Romantische Klangwolke zum Jubiläum

11.11.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Vor 60 Jahren trat Daniel Barenboim erstmals im Wiener Konzerthaus auf. Das wurde gefeiert - mit den Wiener Philharmonikern unter Daniel Harding.

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Das Tortenstück, das der blonde Knabe auf dem Cover des Programmheftes im Wiener Konzerthaus freudig in die Luft hält, gilt wohl dem 100er der Institution. Doch das Sujet passte auch zum Konzert, das am Samstagnachmittag im großen Konzerthaussaal stattfand. Immerhin feiert der Dirigent und Pianist am 15. November seinen 70. Geburtstag. Dazu gesellte sich noch ein zweites Jubiläum. 1952 trat der als pianistisches Wunderkind gefeierte Barenboim im Wiener Konzerthaus zum ersten Mal auf. Zwei wunderbare Anlässe also für ein besonderes Festkonzert. So stand Barenboim nicht dirigierend vor den Wiener Philharmonikern, mit denen ihn seit vielen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Er nahm vor dem Flügel Platz und erinnerte mit dem Programm konditionsstark an sein Wiener Debüt. Mit jenen zwei Brocken der romantischen Klavierkonzert-Literatur, mit denen er sich einst vorgestellt hat: Chopins e-Moll- und Tschaikowskys b-Moll-Konzert.

 

Rubatoseliges Chopin-Spiel

Als dirigierender Vermittler der Freundschaftspartie zwischen Philharmonikern und Barenboim fungierte Daniel Harding. Er legte mit den Musikern die Orchestereinleitung zum Chopin-Konzert, passend zum Tortenstück, wie einen dichten und dabei philharmonisch süßen Schlagobersgupf an. Sehr entspannt und abgeklärt zelebrierte der Pianist Barenboim sein Jubiläum. Man hörte schnell, dass ein anerkannter Meister sich genussvoll alle Freiheiten nahm, um Chopin nach seinem Gusto zu modellieren. Harding und die Philharmoniker folgten dem rubatoseligen Spiel so weit, dass sich die Hörer in diesen klangvoll servierten Chopin-Wogen wohlzufühlen schienen.

Ähnlich das Bild auch bei Tschaikowsky, bei dem es weniger um die Form als um die mit Genuss ausgekostete musikantische Pracht dieses Meisterwerks ging. Ein paar Patzer waren längst wieder vergessen, als Barenboim etwa im zweiten Satz den schnellen Mittelteil in extrem genommener silbrig huschender Rasanz aufzulösen schien. Schließlich kam man auch fast gleichzeitig ins Ziel dieses von viel Sympathie und schönster Feierlaune getragenen Nachmittags. Dafür gab's zwar keine Konzerthaustorte am Ende, aber Standing Ovations vom begeisterten Publikum. Auch so lässt es sich feiern. mus

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2012)

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