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Staatsoper: In Wien wird Verdi-Repertoire zum Fest

05.09.2012 | 18:18 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Wie beginnt man eine neue Spielzeit? Am besten, indem man einen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholt. „Don Carlos“ unter Franz Welser-Möst klang festspielreif.

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Mit Reprisen der Erfolgsproduktion des Vorjahres nimmt die Staatsoper ihren Spielbetrieb wieder auf. Franz Welser-Möst steht erneut am Dirigentenpult, um Verdis „Don Carlos“ in der italienischen Version zu gestalten – und das Orchester, vom Festspiel-Trubel zurück, präsentiert sich endlich wieder in der gewohnten Form: Klangprächtig und sensibel wird da aufgespielt, wie man es einen Festspielsommer lang gern gehört hätte ...

In Wien freut man sich über solch wohltönenden „Alltag“. Zumal die Sängerbesetzung – gegenüber der Premiere kaum verändert – für Musikdrama in packendster Ausformung garantiert. Über allem schwebt Krassimira Stoyanovas edler Sopran und erfüllt mit leidenschaftlichen, auch in Momenten stiller Introversion noch kraftvoll leuchtenden Phrasen jeden Anspruch, den Verdi an die Charakterisierungskunst seiner Protagonisten stellt.

Auch Sion Keenlysides Herzog von Posa ist von solcher Qualität: Belcanto-Linienführung, aufgeladen mit Espressivo, das macht schon sein schwieriges Arioso zwischen den beiden großen Frauengestalten im zweiten Bild zum Ereignis und steigert sich bis zum Todesbild zu enormer Intensität.

Der Bariton ist fülliger als je zuvor, hat aber nichts von seiner Modulationsfähigkeit eingebüßt. René Papes König Philipp klingt entspannter als bei der Premiere, gewaltig in den emotionsgeladenen Momenten, ungewohnt innig im großen Einsamkeits-Monolog. All das ist intensiver heutzutage kaum zu denken.

Auch eine Eboli vom impulsiven Format der Luciana D'Intino dürfte sich kaum finden. Dass Roberto Alagna für den Saisonstart krankheitshalber abgesagt hat, war der Wermutstropfen – doch hat ihn der Albaner Giuseppe Gipali durchaus mit Anstand ersetzt. Neu ist Ain Anger als mächtiger Großinquisitor, ein schönstimmiger Tebaldo (Margarita Gritskova) – nur der Harfenengel hatte es diesmal eilig, die Ketzerverbrennung nicht zu versäumen und brachte beinah die tatsächlich ätherisch schön singende „Stimme vom Himmel“ Valentina Nafornitas aus dem Takt. Doch startete danach auch die Hinrichtung punktgenau.

Am 10. und 13.September soll Roberto Alagna in der Titelpartie zu erleben sein. Jubel gab es schon am Dienstagabend in Fülle.

Don Carlos, 7., 10. und 13.September – Info: www.staatsoper.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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5 Kommentare
Gast: Kiebitz
06.09.2012 21:34
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Das waren noch Zeiten,

als der Shikoff ausfiel und das Publikum (mit Gusenbauer & she-friend sowie dem alten Staastoperndirektor darunter) durch einen gut singenden Asiaten mehr als entschädigt worden ist!

Gast: melomane
05.09.2012 22:20
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Wenn nahezu die Premierenbesetzung auftritt

zudem auch ausreichend geprobt wurde und dem Maestro stets dieselbe Orchesterbesetzung zur Verfügung steht, kann man wohl schwer, wie Sin das behauptet, von einem Repertoireabend sprechen.
Der Einspringer Gipali war sehr bemüht, hat aber für das Haus eine viel zu kleine Stimme. Das hätte dem Maestro bei den Proben auffallen müssen. Ist es aber offensichtlich nicht, und da durfte Sin doch nicht kritisieren. Dessen ungeachtet war es musikalisch, mit Abstrichen bei der armseligen Inszenierung - für heutige Begriffe - ein schöner Opernabend.

Antworten Gast: Abdisu
06.09.2012 05:47
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Re: Wenn nahezu die Premierenbesetzung auftritt

Ist Ihnen entgangen, dass Herr Gipali der bereits zweite Einspringer war? Was hätte Ihrer geschätzten Meinung also der Maestro nach der Diagnose während der Proben unternehmen sollen? Jelosits engagieren? Selber singen? Gipali ein Mikro umhängen? Die Vorstellung absagen?

Antworten Antworten Gast: melomane
06.09.2012 09:38
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Re: Re: Wenn nahezu die Premierenbesetzung auftritt

Nein. aber zum Beispiel Mario Malagnini engagieren, der bei den heurigen Festspielen in Zvolen einewn exzellenten Gabriele Adorno sang. Gipali stand als Besetzung bereits Freitag auf der Homepage der Staatsoper - da wäre wohl noch eine dem Haus adäquate Alternativbesetzung zu engagieren gewesen.

Antworten Antworten Antworten Gast: F.M.Piave
06.09.2012 11:46
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Re: Re: Re: Wenn nahezu die Premierenbesetzung auftritt

Sie haben Recht, Malagnini wäre okay, ist aber leider gerade in Neuseeland auf Urlaub, wohlverdient.
(Und außerdem fiel die einzige brauchbare Flugverbindung dem Lufthansastreik zum Opfer.)

Sinkothek