Weihefestspiele für Verdi und Wagner

31.01.2013 | 18:06 |  von Wilhelm Sinkovicz (Die Presse - Schaufenster)

Musikalisches Feuerwerk für die Jahresregenten: Kirill Petrenko dirigiert den "Ring" in Bayreuth. München würdigt Wagner und Verdi.

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Es gibt keine Zufälle, wie wir wissen. Selbstverständlich war im Schöpfungsplan, wie alles, auch die Erfüllung des um 1600 geborenen Operngenres so präzis vorherbestimmt, dass die beiden Meister, die das Musiktheater seinem absoluten Höhepunkt zuführen sollten, im selben Jahr geboren wurden. 1813 erblickten Giuseppe Verdi und Richard Wagner das Licht der Welt. Ihre Werke dominieren bis heute die Spielpläne des internationalen Opern-Business. Also wird zum 200. Geburtstag allenthalben gefeiert. Wobei das große Jubiläumsjahr im deutschen Sprachraum selbstverständlich mehrheitlich im Zeichen Richard Wagners steht. Dem Kultort Bayreuth gilt verständlicherweise das höchste Interesse des Publikums: Dort inszeniert Frank Castorf den „Ring des Nibelungen“ neu, scheint diesmal nicht umzustellen und umzuschreiben, denn er hat einen Mann an seiner Seite, auf dessen Bayreuth-Debüt die Musikwelt gespannt wartet und der bereits im Vorfeld klargemacht hat, dass er jedenfalls nicht gewillt ist, Wagners Partituren auseinanderzunehmen oder gar das „Rheingold“ als Zwischenspiel in der Mitte des zweiten „Siegfried“-Aktes einzuschieben.

Sensationeller „Ring“ in Meiningen. Der 1972 in Omsk geborene Kirill Petrenko, heute vielleicht der meistgesuchte Maestro neben Christian Thielemann, designierter Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ist ein Künstler, der seine Arbeit sehr ernst nimmt – und der sich rarmacht wie einst Carlos Kleiber. Petrenkos erster „Ring“ in Meiningen, als junger Kapellmeister an der Seite der Intendantin Christine Mielitz, galt allgemein als Sensation, weshalb die Wagnerianer nun schon gespannt auf die Bayreuther Neuproduktion warten. Angetreten hat Christian Thielemann seinen Posten als Chef der Dresdner Semperoper und am Pult seiner Staatskapelle bereits eine atemberaubende Serie von „Lohengrin“ absolviert – apropos: in einer altgedienten, nach wie vor stimmigen Mielitz-Inszenierung. Thielemann, der in Bayreuth zur Eröffnung der Festspiele eine Reprise des vorjährigen „Fliegenden Holländers“ dirigieren wird (25. Juli), steht auf dem grünen Hügel bereits am 7.  Juli am Dirigentenpult. Aus Anlass des 200. Geburtstags des Meisters gibt es als eine Art „Vorprogramm“ erstmals auch „Rienzi“ (mit Robert Dean Smith) zu sehen, ein Werk, das Wagner nicht im Festspielhaus gespielt wünschte. Matthias von Stegmann inszeniert daher in der Oberfrankenhalle, wo man auch „Das Liebesverbot“ zeigt und „Die Feen“ konzertant gibt. Zuvor tritt Thielemann sein neues Amt als Leiter der Salzburger Osterfestspiele an und betreut zum Einstand (mit der Dresdner Staatskapelle) in der Karwoche eine „Parsifal“-Neuinszenierung durch Michael Schulz – es singen Johan Botha, Wolfgang Koch, Stephen Milling und Michaela Schuster.

Wagner bleibt in deutschsprachigen Landen in der Regel Sache der Generalmusikdirektoren und Musikchefs. So dirigiert in Berlin Daniel Barenboim zweimal den „Ring“ und einen neuen „Fliegenden Holländer“, den Philipp Stölzl mit Michael Volle in der Titelpartie  inszeniert (28. April). In Hamburg leitete Hausherrin Simone Young im Laufe des ersten Halbjahrs noch fünf Reprisen von Peter Konwitschnys „Meistersinger“-Inszenierung mit James Rutherford und Klaus Florian Vogt sowie Meagan Miller als Eva und Bo Skovhus erstmals in der Rolle des Beckmesser. Burckhard Fritz ist dann an der Alster Lohengrin, den Simone Young ebenso dirigiert wie den kompletten „Ring“-Durchlauf zum Saison-Ende, den Münchens Nochhausherr und designierter Young-Nachfolger, Kent Nagano, an der Bayerischen Staatsoper soeben hinter sich gebracht hat.

Neuer „Rigoletto“ in München. Nagano steht im Nationaltheater noch bei drei „Tristan“-Aufführungen am Pult, wenn Waltraud Meier an der Seite Gary Lehmanns noch einmal die Isolde singen wird (ab 3. März). Er dirigiert auch einen Großteil des Wagner-Zyklus, den die Bayerische Staatsoper im Rahmen der kommenden Festspiele im Juli zeigt. Zwischendrin ist  in München selbstverständlich auch Verdi zu erleben, vor allem „Simon Boccanegra“ mit Željko Lučić, Ramón Vargas und Krassimira Stoyanova, dirigiert von Bertrand de Billy in einer Neuinszenierung von Dimitri Tscherniakov, die am 3. Juni Premiere hat. Im Rahmen der Festspiele gibt es in München dann noch einen neuen „Rigoletto“ mit Franco Vassallo, Patricia Cioffi und Joseph Calleja unter Fabio Luisi (Regie: Árpád Schilling, ab 17. Juli) und Olivier Pys ebenfalls neue „Troubadour“-Produktion unter Paolo Carignani mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann (ab 1. Juli).

Die Wiener Staatsoper hält sich, was Verdi betrifft, lieber an bewährte Produktionen, zeigt „La Traviata“, vor allem aber auch die attraktive Produktion der französischen Urfassung des „Don Carlos“, den nach wie vor Premierendirigent de Billy betreut (ab 9. April), und nimmt, nachdem die Verhandlungen mit Riccardo Muti über eine Neueinstudierung gescheitert sind, die alte „Aida“-Inszenierung Nicolas Joels unter Pinchas Steinberg in den Spielplan, mit Kristin Lewis, Olgo Borodina und Alexander Antonenko (Wiederaufnahme: 14. März). Neu inszeniert wird hingegen Wagners „Tristan und Isolde“ mit Nina Stemme und Peter Seiffert unter der Leitung des Generalmusikdirektors Franz Welser-Möst. Regie führt der Schotte David McVicar (Premiere: 13. Juni). Der Hausherr betreut bis dahin noch einen „Ring“-Durchlauf im Mai und den österlichen „Parsifal“, den diesmal Jonas Kaufmann singen wird – dass diese Aufführung nicht nur in zeitlicher Nähe zu Thielemanns Einstand in Salzburg stattfindet, gehört zu den besonderen Reizen der Jubiläumssaison.

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