Neujahrskonzert: Auftakt mit Wagner und Verdi

27.12.2012 | 17:04 |  Von Wilhelm Sinkovicz (Die Presse)

Nicht weniger als elf Kompositionen sind 2013 zum ersten Mal im traditionellen Konzert der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Wiens Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst zu hören.

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Ja, die Frage wurde gestellt – und von Orchestervorstand Clemens Hellsberg (mit Schützenhilfe von ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner) erschöpfend beantwortet: Wie es um die zuletzt wieder thematisierte Geschichtsaufarbeitung bei den Wiener Philharmonikern stehe, wollten manche Journalisten anlässlich der Pressekonferenz zum bevorstehenden Neujahrskonzert wissen. Hellsberg ist dadurch nicht aus der Ruhe zu bringen, kann er doch angelegentlich darauf verweisen, bereits 1988 mit dieser Aufarbeitung begonnen zu haben.

In seinem 1992 veröffentlichten Standardwerk „Demokratie der Könige“ findet sich auch die Chronik des Orchesters aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft akribisch dokumentiert. Damals war, so Hellsberg, „das Staatsarchiv noch gar nicht der Öffentlichkeit zugänglich“. Er hat also Pionierarbeit geleistet, wofür ihm zuletzt auch mit der Verleihung der Torberg-Medaille durch die Israelitische Kultusgemeinde gedankt wurde.

Zechner: „vorbildliche“ NS-Aufarbeitung

Auch weiterhin bleiben die Philharmoniker am Ball, was die zeitgeschichtlichen Fragen betrifft. Die Webseite des Orchesters wird spätestens zum kommenden Frühlings-Open-Air in Schönbrunn auf dem neuesten Stand sein. Schon zum Bedenktag, dem 12. März 2013, werden neue Informationen online gestellt. Für 2014 seien dann einschlägige Aktivitäten auch mit der Staatsoper geplant. Die Philharmoniker seien in dieser Causa „vorbildlich“ aktiv, so Kathrin Zechner, die sich wünscht, Journalisten mögen besser die vorhandenen Quellen studieren, bevor sie versuchen, das Waschen angeblicher Schmutzwäsche einzufordern.

Pünktlich zur Präsentation des Programms des kommenden Neujahrskonzertes konnte man also ruhigen Gewissens über die Kunst sprechen – und über die mediale Grußbotschaft, welche die Philharmoniker, diesmal wieder unter der Leitung von Wiens Generalmusikdirektor, Franz Welser-Möst, für dieses Land via TV in alle Welt versenden. Erstmals seit Langem sind wieder Staaten wie Indien oder Südafrika live dabei. China überträgt live in sämtliche Regionen des riesigen Landes – und sogar Kuba ist, eine Premiere, mit von der Partie . . .

Zu erleben sein wird ein Konzert mit etlichen Neujahrspremieren, wobei es Franz Welser-Möst wichtig war, auch die beiden Opernmeister, deren 200. Geburtstage 2013 zu feiern sind, einzubeziehen. Die auf den ersten Blick vielleicht seltsame Anmutung des Namens Richard Wagner auf einem Programmzettel, der im Übrigen traditionsgemäß Stücke der wienerischen Unterhaltungsmusik nennt, erklärte Clemens Hellsberg als durchaus schlüssige historische Wahl: Es war die Kapelle von Johann Strauß, die Wien erstmals mit Musik des nachmaligen Bayreuther Meisters konfrontierte, 1853, einige Jahre bevor „Tannhäuser“ erstmals szenisch in der Stadt (im Thalia-Theater) zu erleben war.

Was man am 1. Jänner noch nie hörte

„Damals hat man eine Instrumentalfassung des Pilgerchors aus dem ,Tannhäuser‘ gespielt“, ergänzte Welser-Möst, „aber das Arrangement hat sich nicht erhalten.“ Stattdessen erklingt am 1. Jänner 2013 das ebenso „festliche“ (Welser-Möst) wie zündende Vorspiel zum dritten Akt des „Lohengrin“. Außerdem zollt man auch dem Antipoden Wagners, dem gleichaltrigen Giuseppe Verdi, Tribut, nicht nur mit Werken, in denen die „Sträuße“ auf Melodien aus dessen Opern zurückgriffen, sondern auch mit einem Ausschnitt aus der Ballettmusik zur französischsprachigen Originalfassung des „Don Carlos“. „Das klingt“, sagt der Dirigent, „als wäre es von Johann Strauß inspiriert.“ Unter den elf Novitäten im Programmablauf werden Kenner vor allem Kompositionen von Josef Strauß entdecken können, des „sensibelsten der drei Brüder“ (Welser-Möst).

Das Neujahrskonzert findet 2013 übrigens im Beisein von Josefs Urenkelin Hedwig Aigner-Strauß statt, die kürzlich ihren 90. Geburtstag feiern konnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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4 Kommentare

indien, china, kuba(?), südafrika......


nur die sind an dem konzert interessiert?
a matte sache, hätte qualtinger gesagt.

Eine schöne Tradition

Hoffentlich gibt es dieses Konzert noch viele Jahre.

Ginge es nach den Grünen, würde es ja sofort abgeschafft werden, genauso wie der Opernball und wahrscheinlich noch etliche kulturellen Aufführungen, denn sicherlich lässt sich bei guter Recherche überall ein Haar in der Suppe finden.

Aber nein, da fällt mir ein, für die Ausweitung der Parkpickerl sind die Grünen ja. Vielleicht haben Sie Angst wir geben Geld für Kultur aus und haben zu wenig Geld für die Grüne-Kostenexplosion in Wien.

Re: Eine schöne Tradition

Entschuldigung, aber dieser Kommentar ist wirklich lächerlich!

Es verändert sich so viel

warum nicht auch das Neujahrskonzert, diesmal
auch mit Wagner und Verdi - lassen wir uns überraschen.....

Sinkothek

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