Prominente englische Orchester beim Musikfestival in Grafenegg: In der kommenden Woche kommt das London Symphony Orchestra unter Michael Tilson Thomas mit Beethoven und Mahler, am Donnerstag war das London Philharmonic Orchestra im Wolkenturm zu Gast. Vor 80 Jahren wurde es vom bedeutenden britischen Dirigenten Sir Thomas Beecham gegründet, Dirigentenpersönlichkeiten wie Boult, Haitink, Solti, Tennstedt, Masur haben es geprägt. Seit 2007 ist der einer russischen Dirigentenfamilie entstammende, seinerzeit als möglicher Chefdirigent der Wiener Symphoniker gehandelte Vladimir Jurowski sein Musikdirektor.
Dass sich ein in Moskau geborener und ausgebildeter Dirigent auf Tschaikowsky versteht, war vorherzusehen: Jurowski brachte dessen fünfte Symphonie mit klaren Konturen, gut aufeinander abgestimmten Tempi und viel Gespür für agogische Rückungen. Nur mit der Streicher-Bläser-Balance klappte es nicht immer: Vor allem den Bläsern fehlte Flexibilität. Natürlich ließen sich Dirigent und Orchester auch die virtuosen Möglichkeiten des Finalsatzes dieser e-Moll-Symphonie nicht entgehen. Doch man hätte sich von den Streichern mehr klangliche Eigenpersönlichkeit, von den Bläsern – namentlich im Blech – höherer Sicherheit erwartet.
Das gilt auch für Dvořáks e-Moll-Cellokonzert: Verglichen mit seinem Engagement bei Tschaikowsky schien Jurowski zudem daran wenig interessiert. Er beschränkte sich auf kaum mehr als akkurate Begleitung des Solisten. Und auch der norwegische Cellovirtuose Truls Mørk nutzte beileibe nicht alle Möglichkeiten, die dieses so heikle wie populäre Konzert bietet, brachte seinen Part nur grundsolide. dob
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

Linda McCartneys FotosRetrospektive der Chronistin der Sixties
GekürtDie besten Fernsehserien
Lucky LukeWilder Westen im Karikaturmuseum Krems