25.05.2013 17:21 Merkliste 0

Wiener Konzerthaus: Intendant Kerres hört auf

27.08.2012 | 21:32 |   (DiePresse.com)

Der 45-jährige Bernhard Kerres verlässt das Konzerthaus mit dem Ende der Jubiläumssaison. Er trat das Amt des Intendanten 2007 an.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der seit 2007 amtierende Intendant des Wiener Konzerthauses, Bernhard Kerres, verlässt das Haus mit Ende der Saison 2012/13. "Es war mir immer klar, dass ich im Konzerthaus nicht in Pension gehen werde", begründete der 45-Jährige im Interview mit der Tageszeitung "Kurier" seine Entscheidung. Deshalb sei das Ende der laufenden Jubiläumssaison - der 100. - ein guter Zeitpunkt um aufzuhören.

"Es gab wahnsinnig viel Positives, mehr, als ich mir je erwartet hätte. Es war für mich erstaunlich, wie viele Menschen dem Haus wohlwollend gegenüber stehen", wies der Kulturmanager institutionelle Gründe für seinen Abschied zurück. Kerres hatte den Posten des Intendanten vor fünf Jahren als Nachfolger des jetzigen Elbphilharmonie- und Laeiszhallenintendanten Christoph Lieben-Seutter angetreten.

Er habe sich die Entscheidung, das Haus mit Saisonende zu verlassen, nicht leicht gemacht, unterstrich Kerres gegenüber dem "Kurier". Er hinterlasse ein Haus, das "man gerne übergibt". So sei ihm nicht zuletzt gelungen, die Besucherzahlen signifikant zu steigern: "Wir hatten einen enormen Zuwachs an verkauften Abos und werden in der Jubiläumssaison ein Plus von 15 Prozent haben."

Millionenschwere Schulden

Eine umfassende Lösung für die aus der Renovierung resultierenden millionenschweren Schulden des Hauses fand Kerres hingegen nicht. "Die Schulden haben wir, daran hat sich nichts geändert", so der Noch-Intendant: "Natürlich hätte ich gerne - wie jeder Kulturmanager - signifikant mehr Geld gehabt." Aber beim Chefposten des Konzerthauses sei es wie bei jedem anderen Job: "Manchmal kommt man mit seiner Meinung halt nicht durch." Sein Abschied nach der neuen Saison habe jedenfalls auch klare Pluspunkte: "Mehr Zeit für die Familie zu haben, nicht jeden Abend weg zu sein."

Auch wenn seine Entscheidung letztlich überraschend kam, gilt der am 9. Dezember 1966 in Wien geborene Kerres als Mann harter Schnitte. Als er im Alter von 29 Jahren - nach seiner von 1987 bis 1992 dauernden Ausbildung an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst - herausgefunden hatte, dass er "einfach nicht gut genug" war, um professioneller Opernsänger zu bleiben, entschied er sich 1996 für ein Wirtschaftsstudium an der London Business School, worauf eine steile Karriere folgte.

Nach Abschluss seines Studiums heuerte er 1998 als Berater bei Booz Allen Hamilton in München und Wien an. 2002 wechselte er als Finanzvorstand zur Kapsch CarrierCom AG, bevor er 2006 Vorstandsvorsitzender des deutschen Verkehrstechnikkonzerns M-Tech wurde.

Seine Kulturarbeit hatte Kerres allerdings nie völlig aufgegeben: Nach seinem Engagement am Internationalen Opernstudio des Opernhauses Zürich war der Gründer der Wiener Taschenoper von 1995 bis 1996 Berater bei AEA Ltd., einer Londoner Beratungsfirma für Kunst und Kultur. Von 2001 bis 2004 war er Aufsichtsratsmitglied der London Mozart Players, für die er an einer neuen Strategie arbeitete. 2005 stieß er schließlich zum Direktorium der Wiener Konzerthausgesellschaft. Zum Intendanten des Hauses als Nachfolger von Christoph Lieben-Seutter wurde er dann 2007 bestellt.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

17 Kommentare
Gast: Sachs
29.08.2012 10:03
0 0

Vielleicht kann man dann ja wieder ins KH gehen ...

in den letzten Jahren war das ein Haus, das zu meiden mehr Freude verursachte als es zu besuchen.

Zum Glück war aber auch die Verlockung nicht allzu groß, denn das Programm war weitgehend uninteressant.

Und rang man sich doch durch, vielleicht eine Vorstellung pro Jahr, die von Interesse war, zu besuchen, blieb danach stets ein bitterer Beigeschmack zurück.

STOP, VO, MV, egal wo man hingeht, der Kontakt zwischen Publikum und Künstlern wird wohlwollend akzeptiert. Im KH dagegen hat sich mehr und mehr eine Atmosphäre breit gemacht, die man sonst nur im Pop-Bereich findet, die Angestellten scheinen den Auftrag zu haben, jeden Kontakt zwischen Publikum und Künstlern zu verhindern, und das selbst bei offiziellen Autogrammterminen. Wo sonst findet man geschätzt ein Dutzend Bedienstete, die einen Künstler leibwachemäßig umstehen, sodass es schon eine Herausforderung ist, überhaupt zu diesem durchzukommen, geschweige denn die Praktik, dass Versuche, ein Foto zu machen, im wahrsten Sinne des Wortes absichtlich "blockiert" werden?

Das alles ist nicht nur für das Publikum, sondern auch für viele Künstler äußerst unbefriedigend, da diese durchaus über Rückmeldungen zu ihrem Auftritt oder ein kurzes Hallo alter Bekannter erfreut sind.

Fazit: Uninteressantes Programm und der Auftrag an die Angestellten Besucher möglichst rasch zu vergraulen macht einen Wechsel in der Führung sehr wünschenswert und gibt Hoffnung auf Besserung.

Antworten Gast: MichelMaik
29.08.2012 15:29
0 0

Also bleiben wir doch ein wenig objektiv!

Nur weil Sie einmal zu einem Künstler nicht durchgelassen wurden (vielleicht hat dieser das ausdrücklich so gewünscht?), sind Sie so verbittert und lassen kein gutes Haar mehr am KH?

Ich gehe seit Jahren regelmäßig ins KH und ich mag dieses Haus sehr, die Mitarbeiter sind freundlich und kompetent, das Programm ist meist interessanter als im MV und der Große Saal ist atmosphärisch und akustisch sowieso einer der besten Konzertsäle der Welt (und ich kenne wirklich viele).
Im vielgerühmten MV gibt es übrigens - trotz des "Klangwunders" in manchen Bereichen - viel mehr akustisch unbefriedigende Plätze als im KH.

Ich bin mit Kerres nicht verwandt noch verschwägert und kenne ihn persönlich nicht. Und hier meine Meinung: Er war ein ausgezeichneter Intendant, das Konzerthaus hatte unter seiner Leitung sehr gute Jahre.
Ich wünsche mir, dass das Niveau so hoch bleibt wie es ist.

Antworten Antworten Gast: schreker
30.08.2012 07:25
0 0

Re: Also bleiben wir doch ein wenig objektiv!

Na endlich mal wer, der das auch sagt, daß das KH eine bessere Akustik hat als der MV, der zumindest für größere Besetzungen (sagen wir mal 80+) das reinste Loch ist!

Antworten Antworten Gast: Sachs
29.08.2012 22:45
0 0

Re: Also bleiben wir doch ein wenig objektiv!

Gutes Argument. Und wenn dies ein einziges Mal der Fall gewesen wäre, ließe ich es sogar gelten, hätte die Sache aber in diesem Fall auch gar nicht als erwähnenswert erachtet.

Leider war es nicht ein Mal, auch nicht zwei Mal, sondern jedes Mal wenn ich - vor 3, 4 Jahren noch ein paar Mal öfter als einmal im Jahr - bei einer Veranstaltung im KH war. Und entgegen Ihrer Vermutung bin ich überzeugt davon, dass dies NICHT von den Künstlern ausging, da ich viele von ihnen zumindest gut genug kenne, um zu wissen, dass sie den Kontakt zum Publikum stets schätzen und auch an anderen Häusern keine Bodyguards anfordern, wenn sie ein paar Autogramme geben sollen.

Und gerade weil ich davon ausgehe, dass die Angestellten im Haus nicht von Natur aus alle unhöfliche, wichtigtuerische Zeitgenossen sind, nehme ich an, dass ihnen dieses Verhalten von der Leitung des Hauses aufoktroyiert worden ist.

Gast: schreker
28.08.2012 17:00
0 0

Oha.

Also, ich finde, Herr Kerres hat seine Sache gut gemacht. Kundenservice und Organisation haben immer gut funktioniert. Die Programmgestaltung war zwar nicht rasend aufregend, aber immer noch deutlich besser als die vom Musikverein, wo man überhaupt nur noch Bruckner und Brahms spielt. Naja, ich wünsche Herrn Kerres zum Abschied alles Gute und hoffentlich nimmt er die eklige Preußen-Kindergartenbande mit, allen voran den unfähigen Gulda...

Gast: Musikfan
28.08.2012 14:00
1 0

Geldproblem ? warum nicht Mitglieder fragen ?

* ich verstehe das Gesudere wegen Geld nicht. Meine e-mail warum nicht die Mitglieder um Spenden (absetzbar - nona) ersucht werden, wurde von dem (wie immer) piccobello agierenden Front office bestätigt und weitergeleitet. Antwort oder Action von oben ? -> keine.
* Ob Hr Kerres gut oder schlecht gearbeitet hat, wird sich weisen. Manche neue Idee die Tore zu öffnen, hat mir gefallen.
* Daß die Pogrammgestaltung leider doch meist ziemlich redundant ist, finde ich traurig - denn es gibt herrliche Musik von nicht immer so bekannten verstorbenen und lebenden Musikern.

schade

Schade dass Kerres geht, er hat seine Sache wirklich sehr gut gemacht, die letzten 5 Jahre!
als regelmäßiger Konzerthausbesuchet muss ich sagen dass ich verstehe, wenn er nun etwas leiser treten will, denn er war so gut wie jeden Abend im Dienst!! Wird Zeit dass er sich vermehrt um seine Familie kümmert!

Gast: Marie-Luise 2012
28.08.2012 10:27
2 0

Ganz gut zu verschmerzen...

Ohne Herrn Kerres zu nahe treten zu wollen, aber ich denke Wien bzw. das KH kann den Verlust ganz gut verschmerzen. Wenn er zu den besten Kulturmanagern des Landes gehört, wie manche hier schreiben, dann sieht's düster aus und da bin ich mit Sicherheit nicht die einzige, die das als Abonnentin so sieht. Das Programm haben ja fast ausschliesslich die Mitarbeiter gestaltet.

Und was passiert

mit z.B.
http://www.dada-dada.tv/weltmusik/wort/inhalt

Ich hoffe, dass Bernhard dem Wiener Kulturleben wenigstens im volksbildnerischen Bereich erhalten bleiben wird.

Gast: DJ BerniedowntheHouse
27.08.2012 23:31
0 1

Was ich vermissen werde ...

+) die lustigen Plakate mit Bernie, Ferhan, Ferzan und Martin
+) die köstliche Konzerthaus-Torte
+) El sistema = superar

Im Ernst: Kerres hat sich unter seinem Wert geschlagen. Nur weil er von Musik nichts verstanden hat, war das noch lange kein Grund, ihn abzuschießen. Er hat Bewegung ins Wiener Kulturleben gebracht.

Antworten Gast: Roberto Reno2
28.08.2012 10:46
0 0

Re: Was ich vermissen werde ...

Da vermissen sie aber wirklich nicht viel, insbesondere gar nichts, was eine solche Institution wie das WKH ausmachen sollte.
Sie finden am Prater gewiss schnell Ersatz für die genannten Punkte

Grosser Verlust fuer Wien...

Wie kann das Konzerthaus Berhard Kerres gehen lassen? Jetzt wird uns sicher das Ausland einen ausgezeichneten Mann nehmen. Wir
brauchen solche fähigen Leute in Oesterreich! Was machen wir falsch, dass ausgerechnet diese gehen?

3 3

Ein hervorragender Kulturmanager geht.....

Mit Bernhard Kerres verliert Wien einen engagierten und hochprofessionellen Kulturmanager; unter diesem Intendanten hatte das Konzerthaus bessere Konzerte, mehr Abos und einen entstaubter Konzertbetrieb. Wie kann das Konzerthaus diesen Abgang verkraften? Jetzt kann es nur mehr bergab gehen......

Antworten Gast: kei
28.08.2012 16:15
0 0

Re: Ein hervorragender Kulturmanager geht.....

Als Musikmanager, der viele Jahre mit dem Konzerthaus hervorragend zusammengearbeitet hat, weiß ich, dass die Mitarbeiter ´den Löwenanteil der Arbeit geleistet haben. Herr "serrek" ist mir kaum aufgefallen. Seinen Abgang kann man locker verschmerzen. Also, auf zu internationalen Gestaden!!!

Antworten Gast: schuppanzigh
28.08.2012 08:09
0 0

Re: Ein hervorragender Kulturmanager geht.....

Den Jubelstimmen über Bernhard Kerres kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Mit dem Konzerthaus kann es nach Kerres nur noch besser werden. Den Abgang wird das Haus leicht verkraften.

Antworten Antworten Gast: Gast201208
28.08.2012 09:35
1 0

Re: Re: Ein hervorragender Kulturmanager geht.....

Die ersten beiden Postings sind plumpe Auftragsposts aus der Familie (den Benutzer "serrek" wird doch mit "kerres" nichts verbinden?). Leider sehr entlarvend, aber wer Herrn Kerres kennt, weiß das genau solch unbedarfte Vorgehensweise seine Spezialität ist.

Antworten Antworten Antworten Gast: Heinrich Isaac`
28.08.2012 11:30
0 0

Re: Re: Re: Ein hervorragender Kulturmanager geht.....

Gast, das haben sie wirklich schnell erkannt ;-) auwei-auwei

Sinkothek