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Grafenegg: Mendelssohn aus erster und beschwingter Hand

06.09.2012 | 16:42 |   (Die Presse)

Das Gewandhausorchester Leipzig erinnerte mit Mendelssohn-Programm an einen seiner prominentesten Gewandhauskapellmeister. Seit 2005 übt Chailly diese Funktion aus, was auf das Klangbild nicht ohne Wirkung blieb.

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Kurze Zeit schien es, als könnten Gewitterwolken den lauen Abend trüben. Das aber blieb Intermezzo, und so konnte das Gastspiel des Leipziger Orchesters ungehindert im Grafenegger Wolkenturm zu Ende gehen. Mit zwei Programmen tourt das Gewandhausorchester gerade durch Europa: mit Mahlers sechster Symphonie sowie einem reinen Mendelssohn-Programm.

In Leipzig muss man immer wieder an Mendelssohn erinnern, schließlich hatte er zwölf Jahre (von 1835 bis 1847) die Position des Gewandhauskapellmeisters inne. Seit 2005 übt Riccardo Chailly diese Funktion aus, was auf das Klangbild des Orchesters nicht ohne Wirkung blieb. Dem gedeckten, dunklen Klang, wie er für deutsche Orchester typisch war, hat er einen Schuss Italianitá zugefügt. Was früher oft schwer klang, ist jetzt von Leichtigkeit und einer bis dahin nicht gekannten Brillanz erfüllt.

Das kommt dem Œuvre Mendelssohn sehr entgegen, wie sich bei der betont durchsichtig musizierten „Ruy Blas“-Ouvertüre bei der Ouvertüre zu „Das Märchen von der schönen Melusine“ zeigt. Präzise, beschwingt und gehaltvoll begleiteten Chailly und seine ihm schlafwandlerisch folgenden Musiker zudem Nikolaj Znaider bei Mendelssohns e-Moll-Violinkonzert, das er mit klar fokussiertem Ton, unaufdringlicher Eleganz, technisch aus höchstem Niveau und einem untrüglichen Gefühl für Geschmack fabelhaft musizierte.

Das Finale der „Fünften“, der Reformationssymphonie, die hier nach den neuesten editorischen Erkenntnissen – und damit einigen Überraschungen gegenüber sonst üblichen Aufführungen – geboten wurde. Erneut überzeugte Chailly an der Spitze seines prächtig disponierten Orchesters mit einer klar strukturierten Deutung, die ebenso auf eine konzise Herausarbeitung des melodischen Reizes dieser auf Mozart zurück- und Wagner vorausweisenden d-Moll-Symphonie abzielte. dob

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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3 Kommentare
Gast: Info
10.09.2012 15:15
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Errratum

Natürlich die Urfassung von 1830! Lo siento mucho

Antworten Gast: Info II
19.09.2012 19:46
0 0

Re: Errratum

Was ja mit den anderen als den üblichen Hörgewohnheiten angedeutet war. Immerhin spielt Chailly, wie man weiß, jetzt bei dieser Symphonie nur diese Version.

Gast: Info
10.09.2012 13:53
0 0

Mendelssohn

Lieber Herr Dobner, letztlich war es von der "Reformationssymphonie" die Urfassung von 1930. Das wurde leider auch im Programmheft sträflichst unterschlagen....

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