Rossini in der Staatsoper: Klamauk rettet die Welt

08.01.2013 | 16:43 |   (Die Presse)

Noch einmal Agnes Baltsa als „Italienerin in Algier“ in der Wiener Staatsoper, wer hätte das gedacht. Die Diva macht das Unmögliche möglich.

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Es ist schon ein paar Jahre her, genau genommen dauert die Sache seit September 1987. Damals dirigierte Claudio Abbado die Premiere von Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung der „Italiana in Algeri“ – und seit damals erfreut sich das Wiener Publikum an einer musikalisch brillanten Farce, die inhaltlich wirklich nur unwesentlich mehr Tiefgang hat als die erträglicheren der gängigen TV-Abendunterhaltungen.

Apropos Fließband-Arbeit: Dass Rossini einst nicht viel mehr als zweieinhalb Wochen auf sein Werk verschwendet hat, gehört zum Business wie die Erkenntnis, dass Musiktheater Spaß machen kann und keinen Moment aufs Gemüt drücken muss.

Kein bisschen müde: Agnes Baltsa

Das war seit dem ersten Abend nun schon fast 90 Mal zu erleben – und im Schnitt jedes zweite Mal war die Baltsa mit von der Partie! Noch eine Serie der „Italienerin“ singt sie jetzt im Haus am Ring. Und obwohl sie vom Herrn Direktor im Verein mit den beiden anderen Hauptdarstellern als gesundheitlich angeschlagen avisiert wurde, wirkte sie kein bisschen müde. Ihre Koloraturen und Staccati absolviert sie wie eh und je mit jener Selbstverständlichkeit, die das wahre Virtuosentum ausmacht.

Ihr zur Seite, ebenfalls als indisponiert gemeldet, aber doch beachtlich angstfrei auch den höchsten Höhen gegenüber: der neue Lindoro von Antonio Siragusa. Und – weil Ferruccio Furlanetto vom allumarmenden Virus am heftigsten befallen war – der Retter in letzter Minute: Adam Plachetka, der den Mustafa mit einer Spiellaune zu gestalten weiß, als ob er zumindest ebenso lang Zeit zum Probieren gehabt hätte wie Alessio Arduini, der als Haly eine hübsch gedrechselte Arie hören lässt.

Im Verein mit Haudegen vom Format eines Alfred Sramek und einer bewährten Kraft wie Ileana Tonca, die notabene die Ensembles licht und blitzsauber anführt, ergibt das allen vokalen und architektonischen Erosionserscheinungen bei Chor bzw. Bühnenbild zum Trotz einen amüsanten Abend, den das Orchester unter Jesus Lopez-Cobos durchaus mit Geschmack und in gewohnter Aufmerksamkeit den Sängern gegenüber mitträgt.

Das Ganze fungiert fürs Institut wohl schon ein wenig als Aufwärmübung, denn Lopez-Cobos studiert gerade die kommende Rossini-Premiere ein: „La Cenerentola“, inszeniert von Sven-Eric Bechtolf, kommt Ende des Monats heraus. sin

Rossini in der Staatsoper: L'italiana in Algeri – 10., 12. und 16. Jänner; La Cenerentola – 26. und 29. 1., 1., 4., 10 und 14. 2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2013)

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1 Kommentare

Lindoro

Der Herr Siragusa trifft zwar alle Töne - auch die Höhen - hat aber eine Stimme, die die Luft zerschneidet, so metallisch klingt sie. Die Stimmfärbung hat überhaupt nicht gepaßt - aber er hat sehr gut gespielt!

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