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Teilweise brillant: Berliner unter Rattle in Salzburg

27.08.2012 | 16:22 |  VON WALTER DOBNER (Die Presse)

Die Berliner Philharmoniker eröffneten am Sonntag den kleinen Lutoslawski-Schwerpunkt der Salzburger Festspiele mit seiner dritter Symphonie. Die Philharmoniker haben eine besondere Beziehung zu diesem Werk.

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Vielfalt war angesagt beim heurigen Konzertprogramm der Salzburger Festspiele. War es zu viel, um den Blick auf Zentren des Angebots zu fokussieren? Immerhin gab es neben viel Kulinarischem auch drei – wenn auch aphoristische Komponistenschwerpunkte: für Heinz Holliger, Bernd Alois Zimmermann und Witold Lutoslawski. Am Dienstag Abend spielt das Cleveland Orchestra (mit Krystian Zimerman als Solisten) dessen Klavierkonzert, am Sonntag beschlossen die Berliner Philharmoniker mit Lutoslawskis dritter Symphonie ihren heuer einzigen Salzburger Festspielauftritt. Sie haben eine besondere Beziehung zu diesem Werk: 1986, nur vier Jahre nach seiner Fertigstellung, ist ihre bis heute vorbildliche Einspielung herausgekommen, mit Lutoslawski selbst am Pult.

Er hat das zweisätzige Stück mit ausführlicher Coda nach dem von ihm selbst erfundenen Prinzip des „aleatorischen Kontrapunkts“ konzipiert: Streng notierte Passagen wechseln mit aleatorischen Abschnitten. Dem Zufall wird damit explizit Raum eröffnet. Mit Beliebigkeit hat dies nichts zu tun. Vielmehr lässt der Dirigent in diesen Partien bestimmte Instrumentengruppen alleine spielen, wobei jedes Instrument eine eigene Stimme hat. Um ein so komplexes Miteinander zu bewältigen, muss der Dirigent die Partitur bis ins Detail verinnerlicht haben, um den Musikern die vom Komponisten verlangte Freiheit zu geben, ohne die Proportionen des Werks zu vernachlässigen oder gar zu verändern.

Sir Simon Rattle an der Spitze seiner ihm mit höchster Brillanz folgenden Berliner Philharmoniker gelang das im Großen Festspielhaus perfekt. Scheinbar mühelos fügte er die unterschiedlichen Partien zu einem spannenden Ganzen, animierte die Musiker zu differenziertester Klanglichkeit, machte den wellenförmigen Aufbau dieser Symphonie, die in einer Art Trauermarsch-Atmosphäre schließt, packend hörbar.

Wenig Leichtigkeit bei Brahms

Im ersten Teil des Werks kehren vier Achtelnoten in den Bläsern und Pauken hartnäckig immer wieder, was an das Schicksalsmotiv von Beethovens fünfter Symphonie denken lässt. So liegt es nahe, diesen Lutoslawski mit einem Beethoven zu verbinden. Rattle entschied sich aber für das zweite Brahms-Klavierkonzert, dem man am besten gerecht wird, wenn man es mit schwereloser Leichtigkeit musiziert.

Davon war man diesmal weit entfernt. Im Gegenteil: Yefim Bronfman donnerte seinen Part, den er technisch mühelos meisterte, in den Steinway, ließ nur hier und da seine Pianokultur aufblitzen. Überraschend verwaschen war der Klang des Orchesters, das zum Teil so laut spielte, als gelte es in einer Freiluftarena vor Tausenden mit Rachmaninow aufzutrumpfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

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