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Salzburg: „Fall der Sterne“ als Ersatzprogramm

30.08.2012 | 16:22 |  Von Walter Weidringer (Die Presse)

Das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst: Jubel für Schostakowitschs sechste Symphonie und eine – anstelle von Lutosławskis Klavierkonzert eingeschobene – Novität von Matthias Pintscher.

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Pech für die Festspiele: Krystian Zimerman, der vorige Woche schon seinen Klavierabend abgesagt hatte, sah sich krankheitshalber nun auch außerstande, Witold Lutosławskis Klavierkonzert zu interpretieren – Grund für Franz Welser-Möst, sich „persönlich enttäuscht“ zu zeigen, denn Zimerman sei für ihn „einer der begnadetsten und außergewöhnlichsten Künstler“, wie er dem Publikum erklärte.

Das brach freilich auch einen erheblichen Zacken aus der „Salzburg contemporary“-Krone, mit der sich Alexander Pereira gerne geschmückt hätte. Denn der Ausfall des für Zimerman geschriebenen und 1988 mit ihm und unter der Leitung des Komponisten bei den Festspielen uraufgeführten Werks bedeutete eine empfindliche Einbuße für den kleinen Lutosławski-Schwerpunkt, der zudem etwas Konsequenz in das heurige zeitgenössische Programm gebracht hätte, das wohl in erster Linie reichhaltig erscheinen sollte, nach Hinterhäusers famoser „Kontinent“-Serie der letzten Jahre jedoch eher wahllos und zufällig wirkte.

Kurzfristigen Ersatz hatte das Cleveland Orchestra mit im Gepäck: „Chute d'?toiles. Hommage à Anselm Kiefer“ von Matthias Pintscher, uraufgeführt erst fünf Tage zuvor beim Lucerne Festival und angeregt von einer Installation Kiefers. Pintscher übersetzt die Idee vom „Fall der Sterne“ in eine anfangs massive, dabei aber doch transparent instrumentierte Explosion, um dann fein ziselierten, durch subtile Geräusche angereicherten Ereignissen viel Platz einzuräumen: Aufgewirbelter, sich langsam setzender Klangstaub, nachgezeichnet nicht zuletzt von den großartigen Cleveland-Trompetern Michael Sachs und Jack Sutte als Solisten, deren Linien und Floskeln einander immer wieder suchend folgten. Sehr höfliche Begeisterung für eine ebenso präzise wie farbreiche Interpretation und den erfreuten Komponisten – nachdem der Abend etwas lahm und bloß korrekt begonnen hatte: Da waren vom Vortag mit den ersten vier Tondichtungen von Bedřich Smetanas „Má vlast“ noch die letzten beiden Teile nachzureichen, „Tábor“ und „Blaník“, also die finale nationalistische Utopie des „Vaterland“-Zyklus.

Brillanz am Rande des Abgrunds

Bei aller Genauigkeit schien da etwa im leise beginnenden Siegesmarsch statt böhmischer Musizierlust schon Schostakowitschs beißende Ironie anzuklingen, die dann in dessen 6. Symphonie allerdings mit der nötigen scharfkantigen Verve kombiniert wurde: Brillanz am Rande des Abgrunds.

Am Sonntag gastieren das Cleveland Orchestra und sein Chef Franz Welser-Möst dann in Grafenegg: u. a. mit Smetanas „Moldau“ sowie Bruckners 4. Symphonie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

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5 Kommentare

Also , dass das Publikum sehr, sehr zurückhaltend reagierte, stimmt nicht-


Re: Also , dass das Publikum sehr, sehr zurückhaltend reagierte, stimmt nicht-

rund um mich-tobender Applaus- laute Bravo Rufe- ein wiederholte Erscheinen des Dirigenten. Sprach mit einigen (deutschen) Musikkritikern, die ALLE von Schostakowitsch begeistert waren! Der verhaltene Applaus betraf eher die Pintscher Komposition!
Auch das Konzert am Vortag mit Welser-Möst war hervorragend- und Smetana-besonders die Moldau war bezaubernd !
Auf Lutoslawsky hätte ich aber verzichten können.
Aber, wie dem auch sei, der Prophet(F.W.-M.) gilt nichts im eigenen Vaterland.....

Antworten Antworten Gast: die fledermaus
31.08.2012 16:33
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Re: Re: Also , dass das Publikum sehr, sehr zurückhaltend reagierte, stimmt nicht-

Also, wenn die paar Bravos für Sie Indizien für Publikumsbegeisterung sind...
Publikumsbegeisterung gab es für mich in diesem Konzert-Festspielsommer für beide Konzerte von Valery Gergiev (Wiener Philharmoniker mit Prokoviews Fünfter u. London Symphony Orchestra mit Cinderella), für Mehtas Interpretation von Bruckners Siebte, und gestern abend für Chailly. Diese waren grosse Festspielmomente!

Gast: die fledermaus
30.08.2012 21:01
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festspielunwürdiges Konzert

Schlimme Darbietung, biederes Dirigat. Insbesondere war Schostakowitschs Sinfonie festspielunwürdig. Das Publikum reagierte sehr sehr zurückhaltend.
Bitte, Pereira, nie wieder!

Antworten Gast: blaufink
31.08.2012 00:03
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Re: festspielunwürdiges Konzert

Wie Sie recht haben!! Wann wird diesem "Pinselstreicher" FWM endlich einmal klar, wie peinlich er agiert? Aber alles - wirklich alles von ihm wird mittlerweile wie die höheren Weihen abgesegnet - die Lobby dieses pubertären Dirigenten scheint zäher wie das Schweizer Bankgeheimnis.... Arme Musik - wo sind wir angelangt, Mittelmass für Perlen zu verkaufen? Hauptsache Herr Sinkowicz hat wieder freie Logis im Feriendomozil des Herrn GMD am Attersee - was kann da noch schiefgehen?

Sinkothek