Historisches Bayreuth-Tagebuch gefunden

Die Aufzeichnungen Alfred Pringsheims gewähren einen Einblick in die Proben zur Uraufführung von Wagners "Ring des Nibelungen". Er war der Schwiegervater von Thomas Mann.

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Das Foto aus dem Jahr 1949 zeigt Thomas Mann und seine Frau Katia. – (c) AP (ALBERT RIETHAUSEN)

Bisher unbekannte Aufzeichnungen von Alfred Pringsheim, dem Schwiegervater von Thomas Mann, gewähren einen Einblick in die Proben zur Uraufführung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen". Pringsheims Bayreuth-Tagebuch ist nun im Nachlass des Wagner-Enkels Franz Wilhelm Beidler gefunden worden. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) veröffentlichte am Freitag Auszüge. Komplett werden die Aufzeichnungen bis Mitte des Jahres vom Würzburger Verlag Königshausen-Neumann herausgebracht, wie eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte.

Pringsheim, der die Festspiele finanziell unterstützte, kam demnach im Juli 1876 in Bayreuth an. Seine Eindrücke sind den veröffentlichten Auszügen zufolge durchaus zwiespältig. So schreibt er beispielsweise: "Die Solo-Scenen Siegfried's und die Scene mit dem Waldvogel sind wunderbar poetisch, und auch musikalisch von reizvollster Wirkung. In den übrigen Scenen ist für meinen Geschmack zu viel Unmusik." Und weiter: "Die Häufung unvermittelter Dissonanzen in der Zank-Scene zwischen Mime und Alberich überbietet alles, was selbst Wagner bisher hierin gewagt."

Gute Laune nach der Probe

Vor allem aber gibt es auch Einblicke in Wagners privates Verhalten: "Nach der Probe am Wagner-Tische oben. Wagner äußerst guter Laune." Oder es wird geschildert, wie Wagner abends spontan musiziert. Obwohl Pringsheim Jude war und sich Richard Wagner stark antisemitisch geäußert hatte, behandelten Wagner und seine Frau Cosima ihn sehr zuvorkommend.

Gefunden hat die Unterlagen der FAZ zufolge Wagners Urenkelin Dagny Beidler. Sie ist die Enkelin von Isolde von Bülow, der ersten gemeinsamen Tochter von Richard und Cosima. Isoldes Sohn, Franz Wilhelm Beidler, war von der Bayreuther "Thronfolge" ausgeschlossen, weil Cosima ihre Tochter Isolde nicht als Bayreuth-Erbin anerkannte und dies in einem Prozess auch durchsetzte.

(APA)

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