Über-Mozart, Ur-Bruckner

Simone Young am Pult der Wiener Symphoniker. 70 Minuten Bruckner pur, ungeschönt, schroff, dank der vielen Pausen zerklüftet, faszinierend wagemutig und modern.

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(c) APA HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Eine humane Botschaft schickten die Wiener Symphoniker vor ihrem Weihnachtskonzert aus: Sie erklärten sich mit dem türkischen Pianisten Fazil Say solidarisch, dem in seiner Heimat bis zu 18 Monate Haft drohen, weil er sich islamkritisch geäußert haben soll. Im Musikverein nahmen ihn die Symphoniker in ihre Mitte, legten ihm ein romantisch wattiges, nur maßvoll inspiriertes Fundament für Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488. Say zeigte dennoch, wie behände, höchst musikalisch empfunden und fantasievoll, manchmal auch recht übermütig, bis an die Grenze des Manieristischen, er sich auf Mozart versteht.

Spannend wurde es dann bei Bruckners Dritter Symphonie in der Urfassung: 70 Minuten Bruckner pur, ungeschönt, schroff, dank der vielen Pausen zerklüftet, faszinierend wagemutig und modern. Und man konnte in dem Wagner gewidmeten Werk auch die „Tristan“- und „Walküren“-Zitate hören, die in den späteren Umarbeitungen großteils wieder eliminiert wurden. Hier waren dann auch die machtvoll klangschön aufspielenden Symphoniker unter der souverän das symphonische Urvehikel steuernden Simone Young ganz bei sich

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2012)

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