Konzerthaus: Flamenco mit Blutgeschmack

Weniger Wettstreit als raffinierte Verschränkung von „cante“, „baile“ und „toque“: Das Tomatito Sextet begeisterte im Wiener Konzerthaus.

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Symbolbild – (c) Clemens Fabry

Höchst erstaunlich, diese Rhythmen, die die Beine der Tänzerin da auf die Bretter zauberten! Das Stakkato steigerte sich zu einem bizarren Blubbern, kontrastiert nur durch ausladende Gestikulation der Arme. Paloma Fantovas Gesicht strahlte dabei Ingrimm ab, der herbe Erfahrungen widerspiegelte . . .

Auf solche Momente der Entrücktheit hatte das Publikum im Wiener Konzerthaus sehnlichst gewartet. Ob dieser Glut musste sogar Gitarrist Tomatito lächeln. Der heute 54-jährige Virtuose, der schon vor 40 Jahren von Jahrhundertsänger Camarón de la Isla auf Welttournee mitgenommen wurde, hat sein Feuer längst gedämpft. Dies jedoch, ohne je glatt und gefügig zu klingen.

José Fernández Torres, wie Tomatito mit wirklichem Namen heißt, ist anerkannter Meister des Nuevo Flamenco, hat bereits mit Jazzgrößen wie George Benson und Michel Camillo aufgenommen. Auch an diesem Arbeit integrierte er Elemente des Blues und Jazz subtil in sein Spiel. Das Interplay mit seinem Rhythmusgitarristen El Cristi war von seltener Vertrautheit. Das spielerische Wetteifern zwischen Sängern, Tänzern und Gitarristen, wie es im Flamenco seit etwa 180 Jahren Tradition hat, trat aber an diesem Abend in den Hintergrund. Tomatitos Ensemble geht es viel mehr um möglichst raffinierte Verschränkung von cante (Gesang), baile (Tanz) und toque (Gitarrenspiel). Über den Flamenco-Gesang sagt man ja gern, dass dem Vortragenden der Mund nach Blut schmecken müsse, schließlich geht es in dieser Musik um die bitteren Erfahrungen, die die Gitanos jahrhundertelang gemacht haben. „Der gute Gesang stimmt nicht fröhlich, er schmerzt“, sagte de Sänger Manuel Torré.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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