„Die Zauberflöte“: Der Geist Mozarts und seine Umtriebe

01.01.2013 | 18:24 |   (Die Presse)

Im Repertoire der Staatsoper beleben einige Haudegen eine reinen Herzens nicht mehr wirklich spielbare Inszenierung.

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Mozarts „Zauberflöte“, alternierend mit Straußens „Fledermaus“, das sorgt für eine gern frequentierte Umleitung vom Silvesterpfad in Richtung Staatsopernauditorium. Selbiges quillt über vor Touristen. Und die erleben im Falle der Mozart-Oper sozusagen den Durchschnittswert des sogenannten Repertoirebetriebes, eine Mischung aus Ensemblemitgliedern, Gästen, Debütanten und rechten Haudegen.

Zu Letzteren zählt der Papageno, Hans-Peter Kammerer, der sich auf den Spuren von „Zauberflöten“-Dichter und Ur-Vogelhändler Schikaneder seinen Weg durch die völlig verbaute, dramaturgisch gar nicht mehr stimmige Inszenierung Marco Arturo Marellis bahnt – mit allen Pointen, immer sehr wienerisch, aber nie komödiantisch überdreht, ein Papageno, der Dialoge auch im Mezzopiano zu sprechen versteht und mit Moll-Harmonien anreichert. Selbst dann, wenn die Bühnenmechanik einmal versagt und Stillstand einzutreten droht, steht er extemporierend seinen Mann. Dafür bekommt er zu Recht Sonderapplaus.

Ein Gast ist es, der den Fluss der szenisch wohl nicht mehr zu rettenden Angelegenheit im Verein mit diesem darstellerischen Jolly Joker aufrechterhält: Cornelius Meister, Chefdirigent des Radiosymphonieorchesters, hebt erstmals in der Staatsoper den Taktstock – und sorgt für Dynamik, Tempo, ja sogar für Geschmeidigkeit.

Selbige kommt nicht nur der Stimmung im Saal, sondern auch den Sängern durchwegs zugute, die teils Weltklasseformat bieten – wie die beseelte und hochexpressive Pamina Anita Hartigs –, teils artige Bemühungen um immerhin ordnungsgemäße Lieferung sämtlicher Koloraturen (wie die neue Königin der Nacht, Cornelia Götz).

Benjamin Bruns als Tamino der ebenmäßigen Linienführung passt sich seiner Partnerin formvollendet an, Sorin Colibans Sarastro gibt den in Richtung tiefster Regionen noch bröseligeren Widerhall der Gipfelsturmversuche seiner Konkurrentin.

So stimmt ja doch alles irgendwie zusammen an so einem Abend, an dem aus dem Blickwinkel der Korrektheit wenig richtig, aber im höheren Sinne doch wieder „Die Zauberflöte“ gespielt wird. Der Geist Mozarts und Schikaneders – ihr Werk hat ein paar hundert Meter Luftlinie von der Staatsoper entfernt 1791 das Licht der Welt erblickt – weht ja offenbar nach wie vor und beschützt uns vor allzu groben Abstürzen. Das Stück neu auszustaffieren und musikalisch wieder einmal gründlich einzustudieren könnte trotzdem nicht schaden. sin

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2013)

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1 Kommentare
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Interessante Wahrnehmung

Gut, dass Kritiken immer von subjektiver Wahrnehmung geprägt sind , sonst könnte man als Sänger manchmal nicht glauben, dass der Eine dieses und der Andere jenes schreibt und doch beide in derselben Vorstellung waren.Dennoch fragt man sich dann umsomehr,welchen Sinn Kritiken dann überhaupt noch haben, wenn so verschieden wahrgenommen wird.... Herzlichen Gruss, CG

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