Simon Rattle verlässt 2018 die Berliner Philharmoniker

11.01.2013 | 11:47 |   (DiePresse.com)

Nach dann 16 Jahren beendet der Chefdirigent seine Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern. Über seinen Nachfolger gibt es nur Spekulationen.

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Einer der begehrtesten Posten in der Welt der klassischen Musik wird neu vergeben: Mit der Ankündigung von Sir Simon Rattle, mit Ablauf seines Vertrages im Jahr 2018 seine Zeit als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker beenden zu wollen, kündigt sich ein Generationswechsel an der Spitze des weltberühmten Orchesters an. Nach 16 Jahren der Zusammenarbeit mit den Philharmonikern werde es dann Zeit sein, dass jemand anderes die Leitung übernimmt, erklärte Rattle am Donnerstag in einer Mitteilung des Orchesters.

"Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich liebe dieses Orchester und habe auch deswegen den Musikern meinen Entschluss so früh wie möglich mitgeteilt", sagte der 57-Jährige. Nun bleibe genug Zeit für die Suche nach einem Nachfolger.

"Will you still need me, when I'm 64?"

Nach 18 Jahren als Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra und seiner Zeit bei den Philharmonikern werde er dann kurz vor seinem 64. Geburtstag stehen. Dieses Alter werfe die Frage auf, die schon die Beatles aus seiner Heimatstadt Liverpool gestellt hätten: "Will you still need me, when I'm 64?"

Intendant Martin Hofmann nannte die Ankündigung eine sehr bedauerliche Nachricht. Rattle begeistere mit "seiner herausragenden Musikalität und Kreativität" täglich neue Zuhörer. Die Orchestervorstände Peter Riegelbauer und Stefan Dohr erklärten, sie respektierten Rattles Entschluss.

Gegenseitige Sympathie und respektvoller Umgang seien eine "wunderbare Grundlage" für die weitere Zusammenarbeit, so Hofmann. Auch nach 2018 werde das Orchester Rattle freundschaftlich verbunden bleiben. Berlins Kulturstaatssekretär Andre Schmitz erklärte, er habe sich Rattle gut über 2018 hinaus als Chefdirigent vorstellen können.

Spekulationen über Nachfolger

Über einen Nachfolger äußerte sich das Orchester nicht. Immer wieder wurde über Namen von Dirigenten der jungen Generation spekuliert. Dazu zählen etwa der Venezolaner Gustavo Dudamel, dessen Vertrag beim Los Angeles Philharmonic 2018 abläuft und der mit den Philharmonikern eng verbunden ist.

Rattle und die Berliner
Simon Rattle ist seit September 2002 Chefdirigent der Philharmoniker. Er war als Nachfolger des Italieners Claudio Abbado vom Orchester gewählt worden. Sein Vertrag wurde nach zehn Jahren bereits verlängert. Unter dem Briten wurde das Orchester modernisiert.

Dazu gehören Kinofilmen und Live-Übertragungen im Internet sowie eine Erneuerung des Repertoires. Das sogenannte "Education Project" der Zusammenarbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen wurde über den Film "Rhythm is it!" weltweit bekannt.

(APA/dpa)

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2 Kommentare

Wenn man sichs verbessern kann...

Rattle hat sich in den letzten Jahren ziemlich zum Weichzeichner entwickelt (vorsichtig ausgedrückt). Es gibt eine fantastische Aufnahme der Gurrelieder von ihm, der Rest (sowohl Aufnahmen als auch Livekonzerte) sind bestenfalls Durchschnitt. Gut in Erinnerung ist mir eine symptomatische 4. Nielsen mit den Wr. Philharmonikern, in der Rattle völlig die Übersicht zwischen Haupt- und Nebenstimmen verloren hat. Dudamel als Nachfolger wäre allerdings noch desaströser, der kann nicht einmal die Alpensinfonie, und die bringt man fast nicht um, wenn man nicht gerade Franz Welser-Möst oder Christian Thielemann heißt.

wird

schon höchste Zeit ... von den Briten hochgejubelter Allerweltsdirigent!

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