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Schubert mit weit gespannter Intensität

25.08.2012 | 16:03 |  Von Walter Dobner (DiePresse.com)

Daniel Barenboim beschloss berückend seinen Schubert-Zyklus bei den Salzburger Festspielen.

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Für langsame Tempi muss man quasi geboren sein. Es genügt nicht, sich dafür zu entscheiden. Man muss sie auch durchhalten, mit solcher Spannung erfüllen, dass Langeweile nicht einmal den Deut einer Chance bekommt. Daniel Barenboim verfügt über diese Fähigkeit. Man weiß es seit seinen frühen Einspielungen der Beethoven-Klaviersonaten und Mozart-Klavierkonzerte. Sein Schubert-Projekt im Großen Festspielhaus, bei dem er, verteilt auf drei Abende, den Fokus vor allem auf die letzten drei Schubert-Sonaten legte, hat dies wieder einmal demonstriert.

Es ist ein sehr persönlicher, vor allem intimer Schubert. Selten, dass Barenboim mit dynamischen Akzenten auftrumpft. Viel mehr interessieren ihn die zahlreichen Piano-Facetten dieser Stücke. Egal, ob bei den Impromptus D 899 – nicht als selbstständig für sich stehende poetische Stimmungsbilder, sondern als vierteilige, unterschiedlichen melodischen und rhythmischen Intentionen folgende Sonate verstanden – oder eben der finalen B-Dur-Sonate.

Unendliche Melodie. Nicht erst für deren letzten Satz gilt die vom Wiener Komponisten und Musikologen Hans Gál geprägte Metapher von Schubert als Inbegriff der unendlichen Melodie. Sie findet sich auch in den drei übrigen Sonatensätzen, wenn man durch entsprechende Tempowahl ihren epischen Charakter betont, sich so Zeit nimmt, Details plastisch hervorzuheben, aber nie auf den großen Bogen vergisst.

Barenboim zeigte es mit exemplarischer Intensität beim von Traueratmosphäre bestimmten cis-Moll-Andante sostenuto der B-Dur-Sonate. Wie er deren verhangene Stimmung mit innerer Bewegtheit, dabei sich stets völlig zurücknehmend, ausleuchtete, mit feinsten Rubati Harmoniewechsel verdeutlichte, sich im Mittelteil nie dazu verleiten ließ, mit oberflächlicher Dramatik aufzutrumpfen, gar rhythmische Verve über tiefsinniges Melos zu stellen, ließ einem förmlich den Atem stocken.

Folgerichtig betonte er im folgenden Scherzo weniger deren tänzerische Attitüde, sondern deutete es als sanft dahinwiegendes Intermezzo. Nahezu traumverhangen, entsprechend dynamisch zurückgenommen breitete er den Schlusssatz aus. Apropos Finale: Dieses Allegro ma non troppo beginnt seine sich zur unendlichen Melodie steigernde Entwicklung mit einem einzigen Akkord. Wie jenes c-Moll-Impromptu, mit dem Barenboim den Abend ebenso fein nuanciert und mit weiträumiger Kantabilität eröffnete.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2012)

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