Beethoven, grob: Hat Jubel mit Qualität zu tun?

Wie das ist, wenn ein zeitgenössischer Meister mehr verwöhnt wird als die großen Klassiker: Das Mahler Chamber Orchestra unter Andris Nelsons im Musikverein spielt Gruber, Haydn und Beethoven höchst unterschiedlich.

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Symbolbild – (c) AP (STEPHAN TRIERENBERG)

Ein einsames „Buh“ folgte der Wiener Erstaufführung von Heinz Karl Grubers „Busking“, einem Trompetenkonzert für Hakan Hardenberger, der das Werk im Goldenen Saal mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Andris Nelsons zur Erstaufführung brachte. Nach einer halben Stunde der offenkundigen Kraftanstrengung lässt ein solcher Misston das Stimmungsbarometer irreparabel gegen null sinken, wenn auch mancher Musikfreund im Publikum mit Applaus den Fauxpas wettzumachen sucht.

„Mami, er hat überhaupt nicht gebohrt“, die alte Zahnpastareklame wendet man gern – und in der Regel mit zynischem Unterton – für musikalische Novitäten an. Sie würde auch, gar nicht zynisch, für „Busking“ passen, die Musik „tut nicht weh“. Wer mag, kann sie als sanftes, in den Ecksätzen swingendes, im Mittelteil traumverlorene Kreise ziehendes Klangtheater konsumieren.

Doch steckt in Grubers Partituren mehr, als der äußere Schein ahnen lässt. Was so harmlos scheint – virtuose Solomusik für einen Trompeter auf drei Instrumenten, mit und ohne Dämpfer, einmal jazzig verschoben, dann wieder sehr gradlinig daherkommend, zu zupfender Banjo- und Streicherbegleitung, mit einigen Harmonikatönen versetzt –, das lässt eine durchaus höchst intellektuell verschachtelte Struktur erahnen: Da herrscht nämlich komplizierteste Kontrapunktik, ein raffiniertes Mit- und Gegeneinander der Stimmen, das die Streicher des Mahler Chamber Orchestra konzentriert realisieren.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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