Die Mozartwoche realisierte Richard Wagners Träume

Starkes Salzburger Finale: J. C. Bachs „Lucio Silla“, die Philharmoniker, Bychkov und die hinreißende Elisabeth Kulman.

Mozartwoche realisierte Richard Wagners
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Mozartwoche realisierte Richard Wagners
(c) APA BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Die „Lucio Silla“-Vertonungen von Mozart und jene des von Mozart hochverehrten Johann Christian Bach beruhen auf derselben Textvorlage. Mozarts Version ist dramatischer und, wenngleich früher entstanden, insofern moderner, als sie auf die Psychologie der Figuren setzt. Der Bach-Sohn, der Mozarts Version kannte, bedachte nicht nur seine Sänger mit effektvollen Nummern. Dass ihm auch das damals für seine Fähigkeiten europaweit geschätzte Mannheimer Orchester zur Verfügung stand, rief die konzertante Aufführung mit dem unter der inspirierenden Leitung von Ivor Bolton mustergültig aufspielenden Mozarteum-Orchester in Erinnerung.

Bolton deutete die Partitur mindestens ebenso lebendig wie in der Woche davor Marc Minkowski Mozarts Version. Er konnte auch auf ein so qualitätvolles wie homogenes Solistenensemble zählen. Voran den kraftvoll artikulierenden jungen britischen Tenor Benjamin Hulett für die Titelpartie, Sylvia Schwarz als emphatische Giunia und Lydia Teuscher als etwas geradlinig phrasierenden Cecilio. Carolyns Sampsons Celia, Andrew Foster-Williams Cinna und Andrew Tortises Aufidio fügten sich gut ins Ensemble. Makellos der von Alois Glaßner studierte Salzburger Bachchor.

 

Wagner, vollendet gesungen

Ein Ereignis war das dritte „Philharmonische“ dieser Mozartwoche. Gesundheitliche Gründe zwangen Georges Prêtre abzusagen. Semyon Bychkov übernahm, tauschte die geplante „Prager“ gegen die „Jupiter“-Symphonie, beließ aber die mit einem Mozartfestival nicht unbedingt in Verbindung zu bringenden Programmpunkte: Bizets kostbare, hierzulande rare C-Dur-Symphonie und – aus Anlass dieses Jubiläums – Wagners Wesendonck-Lieder.

Wenigstens von der Mitte des Stirnsatzes an kam die Bizet-Symphonie mit Esprit und glänzenden Soli – exzellent die Oboeneinwürfe von Clemens Horak, der dafür auch Sonderapplaus erhielt – über die Rampe des Großen Festspielhauses. Der russische Maestro und die Philharmoniker verstehen einander mittlerweile; erst recht bei Wagner: Bychkov legt mit dem auf höchstem Niveau musizierenden, mit brillanten Soli aufwartenden Orchester der Solistin einen Teppich, wie er idealer nicht sein könnte. Elisabeth Kulman dankt es mit einer an Expressivität, Genauigkeit und Textdeutlichkeit schier unübertrefflichen Darstellung des Gesangsparts.

Perfekt, in moderaten Tempi vor allem in den beiden ersten Sätzen, beispielhaft transparent in den kontrapunktischen Passagen gelang die „Jupiter“-Symphonie. An den außergewöhnlichen Wagner davor kam diese traditionelle Interpretation freilich nicht heran.

„Lucio Silla“ in Ö1: 8. Februar (19.30)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

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