Interessante Debüts an der Wiener Staatsoper: Erstmals im großen Haus hört man die Stimme von Angela Maede, in deren Lebenslauf der Name Wien allerdings bereits aufscheint. Die Sopranistin war vor einigen Jahren Gewinnerin des Hans-Gabor-Belvedere-Gesangswettbewerbs. Seither macht sie im Spinto-Fach Karriere. Unter anderem sang sie in Verdis „Ernani“ an der New Yorker Metropolitan Opera.
Am Dirigentenpult erscheint Sonntagabend erstmals der aus Mailand gebürtige Gianandrea Noseda. Er spezialisiert sich keineswegs aufs italienische Opernfach, sondern hat mit dem BBC Orchester viele CD-Aufnahmen unterschiedlichsten Repertoires gemacht – unter anderem sämtliche symphonischen Dichtungen von Franz Liszt. Einige Jahre lang fungierte Noseda überdies als Kompagnon des ebenso umtriebigen Valery Gergiev am Marinskij-Theater von St. Petersburg. Dort hat Noseda neben seiner Kapellmeistertätigkeit im Verein mit seinem Chefdirigenten auch ein Jugendorchester gegründet.
Viel gefragter Dirigent
In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten war Noseda zudem Erster Gastdirigent beim Rotterdam Philharmonic und dem Symphonieorchester des italienischen Rundfunks. Bedeutende Orchester von Philadelphia und Boston über London Symphony bis zu zum Tokioter NHK haben Noseda bereits ans Pult geholt.
Großes mediales Echo fand eine BBC-Initiative des Jahres 2005. Die Gesamtaufnahme der Beethoven-Symphonien, die Noseda mit dem Orchester des Senders machte, sollte auch via neue Medien vermarktet werden und wurde im Internet etwa eineinhalb Millionen Mal angeklickt.
Vergleichsweise konservativ ist Noseda derzeit kapellmeisterisch als künstlerischer Leiter des Teatro Reggio von Turin tätig. Das Wiener Orchester hat er bereits im Studio dirigiert, als es galt, mit Anna Netrebko eine Arien-CD aufzunehmen Nun kommt es zur ersten Livebegegnung mit den Musikern im Opernhaus. Zeit zum Proben war gegeben: Die Wernicke-Inszenierung der „Sizilianischen Vesper“ wurde musikalisch neu einstudiert. sin
I Vespri Siciliani – ab 9. September. www.staatsoper.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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