Richard Wagner, der Filmheld, kehrt zurück

13.01.2013 | 18:43 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Ein Stummfilm war's, paradoxerweise, in dem der Opernmeister erstmals zum Kinostar wurde. Zur Zelebration seines 200. Geburtstags wird der Streifen neu vertont und zunächst in der Schweiz gezeigt.

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Jahresregent Richard Wagner beschäftigt nicht nur seit 150 Jahren Musik- und Theaterfreunde. Seine suggestive Musik hat auch Generationen von Filmmusik-Arrangeuren inspiriert. So reiten in „Apocalypse Now“ wie bei „Doktor Mabuse“ oder in „Police Academy“ die Walküren, durch „Excalibur“ irrt Parsifal, „Nosferatu“ träumt zu „Rheingold“-Wogen; und in Alfred Hitchcocks „Murder“ zehrt nicht zuletzt „Tristan“-Musik an den Publikumsnerven.

Doch taugt auch das wild-bewegte Leben des Bayreuther Giganten als Film-Sujet. Vor genau 100 Jahren machten die Stummfilmregisseure Carl Froelich und William Wauer den Anfang – und bannten (ausgerechnet) einen italienischen Musiker als Richard Wagner auf die Leinwand. Giuseppe Becce hieß der Mann, der nicht nur den Komponisten mimte, sondern selbst die Musik arrangierte, die von den Kino-Orchestern während Aufführungen des Streifens musiziert werden sollte.

Damit begann die Karriere Becces, Jahrgang 1877, als Filmmusikspezialist, der bis ins hohe Alter dann unzählige Partituren schuf, bis hin zum „Herrgottschnitzer von Ammergau“. Er starb 96-jährig in Berlin. In Luzern kommt der 100 Jahre alte „Wagner“-Streifen, in dem Becce auch zu sehen ist, am 31. Jänner ins Kino, musikalisch neu ausgestattet mit einer Wagner-Collage von Armin Brunner, die nach alter Tradition live musiziert wird (www.theater-rigiblick.ch).

 

Suche nach dem „magischen Feuer“

Auch hierzulande hätte man zur Causa Wagner im Kino einiges beizusteuern. Immerhin arrangierte der in Hollywood zum Filmmusikkaiser avancierte Erich Wolfgang Korngold 1955 eine Partitur für William Dieterles cineastische Wagner-Hommage „Magic Fire“ (deutsch: „Frauen um Wagner“) mit Alan Badel in der Hauptrolle. 1955 holte man dafür junge Opernstars wie Leonie Rysanek und Otto Edelmann ins Tonstudio, um Ausschnitte aus dem „Fliegenden Holländer“, „Tannhäuser“ und der „Walküre“ aufzunehmen. Da Rysanek, Edelmann wie auch Tenor Hans Hopf zu den gesuchten Wagner-Interpreten Wiens oder Bayreuths gehörten, wäre eine liebevolle Renovierung des Soundtracks ein Desideratum.

Eigentlich auch jene des gesamten Films. Immerhin wäre es während der Dreharbeiten beinah zu einem Desaster gekommen, weil der vorgesehene Darsteller des Dirigenten Hans Richter nicht am Set erschien. Um das Projekt nicht zu gefährden, ersuchte der Regisseur den anwesenden Komponisten, einzuspringen: So tritt Erich Wolfgang Korngold als Dirigent in Erscheinung – ohne dass sein Name allerdings auf der Besetzungsliste genannt würde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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