Musikverein: Kindertotenlieder, Zigeunermelodien

19.02.2013 | 18:22 |  STEFAN MUSIL (Die Presse)

Wagner, Mahler, Dvořák: Die „Wiener Virtuosen“ brachten ein buntes Programm und philharmonischen Wohlklang.

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Die „Wiener Virtuosen“ sind eine von Klarinettist Ernst Ottensamer animierte Philharmoniker-Abordnung, die sich in flexiblen Besetzungen zum kammermusikalischen Musizieren trifft. So weit, so philharmonisch. Doch neben dem Traditions-Wohlklang erfreut die im Vergleich zum orchestralen Mutterschiff erstaunlich hohe Dichte an weiblichen Kräften. Zumindest in der Formation am Sonntag, als sogar die Impulse vom ersten Geigenpult exzellent und weiblich waren. Vielleicht sollte man gendergerecht den nächsten Auftritt unter „Wiener VirtuosInnen“ laufen lassen...

Sogar der Widmungsträger für das erste Stück war eine Frau, Cosima Wagner. Der große Richard hatte ihr 1870 zum Geburtstag aus den „weichsten, einschmeichelndsten Themen“ seines „Siegfried“ ein Ständchen komponiert: das „Siegfried-Idyll“, eine Gabe, die sich im Wagner-Jahr wohl auch an den Meister selbst richtete. Jedenfalls hätte ihn die fließend und zärtlich modellierte Darbietung erfreut.

 

Hampson: Große Kompetenz bei Mahler

Ernster ging es dann bei Mahlers „Kindertotenliedern“ zur Sache. Thomas Hampson, der mit den „Virtuosen“ bereits Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“ eingespielt hat, stieß als Solist dazu. Er selbst hatte mit Renate und Thomas Stark die Orchesterbegleitung auf „Virtuosen“-Stärke heruntergebrochen. Was zu reizvoller Transparenz im Orchestralen führte. Sie bot Hampson die Basis, um seine Mahler-Kompetenz auszuspielen, die sich in gestochener Diktion und unerhört artifiziell ausgehorchter Durchdringung manifestierte. Ja, er schien geradezu die Mahler-Klänge in sich aufzusaugen, um sich ganz verlieren zu können. Er ließ es sich sogar nicht nehmen, in seiner Emphase auch die dirigentenlos spielenden Musiker mit modellierenden Gesten in seinen Bann zwingen zu wollen.

Bevor Hampson dann noch zum Finale mit Antonín Dvořáks Zigeunermelodien stimmlich – auch bis an seine Höhengrenzen – herzhaft aufdrehte, wurde eine satte Portion französischer Charme serviert. Bizets erste Symphonie in C-Dur, ein echtes Kleinod, durfte blitzsauber glänzen: Quirlig im Beginn, mit der ihre exotische Melodie meisterlich spinnenden Oboe im Adagio und dem flink prickelnden Allegro vivace im Abgang. Chapeau vor so viel symphonischer Meisterschaft in kammermusikalischer Formation!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)

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