Grafenegg explodiert. Der Zustrom an Interessenten bleibt auch bei Zeitgenössischem ungebremst. Getreu der Maxime der künstlerischen Galionsfigur des Festivals, Rudolf Buchbinder, gibt es kein „Generalthema“ für den Veranstaltungsreigen, aber Jahr für Jahr stellt man einen „Composer in Residence“ in den Mittelpunkt, dessen Werke die Programme durchziehen. Heuer ist der Schotte James MacMillan Grafenegger Hauptkomponist. Schon das Eröffnungskonzert, bei dem Haydns „Schöpfung“ erklang, wurde von MacMillan'schen Fanfaren eingeleitet. Anlässlich des „Preludes“ zum Kammermusik-Samstag musizierte das Minetti-Quartett in der Reitschule nebst Beethovens G-Dur-Quartett op. 18/2 und Dvoraks „Amerikanischem“ MacMillans „Memento“ (1994).
Dvorak bildete die Klammer zum nachfolgenden Abendkonzert: Im Auditorium musizierte Buchbinder mit philharmonischen Freunden zwei Klavierquintette, des böhmischen Meisters op. 81 und Schuberts „Forellenquintett“, ein gemütvoller Auftakt intimen Zuschnitts zu den großen Orchestergastspielen, die folgen. Und weil Festspiele sind, verließ die junge Dame, die Buchbinders Noten umgeblättert hatte, mitten in der Schubert-Aufführung das Podium, um einem Kollegen Platz zu machen: Michael Schade stellte vor dem Variationensatz das „Thema“ in seiner Originalgestalt vor: Er sang, akklamiert vom Publikum, „Die Forelle“. Die Musikanten waren hernach in ihrem Element, Buchbinder, Volkhard Steude, Tobias Lea, Franz Bartolomey phrasierten ihre jeweiligen Variationen cantabile. Christoph Wimmer bewies, dass auch der als unbeweglich verrufene Kontrabass bei diesem instrumentalen Belcanto-Wettstreit mithalten kann. Und Schade blätterte bis zum Happy End. sin
Übertragungen in Ö1: Minetti-Quartett 9. Oktober (10.05 Uhr), Quintette: 11. November (20.04 Uhr) .
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)

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