwillige Art überwand.

Dennoch oder gerade deshalb interpretiert Barenboim den großen Lyriker schon zum Auftakt durchaus dramatisch – und als zukunftsweisenden Komponisten. In der so herrlich weiträumigen G-Dur-Sonate D894 verleiht er bereits den berühmten ersten Takten eine treibende Kraft, indem er die liegenden Akkorde minimal dehnt, die folgenden Achtel dagegen im Tempo flüssiger nimmt. Der entstehende Drive hebt in der Folge ganz logisch die tänzerischen Elemente hervor, und wenn die Sechzehntel-Umspielungen wie selbstvergessen einsetzen und schier endlose Koloratur-Girlanden spinnen, dann wird klar, dass hier der Klavier-Belcanto eines Chopin wurzelt: ein Klima, von dem die sich auftürmenden fff-Akkorde sich umso dämonischer abgrenzen.

 

Musikalisch immer auf dem Punkt

Gesten von Tanz und Gesang unterstreicht Barenboim auch weiterhin beständig, pianistisch vielleicht nicht phänomenal treffsicher, aber musikalisch immer auf dem Punkt; manchmal scheint es gar, als würden gerade die kleinen technischen Holperer seiner Interpretation noch mehr Tiefe verleihen. Etwa im Finale, wo Barenboim am Beginn nicht den Auftakt betont (Schubert schreibt ein Marcato), sondern den Akkord auf der folgenden Eins, um erst beim zweiten Mal den nun expressiv gesteigerten Auftakt hervorzuheben. Da bekommt dieses Thema bei der ersten Wiederkehr, eine Oktave tiefer, eine Art von Klangschatten in der rechten Hand beigestellt: Der ließe sich vielleicht vom Anschlag geschmeidiger denken, kaum aber ausdrucksvoller, unbehaglicher.

Dergleichen hörte man auch in der c-Moll-Sonate D958. Wo andere, etwa Mitsuko Uchida in Salzburg 2011, freier agieren, baute Barenboim zunächst ganz auf eherner Strenge auf. Nach bewusst gesetzten kontrapunktischen Widerborsten im Adagio und einem etwas mulmigen Menuett findet das Werk bei ihm erst im Finale vom Unerbittlichen zu einer gewissen Gelöstheit, die allerdings der Düsternis nicht entkommt. Frenetischer Applaus. wawe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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1 Kommentare

unerhört präsent: barenboim und schubert

für mich war es ein zutiefst beeidruckender abend!

http://bernhardjenny.wordpress.com/2012/08/16/unerhort-prasent-barenboim-und-schubert/

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