Musikverein: Auferstehung und himmlisches Leben

Die zweite Symphonie mit den Tonkünstlern unter Andrés Orozco-Estrada, die vierte mit Rotterdam Philharmonic unter Yannik Nézet-Séguin.

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Musikverein Auferstehung himmlisches Leben
(c) APA HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Als Chefdirigent des Orchestre Métropolitain du Grand Montréal und des Rotterdam Philharmonic Orchestra sowie Principal Guest Conductor des London Philharmonic Orchestra schien der 37-jährige, von Carlo Maria Giulini geförderte Yannik Nézet-Séguin nicht genügend ausgelastet. Denn seit Beginn dieser Saison ist er zusätzlich Musikdirektor des Philadelphia Orchestra. Nicht mit diesem Klangkörper präsentierte er sich im Musikverein, sondern mit seinen Musikern aus Rotterdam. Ein gutes, keineswegs erstes Ensemble, wie sich bei der „Zweiten Beethoven“ zeigte. Mit seinen zügigen Tempi trieb der hochtalentierte Kanadier, der in Zukunft mit den Wiener Philharmonikern Bruckners achte Symphonie aufführen wird, seine Musiker zuweilen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Orchestral auf weit höherem Niveau erstand nach der Pause Mahlers vom himmlischen Leben kündende vierte Symphonie. Einzig im langsamen Satz ließ die Spannung etwas nach. Zu sehr verstrickte sich der Dirigent in die schönen Momente, verlor dabei die großen Bögen etwas aus den Augen. Mehr perfekt als berührend gestaltete Kate Royal ihr Sopransolo.

 

Der Wiener Singverein ist Weltspitze

Mit der anfangs die Höhen etwas zögerlich ansteuernden Juliane Banse und der die Botschaft des „Urlichts“ sehr direkt überbringenden, exemplarisch wortdeutlichen Janina Baechle waren auch bei Mahlers „Zweiter“ die Solopartien prominent und stimmig besetzt. Wieder einmal machte der von Johannes Prinz einstudierte, mit irisierenden Piani wie kraftvoller Attitüde aufwartende Wiener Singverein deutlich, dass er längst in die Weltspitze aufgerückt ist. Beim Tonkünstler-Orchester Niederösterreich dauerte es etwas, bis es zu seiner gewohnten Form fand, die es ab der Mitte des dritten Satzes souverän ausspielte.

Womit diese dem Thema Auferstehung gewidmete c-Moll-Symphonie entsprechend effektvoll ausklang. Zu den beiden ersten Sätzen – das diesmal einseitig kantig genommene, durch Präzisionsmängel getrübte Allegro maestoso und die Ländler-Atmosphäre des folgenden Andante moderato – hat der mit viel Impetus agierende Tonkünstler-Chef Andrés Orozco-Estrada noch nicht den Zugang gefunden. dob

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2012)

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