Unpassende Mozart-Collage im Musikverein

Das Pittsburg Symphony Orchestra präsentierte auch Neues von Herbert Willi. Eine ins unpassend Esoterische geweitete Mozart-Collage, bei der nur der Wiener Singverein glänzte.

Manfred Honeck, 'Christmas in Vienna 2005'.
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Manfred Honeck, 'Christmas in Vienna 2005'.
Manfred Honeck, 'Christmas in Vienna 2005'. – (c) ORF (Ali Schafler)

Auch unvollendet ist Mozarts Requiem ein Meisterwerk. Warum es in seiner von Süßmayer oder anderen vervollständigten Form aufführen? Wäre es nicht sinnvoller, es mit Bibellesungen, einem berührenden Nelly-Sachs-Text, Gregorianischen Chorälen, der Maurerischen Trauermusik, dem „Ave Verum“ etc. zu verbinden? Das dachte sich Manfred Honeck, Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra. Glockenschläge sollten einstimmen und den Ausklang bilden, die Wiederholung der acht „Lacrimosa“-Takte, nach denen Mozart die Requiem-Vertonung abbrechen musste, sollte noch einmal das Fragmentarische ins Gedächtnis rufen.

Was sich – so sehr sich über die Textauswahl, für die man immerhin Michael Heltau als Rezitator aufgeboten hatte, streiten ließe – auf dem Papier als wohlüberlegt ausnahm, erwies sich in der Praxis als veritabler Durchfall. Vielfältige Perspektiven wurden aufgerissen. Zeit, sie zu verinnerlichen, blieb nicht. Noch dazu in einer Darstellung, die meist Pathos mit Dramatik, Sentimentalität mit erfüllter Lyrik verwechselte, oft Präzision, konzise Artikulation und Phrasierung vermissen ließ. Eine ins unpassend Esoterische geweitete Mozart-Collage, bei der nur der Wiener Singverein glänzte.

 

Vater unser, vertont

Das tat er schon beim aphoristischen Eingangsstück, Herbert Willis durch aufrüttelnde Akkordpassagen geprägte Vater-unser-Vertonung „ABBA-MA“. Akkordschläge eröffnen auch Willis neues Violinkonzert, das mit jazzigen Rhythmen, aus der Folklore gespeisten Lyrismen und subtilen Ruhepunkten aufwartet. Inhaltlich geht es um einen unvermutet in einen heiligen Raum führenden Lebensweg. Daher der Titel „Sacrosanto“ („Heilig“). Honeck und seine brillanten Musiker, vor allem der Solist des komplexen Soloparts, Nikolaj Znaider, waren ideale Uraufführungsinterpreten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)

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