Così fan tutte oder: Ist Salzburg noch zu retten?

12.12.2012 | 18:11 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Die drei Opern, die Wolfgang Amadé Mozart mit dem Hofpoeten Lorenzo da Ponte erarbeitet hat, bilden so etwas wie den Salzburger „Ring des Nibelungen“. Ab 2013 steht allerhand auf dem Spiel.

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„Così fan tutte“, gut. Der ganze Da-Ponte-Zyklus? Bei den Salzburger Festspielen? Christoph Eschenbach hat dem Intendanten über Nacht zugesagt: Weil Franz Welser-Möst in einem begreiflichen Wutanfall nicht nur seine Mitwirkung an den Sommerveranstaltungen 2013, sondern – etwas weniger begreiflich – gleich auch noch für die kommenden Jahre aufgekündigt hat, wird Eschenbach nach „Così“ auch „Figaros Hochzeit“ und „Don Giovanni“ dirigieren.

Der ganze Zyklus, den Mozart zwischen 1786 und 1790 mit dem Hofpoeten Lorenzo da Ponte erarbeitete, und der seinen Ruhm als erster Repertoire-Komponist der Operngeschichte begründen sollte, stellt in seiner Heimatstadt ja so etwas wie das Herzstück des Festspiel-Repertoires dar.

 

Ein überhasteter Entschluss

„Figaro“, „Giovani“ und „Così fan tutte“ bilden für Salzburg das, was für Bayreuth der „Ring des Nibelungen“ ist. Der überhastete Entschluss des Wiener Generalmusikdirektors, den für die Jahre 2013 bis 2015 geplanten Durchlauf an der Seite seines Lieblingsregisseurs, Sven-Eric Bechtolf, doch nicht zu unternehmen, hat die Festspiel-Führung vor ein, zugegeben, sehr heikles Besetzungsproblem gestellt.

Vielleicht hat die Panikattacke nach Welser-Möst, der via Programmbroschüre erfahren musste, dass er eine heikle Opernvorstellung um elf Uhr vormittags dirigieren sollte, nach der daraufhin erfolgten Absage auch den Intendanten befallen.

Pereira hat nicht nur Ersatz für 2013 gesucht – einen Maestro zu finden, der so kurzfristig ein solches Projekt übernimmt, ist ja tatsächlich nicht einfach; vielmehr ist man gleich aufs Ganze gegangen und hat für die gesamte Opern-Trias eine Lösung gefunden. Nun fragen sich Kommentatoren in halb Europa, ob die Wahl von Christoph Eschenbach, der ein wackerer Kapellmeister genannt werden darf, aber wohl nicht zur Creme der herausragenden Dirigenten-Interpreten unseres Äons zu zählen ist, der Weisheit letzter Schnellschuss sein soll.

 

Karl Böhms Erbpacht

Immerhin geht es, wie gesagt, um so etwas wie den Salzburger „Ring“. Und man will ein Zeichen setzen. Entgegen dem herrschenden Trend geht es nicht darum, ob Anna Netrebko auf der Bühne steht oder nicht. Erstmals in der Festspielgeschichte sollte vielmehr ein Dirigent mit einem Regisseur alle drei Opern erarbeiten.

Nicht einmal Karl Böhm hat das seinerzeit geschafft. Von Karajan nicht zu reden, der zwar „Figaro“ eloquent und „Don Giovanni“ wirklich hochdramatisch darzustellen wusste, aber um „Così fan tutte“ immer einen Bogen machte, seit er das Stück im Londoner Plattenstudio erarbeitet hatte.

Auf Karl Böhm, der zwischen 1953 und 1977 fast uneingeschränkt eine Erbpacht auf „Così fan tutte“ hatte, folgte in einem veritablen künstlerischen Coup Riccardo Muti – niemand hätte dem Neapolitaner, der zuvor als eine Art Neo-Toscanini fürs Belcanto-Repertoire galt, das damals zugetraut.

Doch nach der Premiere der Michael-Hampe-Inszenierung von 1982 wurde Muti allseits als idealer Transformator der großen Mozart-Tradition jenseits der Originalklang-Experimente gefeiert. Gerade mit „Così fan tutte“ gelang das Unterfangen glänzend, einem Werk, das ganz spät in der Interpretationsgeschichte erst Aufnahme in den sakrosankten Werkekanon fand. Salzburgs Festspielmitbegründer Richard Strauss war es, der das Rankwerk von Gerüchten über Unspielbarkeit und die Verwerflichkeit des Librettos von der genialen Partitur zu entfernen wusste.

1922, als das erste Mal im Festspielbezirk Opern erklangen, war „Così“, von Strauss selbst dirigiert, nebst dem „Giovanni“ und der „Entführung“ mit von der Partie, damals noch allseits bestaunt; und wurde noch Jahrzehnte später als Außenseiter behandelt – von Karajans Abstinenz war die Rede, auch Wilhelm Furtwängler, der „Figaro“ und „Giovanni“ selbstverständlich als „Chefsachen“ betrachtete, kam nicht auf die Idee, das dritte Werk im Bunde anzurühren.

 

Die Trias, erstmals in einer Hand

Und nun? Salzburg schickt sich an, endlich eine Da-Ponte-Trilogie herauszubringen, bei der Regie und musikalische Leitung in einer Hand liegen – das sollte spannend sein und wird nun, Hand aufs Herz, zur programmierten Notlösung. Vielleicht tut es Franz Welser-Möst schon leid, so heftig reagiert zu haben. Sicher kann Alexander Pereira nicht mehr zurück, er hat seine Entscheidung getroffen. Sie ist (allen Spontaneitätsnöten zum Trotz) nicht wirklich leicht nachvollziehbar; so wenig wie die Hintergedanken mancher journalistischer Kommentatoren, die für eine solche Aufgabe allen Ernstes dirigentische Jungspunde ins Spiel bringen, die in kleinen Häusern schon mit Mozart-Premieren Erfolge feiern durften.

So gewinnt man als Beobachter das Gefühl, dass sich weder die Verantwortlichen im Festspielhaus noch die Kulturredakteure in diesem Land wirklich darüber im Klaren zu sein scheinen, was hier für eine Institution wie die Salzburger Festspiele tatsächlich auf dem Spiel steht...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)

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35 Kommentare
 
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Semyon Bychkov


wäre wohl die interessantes lösung gewesen, noch vor dem zicken we mö.

statt neues muss altes herhalten!

Notlösung

Herr Sinkovicz sagt, es sei eine programmierte Notlösung. Er hat recht - ein halbes Jahr vor einer Premiere findet man einen Ersatz nur schwer, geschweige denn einen idealen. Verträge werden oft Jahre im voraus unterschrieben. Daher ist es eine Notlösung.

Wo Herr Sinkovicz nicht recht hat ist aber, wo er behauptet, die Salzburger Festspiele haben eine 'nicht leicht nachvollziehbare' Entscheidung getroffen. In so einer Situation kann nur eine Notlösung möglich sein.

Welser-Möst hat hier höchst unprofessionell gehandelt - wie Pereira sagte, ein Anruf hätte genügt. Stattdessen sagt er kurzfristig ab und setzt damit die Festspiele in der Lage, eine Notlösung finden zu müssen.

Das will oder kann Herr Sinkovicz aber nicht zugeben.

eine faire chance, bitte

Eschenbach ist kein braver Kapellmeister, im gegenteil: das ist seine schwäche...
er ist aber ein hochsensibler, eminent musikalischer mensch, der noch alle klugsch...der möstgilde verblüffen wird. da bin ich mir sicher.
und er ist im gegenteil zu fwm kein intriganter machtbesessener mensch, sondern ein diener der musik wie nicht viel heute.

Re: eine faire chance, bitte

Eschenbach mag ein hochsensibler, musikalischer Mensch sein - das macht ihn aber noch lange nicht zu einem guten Dirigenten.

Re: eine faire chance, bitte

wie kann man von Sin, der wie ein Pressesprecher von Welser-Möst agiert, Fairness verlangen. Dieser Herr verfügt doch nicht über ein Minimum an Objektivität, die für einen Musikkritiker eigentlich Voraussetzung wäre.

Christoph Eschenbach

war mir bis jetzt schon um vieles sympathischer - als Mensch & als Musiker - im Gegensatz zu der unerklärlichen Arroganz und "coolness" von FWM. Habe erst vor einigen Tagen dieses Konzert gesehen und kann nur jedem empfehlen, sich selbst ein "Bild" zu machen (Schlusskonzert des Schleswig-Holstein Musikfestivals mit solist Lang Lang & vierhändiger Zugabe mit Eschenbach & Lang): http://www.ndr.de/fernsehen/sinfonieorchester117.html

fido

ansonsten sind mir konzertsäle egal.

fido

wenn auch nicht charakter und benehmen.

fido

die nutzungsbedingungen für die infrastruktur wie v.a. eislaufplatz aber auch konzertsäle sind für gulda die gleichen wie für andere.

Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

was man in der Staatsoper kürzlich in der "Boheme" nachvollziehen konnte. Was soll daran unzumutbar sein, eine "heikle Oper" (was soll denn das?) um 11 Uhr vormittags aufzuführen? Hier wurde von WM ein vorwand gesucht, um aus den Salzburger Produktionen auszusteigen. Nun gut, Salzburg und das Publikum werden es mit Sicvherhehit verkraften.
Der Maestro, und mit ihm sein befreundeter Musikkritiker in der Presse, neigt zur penetranten Selbstüberschätzung. Ein Egomane, der künstlerische Motive als Vorwand zur Selbstdarstellung mißbraucht.

Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

ich hab schon aufgegeben mich mit dem auseinanderzusetzen. das würde er nicht verkraften. dass sie auf dem eislaufplatz fahren und solche leute einfach ignorieren und ihr privatleben der unterwerfung solcher kreaturen vorziehen.

Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

meine gleichheit suche ich dennoch IM GESETZ.

Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

rein politisch würde ich sie nicht finden.

Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

unser roter franz

Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

politisch vorbelastet.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

usw.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

und ich finde alle kommentare gut. weil jeder auch so tun kann als wäre er ein fachmann. da trau ich mir auch noch was sagen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

jeder kann sagen, was er möchte.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

aber so ein toller sänger. wow! und der knackige ...

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

enchante, einzigartig! GELT?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

er kann sich eine schürze um den knackigen binden, wenns ihm net gefällt.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

dass jemand die wohlgemeinten formen betrachtet.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

GEIL!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

z.b. ich denke nicht unbedingt so. ich versuche eben ganz gesittet dem konzertablauf zu folgen.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Auch Welser Möst ist als Operndirigent nicht die erste Wahl

so mancher könnte noch ein mensch sein mit guter erziehung. auf der bühne. wer weiß?

Furnsinn: Viel Laerm um nichts

Mittelmaessige Saenger und Dirigenten. Suendteure Karten. Kein Grund sich durchschnittlichen Mozart in Salzburg anzusehen.
Salzburg wird mehr und mehr eine Touristenfalle.

 
12

Sinkothek

Meinung

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