Der seit 2007 amtierende Intendant des Wiener Konzerthauses, Bernhard Kerres, verlässt das Haus mit Ende der Saison 2012/13. "Es war mir immer klar, dass ich im Konzerthaus nicht in Pension gehen werde", begründete der 45-Jährige im Interview mit der Tageszeitung "Kurier" seine Entscheidung. Deshalb sei das Ende der laufenden Jubiläumssaison - der 100. - ein guter Zeitpunkt um aufzuhören.
"Es gab wahnsinnig viel Positives, mehr, als ich mir je erwartet hätte. Es war für mich erstaunlich, wie viele Menschen dem Haus wohlwollend gegenüber stehen", wies der Kulturmanager institutionelle Gründe für seinen Abschied zurück. Kerres hatte den Posten des Intendanten vor fünf Jahren als Nachfolger des jetzigen Elbphilharmonie- und Laeiszhallenintendanten Christoph Lieben-Seutter angetreten.
Er habe sich die Entscheidung, das Haus mit Saisonende zu verlassen, nicht leicht gemacht, unterstrich Kerres gegenüber dem "Kurier". Er hinterlasse ein Haus, das "man gerne übergibt". So sei ihm nicht zuletzt gelungen, die Besucherzahlen signifikant zu steigern: "Wir hatten einen enormen Zuwachs an verkauften Abos und werden in der Jubiläumssaison ein Plus von 15 Prozent haben."
Millionenschwere Schulden
Eine umfassende Lösung für die aus der Renovierung resultierenden millionenschweren Schulden des Hauses fand Kerres hingegen nicht. "Die Schulden haben wir, daran hat sich nichts geändert", so der Noch-Intendant: "Natürlich hätte ich gerne - wie jeder Kulturmanager - signifikant mehr Geld gehabt." Aber beim Chefposten des Konzerthauses sei es wie bei jedem anderen Job: "Manchmal kommt man mit seiner Meinung halt nicht durch." Sein Abschied nach der neuen Saison habe jedenfalls auch klare Pluspunkte: "Mehr Zeit für die Familie zu haben, nicht jeden Abend weg zu sein."
Auch wenn seine Entscheidung letztlich überraschend kam, gilt der am 9. Dezember 1966 in Wien geborene Kerres als Mann harter Schnitte. Als er im Alter von 29 Jahren - nach seiner von 1987 bis 1992 dauernden Ausbildung an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst - herausgefunden hatte, dass er "einfach nicht gut genug" war, um professioneller Opernsänger zu bleiben, entschied er sich 1996 für ein Wirtschaftsstudium an der London Business School, worauf eine steile Karriere folgte.
Nach Abschluss seines Studiums heuerte er 1998 als Berater bei Booz Allen Hamilton in München und Wien an. 2002 wechselte er als Finanzvorstand zur Kapsch CarrierCom AG, bevor er 2006 Vorstandsvorsitzender des deutschen Verkehrstechnikkonzerns M-Tech wurde.
Seine Kulturarbeit hatte Kerres allerdings nie völlig aufgegeben: Nach seinem Engagement am Internationalen Opernstudio des Opernhauses Zürich war der Gründer der Wiener Taschenoper von 1995 bis 1996 Berater bei AEA Ltd., einer Londoner Beratungsfirma für Kunst und Kultur. Von 2001 bis 2004 war er Aufsichtsratsmitglied der London Mozart Players, für die er an einer neuen Strategie arbeitete. 2005 stieß er schließlich zum Direktorium der Wiener Konzerthausgesellschaft. Zum Intendanten des Hauses als Nachfolger von Christoph Lieben-Seutter wurde er dann 2007 bestellt.
(APA)

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