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Salzburger Festspiele: Beethoven, musterschülerhaft

23.08.2012 | 16:50 |  Von Walter Dobner (Die Presse)

An drei Abenden spielen das ideal aufeinander eingestimmte, technisch perfekte Duo Leonidas Kavakos und Enrico Pace im Salzburger Mozarteum Beethovens Violin-Klavier-Sonaten.

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Beethovens Violin-Klavier-Sonaten gilt in den kommenden Monaten das spezifische Engagement von Leonidas Kavakos. Das Besondere an diesem Projekt: Der Geiger hat die zehn Werke mit gleich zwei Pianisten erarbeitet. Mit Enrico Pace führt er sie dieser Tage im Salzburger Mozarteum auf, mit Emanuel Ax kommende Saison im Wiener Musikverein. Dort nicht, wie bei den Festspielen, von Kameras des Bayerischen Rundfunks begleitet. Ob ihn dies zu einem entspannteren Musizieren verführen wird?

Vorderhand konzentrierte sich das ideal aufeinander eingestimmte, technisch perfekte Duo auf eine möglichst penible Darstellung des Notentexts. Kavakos wartete mit makellosen Piani auf, die er mit etwas harsch klingenden Forte-Akkorden kontrapunktierte. Möglicherweise, um sich bei den lauteren Stellen so besser Gehör zu verschaffen. Denn sein italienischer Klavierpartner drängte sich beim ersten Salzburger Konzert etwas in den Vordergrund. Wenigstens im ersten Teil, der jenen beiden Sonaten gewidmet war, die ursprünglich unter der gemeinsamen Opuszahl 23 publiziert wurden, später unter den getrennten Ordnungsnummern 23 und 24 herauskamen: die etwas spröde a-Moll-Sonate sowie die ungleich populärere „Frühlingssonate“.

Eindimensionale „Frühlingssonate“

In beiden Fällen gelangen meisterhaft exakte Deutungen. Bei der „Frühlingssonate“ hätte man sich aber ungleich mehr Expressivität und Mut zum Auskosten der Kantilenen sowie spontan gesetzte Akzente gewünscht. Sie klang eindimensional, selbst im langsamen Satz.

Ohne großzügig-souveräne Gestik lässt sich auch mit Beethovens letzter Violin-Klavier-Sonate wenig Staat machen. Gerade sie verlangt nach weiten, mit innerer Gelassenheit ausgebreiteten Bögen, weniger nach kleinteiliger Betrachtung, wie die G-Dur-Sonate diesmal offeriert wurde. So einförmig gedeutet verlor sich bald die programmatische Idee dieses Zyklus. Er zielt nämlich nicht auf eine chronologische Darstellung dieser Sonaten, sondern soll gleichermaßen die Gemeinsamkeiten wie die unterschiedlichen Strukturen dieser Werke deutlich machen. Darüber sollte man aber nicht nur in Programm-Essays lesen, sondern es auch durch entsprechend differenzierte Darstellungen vermittelt bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)

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