Walzerseligkeit unter dem Hakenkreuz

10.03.2013 | 22:06 |  WILHELM SINKOVICZ (Die Presse)

Die Wiener Philharmoniker öffnen ihr Archiv - im Internet. Ab 12.März stehen alle von einer Historikerkommission als relevant erkannten Dokumente über das Orchester in der Zeit von 1938 bis 1945 online.

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Kaum eine internationale Pressekonferenz, bei der die Wiener Philharmoniker – etwa auf Gastspielreisen – über Musik sprechen können. Pünktlich Mitte Dezember werden Jahr für Jahr Leserbriefe lanciert, die auf die Ursprünge des populären Neujahrskonzertes in der Zeit des Nationalsozialismus verweisen. Historiker beschweren sich, dass sie keinen Zugang zum Archiv der Philharmoniker erhalten. Und jüngst wurde eine Begebenheit aus dem Leben des ehemaligen Wiener NS-Gauleiters Baldur von Schirach wieder thematisiert.

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Das Orchester hätte dem als Kriegsverbrecher verurteilten Mann nach Absitzen seiner Haftstrafe den Ehrenring, der ihm in den frühen Vierzigerjahren verliehen worden war, zurückgegeben.

Trompeter gab Baldur von Schirach Ring

Die Geschichte ist längst aktenkundig, denn der Sohn Schirachs hat sie in der von ihm verfassten Biografie seines Vaters erzählt. Was er nicht erzählt hat: wer den Ring zurückgegeben hat. Dieses „Geheimnis" wird in der für Montag angsetzten ORF-Dokumentation (ORF2, 22.50 Uhr) nun gelüftet. Es war Helmut Wobisch, exzellenter Trompeter, philharmonischer Funktionär und auch Mitbegründer des Carinthischen Sommers.

Mit Freischaltung der philharmonischen Archivbestände am Gedenktag des Einmarschs der Hitler-Truppen, dem 12.März, stehen Interessenten alle Quellen offen, die eine von Oliver Rathkolb angeführte Kommission aus Zeithistorikern aus den philharmonischen Datenbeständen, Manuskripten und Protokollen als relevant herausgefiltert hat (>>> Auszüge aus dem Historiker-Bericht).

Den Forschern stand das philharmonische Archiv offen. Ob wirklich Neues zutage gefördert werden konnte, können nun auch Hobbyforscher leicht nachprüfen. Nimmt man die Dokumentation als Richtschnur, dürfte, wer das Buch des Orchestervorstands, Clemens Hellsberg, „Demokratie der Könige“, kennt, keine großen Überraschungen erleben. Was bei Publikation des Bandes 1992 bekannt war, ist hier bereits akribisch aufgelistet.

Es ist auch auf Hellsbergs Betreiben zurückzuführen, dass 1988 in einem philharmonischen Programmheft aus Anlass des 50. Jahrestages des sogenannten „Anschlusses“ der Musikerkollegen gedacht wurde, die 1938 das Orchester verlassen mussten.

Einhaltung der „Rassengesetze“

Die traurige Tatsache, dass diese Entlassungen von langer Hand vorbereitet waren, dass Listen existierten, welche Kollegen den NS-Rassegesetzen nicht „entsprachen“, gehört zu den bitteren Pillen der Wiener Musikgeschichte. Hellsberg selbst bekannte mehrfach, „nicht verstehen“ zu können, wie in einer „seit ihrer Gründung, 1842, basisdemokratisch organisierten Musikergemeinschaft so viele einer totalitären Ideologie erliegen konnten“.

Tatsächlich waren viele Philharmoniker bereits sogenannte illegale Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei. Nach 1938 gehörten mehr als 50 Prozent der Musiker der Partei an, einige sogar Verbänden wie der SS. Das lag bedenklich weit über dem Durchschnitt in der Bevölkerung, der kaum mehr als zehn Prozent betrug.

Bei der Durchforstung des Archivs haben die Zeithistoriker aber offenkundig nicht nur belastendes Material gefunden, sondern auch Dokumente, dass es nach 1945 Versuche gegeben hat, Kontakte mit den überlebenden Opfern zu knüpfen, die freilich – das wird auch in der ORF-Dokumentation zum Ausdruck kommen – nach allem, was geschehen war, wenig Lust verspürten, nach Wien zurückzukehren.

Die klaren „Aufmarschpläne“ der illegalen Parteimitglieder nach erfolgtem „Anschluss“, die eine reibungslose Eingliederung des Orchesters in den nationalsozialistischen Kulturbetrieb gewährleisteten, waren wohl die erste bittere Erfahrung für die jüdischen Orchestermusiker.

Die ebenfalls nachweislichen Bemühungen führender Funktionäre der gleichgeschalteten Orchesterleitung, vertriebene Kollegen vor der Vernichtung zu bewahren, entpuppten sich mehrheitlich als untauglich. Erfolgreicher war man beim Arrangement mit der NS-Politik. Den Interventionen des Gauleiters Baldur von Schirach war es zu verdanken, dass die philharmonische Geschichte nach der Eingliederung ins „Reich“ weitergehen konnte – und die Musiker auch in den letzten Kriegswochen nicht zur militärischen Verwendung „freigegeben“ wurden – nicht zuletzt dieses Faktum könnte für die dankbare Geste der Ehrenring-Rückgabe verantwortlich sein.

Ein Orchester in SS-Händen

Im Herbst 1938 war es dem sofort eingesetzten neuen Orchesterleiter Wilhelm Jerger, der SS-Mitglied war, gelungen, die bereits beantragte Löschung des Vereins „Wiener Philharmoniker“ zu verhindern. Den Preis dafür bezahlten zunächst sieben Mitglieder des Orchesters, die dem sogenannten „Arierparagrafen“ nicht entsprachen. Sie wurden sofort ausgeschlossen.

Darunter befanden sich – um nur eine der Tragödien zu erwähnen – prominente Namen wie jener des Konzertmeisters Arnold Rosé, dessen Tochter Alma es gelang, den Vater nach England emigrieren zu lassen. Sie selbst fiel in Holland in die Hände der Deutschen und wurde im Konzentrationslager, wo sie zunächst als Leiterin des „Mädchenorchesters“ zahlreichen Musikerinnen das Leben retten konnte, ermordet.

Philharmoniker-Doku im ORF

„Schatten der Vergangenheit“ heißt der halbstündige Dokumentarfilm von Robert Neumüller über „Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus“, der heute, Montag, um 22.50 Uhr auf ORF2 ausgestrahlt wird. Der „Kulturmontag“-Schwerpunkt „75 Jahre sogenannter ,Anschluss‘“ beginnt um 22.30 Uhr, um 23.45 Uhr läuft dazu weiters der Spielfilm „Vielleicht in einem anderen Leben“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2013)

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42 Kommentare
 
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"Walzerseligkeit unterm Hakenkreuz"..

Etwas spät,aber immerhin,wird "auch" bei den "Philharmonikern" "aufgeräumt"!Es geschehen "auch" "Wunder" in "Ösi"-Landen.....

"Walzerseligkeit unterm Hakenkreuz"...

"Etwas" spät,aber immerhin,wird,wurde man im "Ösi" Land aktiv!"Erwachet"!?!?

Ein „Historiker“ kann irren, besonders dann, wenn er sich nicht als Historiker verhält, sondern nur ein Agitator ist.

Ganz schön blamabel für Harald Walser, dem selbsternannten Historiker bei den Grünen.

Für einen geeichten Linken ist es Pflicht, Österreich herunterzumachen. Was eignet sich dafür besser, als auf ein in der Welt höchst angesehenes Kulturinstitut, wie es die Wiener Philharmoniker nun einmal sind, einzudreschen. Man trifft damit Österreich in voller Breite!

Seit Jahr und Tag wettert Walser gegen die Philharmoniker wegen ihrer angeblichen NS-Vergangenheit. Und jetzt liegt bedauerlicherweise für ihn der Bericht der von den Philharmonikern bestellten Historikerkommission vor. Was ergibt sich daraus?

Vor 1938 spiegeln die Philharmoniker genau den Zustand wieder, der damals in Österreich herrschte. Seriösen Schätzungen zufolge gab es in Österreich vor 1938 Nationalsozialisten zwischen 22 % und 24 % der Wahlberechtigten. Die NSDAP war aber verboten, die Nazis waren also illegal. Bei den Philharmonikern waren es der genannten Forschung zufolge „nur“ 20 %! Kein Wunder, es gab dort viele Juden im Orchester. Aber 20 % sind keine ungewöhnliche Durchsetzung des Orchesters mit Nazis, wenn es in Österreich einen höheren Prozentsatz gab.

1942 sollen es nahezu 50 % Nazi gewesen sein, die im Orchester arbeiteten. Auch das ist eigentlich beeindruckend niedrig. Denn von 1938 bis 1942 mußten nicht nur die geflüchteten, die vertriebenen und die ermordeten Mitglieder ersetzt werden, es gab sicher auch eine gewisse Fluktuation durch Pensionierungen und dadurch notwendige Neuzugänge.

Fortsetzung folgt:

Ein „Historiker“ kann irren, besonders dann, wenn er sich nicht als Historiker verhält, sondern nur ein Agitator ist.

Fortsetzung 1:

Die Neuzugänge aber hatten nur dann eine Chance aufgenommen zu werden, wenn sie der NSDAP beitraten. Wenn es dann weniger als 50 % waren, dann heißt das, daß die übrigen Mitglieder jedenfalls nicht freiwillig, wenn überhaupt der Partei beitraten. Und das ist eben beeindruckend.

Dazu muß man auch noch die Abläufe in den Tagen nach dem Anschluß betrachten. Nicht nur wurden die Juden und die anderen „Belasteten“ sofort aus dem Orchester entfernt, nein, der Verein, also der Träger des Orchesters, wurde sofort aufgelöst.

Das wiederum rief den angesehenen Dirigenten Wilhelm Furtwängler auf den Plan, der bei Josef Goebbels intervenierte und damit erreichte, daß der Verein nur einen Tag später wieder in Funktion gesetzt wurde.

Die Chance ließ sich Goebbels als Propaganda-Minister und Kulturverantwortlicher nicht entgehen und nahm die Wiener Philharmoniker unter Kuratel. Ab da konnte bei den Philharmonikern nichts mehr geschehen, das Goebbels nicht wollte oder nicht anordnete.

Und da ist dann noch das 100-Jahr-Jubiläum 1942. Baldur von Schirach war Wiener Gauleiter. Seiner Eitelkeit und seiner Karriere war es nützlich, wenn die Wiener Philharmoniker gegenüber den Berliner Philharmonikern nicht nur als gleichwertig, sondern sogar noch als überlegen angesehen wurden. Von Schirach unterband 1942 alle anderen Kulturveranstaltungen in Wien, nur damit die Philharmoniker ungestört und ausreichend beachtet feiern konnten.

Fortsetzung folgt:

Ein „Historiker“ kann irren, besonders dann, wenn er sich nicht als Historiker verhält, sondern nur ein Agitator ist.

Fortsetzung 2:

Die Philharmoniker bedankten sich mit dem Ehrenring.

Ganz im Goebbels’schen Sinne bekam auch Seiß-Inquart, der sich beim Anschluß für das Regime verdient gemacht hatte und der Generalfeldmarschall List, der zu der Zeit Oberbefehlshaber in Wien war, auch einen Ring. Eine Reihe anderer in Laufe der Zeit auch, wahrscheinlich meist auf Anordnung durch Goebbels. Es mußte schließlich das Volk ruhig gestellt werden. Zwar war 1942 Stalingrad noch nicht passiert, aber mit den Blitzsiegen war es längst vorbei. Die Luftschlacht um England war verloren, der Rußlandfeldzug war im Winter 1941/1942 katastrophal stecken geblieben, der Balkanfeldzug war zwar trotz fürchterlichern Verlusten auf Kreta gewonnen worden, aber die Partisanentätigkeit unter Tito war auch nicht von schlechten Eltern. Etc. etc.

Da mußte der Kulturbereich eben herhalten. Filme wurden gedreht ohne Ende, einige Durchhaltefilme, aber die Mehrzahl reine Unterhaltungsfilme. Und da waren nicht nur die Philharmoniker, sondern auch andere Kapazunder gefragt. Mir ist z.B. ein Photo bekannt, da sitzen vier Leute an einem kleinen Tisch bei Kuchen und Kaffee. Josef Goebbels, Wilhelm Furtwängler, Paula Wessely, den Vierten kenne ich nicht. Was hat Paula Wessely mit Wilhelm Furtwängler zu tun? Nichts! Aber beide mit Goebbels!

Und damit landen wir bei Helmut Wobisch und Baldur von Schirach. Helmut Wobisch hatte nach dem Krieg 5 Jahre Berufsverbot.

Fortsetzung folgt:

Ein „Historiker“ kann irren, besonders dann, wenn er sich nicht als Historiker verhält, sondern nur ein Agitator ist.

Fortsetzung 3:

Von Schirach wurde in Nürnberg zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er für die Deportation von Wiener Juden verantwortlich war.

Beide haben ihre Strafen „abgesessen“. Nach rechtsstaatlichen Grundsätzen gilt ein Täter, der seine Strafe vollzogen hat, als schuldfrei! Also kann man Wobisch keinen Vorwurf daraus drehen, daß er nach seinem Berufsverbot wieder bei den Philharmonikern eingestellt und später sogar deren Geschäftsführer wurde.

Derselbe „schuldfreie“ Wobisch machte sich noch später verdient um Österreich, weil er den Carinthischen Sommer gründete. Dafür wurde er sogar vom Bundespräsident mit einem Orden ausgezeichnet. Ihm jetzt posthum wieder seiner SS-Vergangenheit zu beschuldigen ist ungehörig.

Baldur von Schirach kam krank und halbblind aus dem Gefängnis Spandau, wo er bis auf den letzten Tag seine Haftstrafe abgesessen hatte. Er verstarb auch relativ jung. Ihm ein Duplikat jenes Ehrenringes der Philharmoniker zu überreichen, den er sich seinerzeit unter anderem deswegen ehrlich verdient hat, weil er die Philharmoniker aus dem Militärdienst durch die sogenannte „UK-Stellung“ herausgehalten hatte, kann bei aller Zweifelhaftigkeit als menschliche Geste verstanden werden. Keinesfalls aber kann man daraus ableiten, die Philharmoniker wären Ende der 1960er-Jahre immer noch unzulässig naziverseucht gewesen, wie dies bei Harald Walser Standard ist.

Harald Walser darf in diesem Zusammenhang an Friedrich Peter erinnert werden.

Fortsetzung folgt:

Ein „Historiker“ kann irren, besonders dann, wenn er sich nicht als Historiker verhält, sondern nur ein Agitator ist.

Fortsetzung 4:

Peter, aus einer sozialistischen Familie stammend, meldete sich sofort nach dem Anschluß 1938 als 17jähriger freiwillig zur Waffen-SS. Er brachte es dort bis zum Kriegsende zum Obersturmführer, also zum Oberleutnant. Er diente erwiesenermaßen in einer Einheit, die fast ausschließlich als sogenanntes Einsatzkommando agierte. Einsatzkommandos waren für die Liquidierung von Juden, Partisanen und sonstigen Gegnern hinter der Front zuständig.

Peter war nach dem Krieg ein ganzes Jahr lang in einem amerikanischen Anhaltelager in Salzburg interniert. Er bestritt zu allen Zeiten bei Massakern beteiligt gewesen zu sein. Weder die Amerikaner noch später Simon Wiesenthal konnten ihm eine Schuld nachweisen. Nach rechtsstaatlichen Grundsätzen galt er daher auch als unschuldig. Die Politik, die er später als FPÖ-Obmann betrieb, war in exzellenter Weise als demokratisch anerkannt.

Wenn also Bruno Kreisky die Hilfe Peters für seine Politik in der Minderheitsregierung 1970/1971 in Anspruch nahm, ohne sich an der SS-Vergangenheit Peters zu stoßen, dann dürfen die Leistungen Wobisch für den Carinthischen Sommer auch rückhaltlos anerkannt werden, denn nach rechtsstaatlichen Grundsätzen – ich wiederhole mich – waren beide schuldfrei!

Die drei Historiker, Oliver Rathkolb, Fritz Trümpi und Bernadette Mayrhofer genießen alle die „Gnade der späten Geburt“! In der vorliegenden Arbeit haben sie in beachtlicher Weise Fakten gesammelt und dargestellt.

Fortsetzung folgt:

Ein „Historiker“ kann irren, besonders dann, wenn er sich nicht als Historiker verhält, sondern nur ein Agitator ist.

Fortsetzung 5:

Die eine oder andere Schlußfolgerung aber, etwa von der Marke „regimenahe Reichsorganisation“ ist höchst bedenklich, weil keiner von ihnen das Regime wirklich kennengelernt hat. Allein aus Fakten heraus, so richtig sie sein mögen, kann das Regime nicht beurteilt werden. Das Gegenüberstellen der Zahl der Opfer und der Zahl der Täter genügt nicht für die Beurteilung. Abhilfe schaffen können nur noch lebende Zeitzeugen, welche die gesamte Atmosphäre erlebt haben und darunter zu leiden hatten. Ich bin ein solcher Zeitzeuge! Und stehe gegebenenfalls auch gerne zur Verfügung.

Damit schließt sich der Kreis für Harald Walser. Auf die Philharmoniker heute einzudreschen, weil sie unter dem Nazi-Regime auch Nazis beschäftigt haben, ist von solcher Dummheit, das man nur zum Schluß kommen kann, es geht hier nur um das gezielte Eindreschen auf Österreich, wie es bei Walser eben Standard ist.

Das Ergebnis der hier aktiven Historiker-Kommission ist blamabel für Walser, weil es das gerade Gegenteil dessen offen legt, was Walser ständig behauptet. Was dringend darzustellen war!

Warum soweit in die Vergangenheit schweifen?

Sieh das Gute liegt so nah! Wieviele IM´s waren im Gewandhausorchester tätig? Wieviele KGB Spitzel im Kirow? Wieviele Rote und Schwarze in der Volksoper?

Wenn man schon,

untersucht, dann bitte aber auch die anderen Organisationen und Vereine. Aber da wird aus diversen Gruenden ein grosser Bogen gemacht und man renommiert lieber an einer Geschichte mit internationalem Flair. An der verwerflichen Haltung einiger Mitglieder des Orchesters damals gibt es nichts zu ruetteln und nichts zu entschuldigen. Es ist aber vorbei und heute kann man die Mitglieder des Orchesters nicht fuer derartige Untaten verantwortlich machen. Man kann sehr wohl zum Beispiel endlich die Bezeichnung Wiener Staatsoper streichen. Der wurde naemlich wirklich von den Nazionalsozialisten eingefuehrt. Nach der Hofoper, hies sie Wiener Operntheater oder Wiener Oper. Die Nationalsozialisten machten daraus, wie in Deutschland, die Staatsoper. Und heute kraeht kein Hahn danach. Oder muss man auch hier auf ein paar Historiker warten, die sich endlich der Sache annehmen, weil es fuer sie wichtig ist.

Musik

es gibt keine linke oder rechte Musik
es gibt keine politisch korrekte oder inkorrekte Musik
es gibt keine feministische oder frauenfeindliche Musik
es gibt keine ....
es gibt nur GUTE oder SCHLECHTE Musik ...

Für Herrn Rathkolb gibt's noch sehr viel Arbeit!

Da wäre z.B. die Gechichte der Wiener Straßenbahner. Wer hat die Straßenbahnen damals mit den Hakenkreuzfähnchen geschmückt?

Die Hausmeister der Wiener Gemeindebauten. Wer hat die vielen Hakenkreuzfahnen an den Fahnenmasten gehisst?

Die Post. Wer hat tausende und tausende Briefe mit Hitlermarken frankiert?


Ich verstehe 2 Sachen nicht :

1. Wieviele Nazis gibt es noch in der Orchester?
2. Was haben die jetztige Mitglieder mit dem was vor 75 Jahren geschehen ist, zu tun?? Ich glaube kaum, dass nur ein jetztiges Mitglied bei der SS dabei war??
Wohin führt dann das Ganze??? Was hat es für einen Zweck???

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Re: Ich verstehe 2 Sachen nicht :

Weil die Philharmoniker über 60 Jahre gemauert haben! Auf die Dauer kann man sich nicht nur die Rosinen aus der eigenen Geschichte herauspicken!
Dass der Geschäftsführer der Philharmoniker und ehemalige SS- und Gestapomann Wobisch in den 60-ger Jahren dem Judenreinmacher Schirach den Ehrenring überbracht hat, zeigt doch, wozu do etwas gut ist!

Re: Re: Ich verstehe 2 Sachen nicht :

Die Philharmoniker haben eben nicht gemauert, sobndern ihr Vorstand Hellsberg schon 1992 in eienm Buch alles, was man damals wissen konnte, offengelegt. Aber die Grünen suchen in Allianz mit Holender, der es offenbar nicht verkraften kann, dass sich die Philharmoniker gegen eine weitere Vertragsverlängerung von ihm als Staatsopern-Direktor aussprachen, enach Möglckeiten, Aufmerksamkeiten zu erzielen bzw. sich zu rächen. Es ist ein mieses Spiel, das hier getrieben wird.

Re: Re: Re: Ich verstehe 2 Sachen nicht :

Sie haben vollkommen Recht!
Ich habe das bei Gelegenheit schon einmal fast wortgleich geschrieben, aber es kommen autistisch immer die gleichen Vorwürfe. Natürlich soll man weiter forschen. Und natürlich wird noch das eine oder andere unappetitliche Detail auftauchen. Aber grundsätzlich steht das alles im Buch "Demokratie der Könige" von 1992. (mit Ausnahme der Wobisch-Geschichte mit dem Ring. Es fehlen dort aber auch entlastende Dinge, weil sie noch nicht bekannt waren.) Aber keiner macht sich die Mühe das zu lesen. Und mafiöse Figuren, wie der unsägliche Ioan Holender versuchen mithilfe dieser Geschichte aus der verdienten Versenkung aufzutauchen. Es sollte sich einmal eine Historikerkommission mit seiner Amtszeit beschäftigen! Dann würde man alle Beteiligten bis hin zur höchsten Politik fragen müssen: und ihr habt alles gewusst und nichts unternommen!!

Re: Re: Re: Re: Ich verstehe 2 Sachen nicht :

Sie haben das wunderbar auf den Punkt gebracht. Übrigens: gar nicht so schlecht der Vorwurf einer Kommission, die sich mit Holenders Amtsführung an der Staatspoper auseinandersetzen soll. Da gäbe es womöglich manches aufzuarbeiten. Es wäre etwa zu prüfen, ob in Sachen Sexismus alles im Reinen war.

Re: Re: Ich verstehe 2 Sachen nicht :

Da müßten sie dann ganz andere Vereine verbieten. Etwa die ganze SPÖ! Wie lange haben die z.B. den guten alten Groß abgemauert!

könnte mir jemand verraten,

was von den künstlern zu erwarten ist bei plötzlichem und diktatorischem systemwechsel? oder von anderen berufsgruppen?
und wie soll die aufarbeitung gehen? durch ausgrenzung? durch integration? durch toleranz?

orban zum beispiel wollte die ehemaligen kommunistischen volkrichter in die frühpension schicken und die demokratische generation nachrücken lassen. die EU war dagegen. wird darüber in 50 jahren eine debatte geben, wie orban kommunisten duldete?
wir dürfen nicht im abstand 50, 60, 70 jahren schulmeisterisch urteilen.

Rätsel um Ringübegabe nun gelöst?

Bin schon neugierig, was dem Hrn. Walser jetzt
noch in dieser Sache einfällt; Im heutigen Ö1 Mittagsjournal äußerte sich jedenfalls der frühere 0perndirektor Holender dahinghend, es sei sehr seltsam, dass in einem Raum des Staatsopernarchives bisher nicht bekannte Unterlagen über die WPh. gefunden wurden. Glaubt er vielleicht, dass diese erst jetzt dort hinterlegt wurden?
Lt. dem "Standard" wurde immerhin ein Abonnentenbuch in einem Notenkeller der 0per gefunden; ist doch auch was, oder?

Re: Rätsel um Ringübegabe nun gelöst?

Die Rolle, die Holender in dieser ganzen Sache spielt, ist überhaupt sehr seltsam. Wollte er sich vielleicht an den Philharmonikern rächen, weil sie einer weiteren Vertragsverlängerung von ihm Staatsopern-Direktor nicht mehr zustimmen wollten? Und wenn etwas in der Oper gefundenwurde, dann trägt doch er als ehemaliger Direktor dafür die Verantwortung? Oder gilt das in seinem Fall vielleicht nicht, während sich die heutigen Philharmoniker dafür verantworten sollen, was ihr Vorgänger vor 75 Jahren taten?

Übereifrig

Wen interessiert es, mit welchem Parteibuch ein Künstler seine Arbeit verrichtet? Man feierte auch das Leningrader symphonische Orchester, in dem sicher lauter Kommunisten saßen. Wenn man in dieser Zeit gelebt hat, musste man "dazugehören". Ist es nicht noch heute so, dass man mit dem Parteibuch "wachelt" (NÖ?!). Seien wir nicht so scheinheilig, auch heute musiziert mancher Atheist in der Hofburgkapelle. Niemand fragt. Seid doch beruhigt: Von den "Mitläufern" im Orchester ist eh schon niemand dabei. Ihr Aufdecker kommt viel zu spät!

Wozu die Hysterie?

In erster Linie scheint ja doch das künstlerische Moment im Vordergrund zu stehen. Es hat keiner mehr etwas davon, ob der Ring irgendwann zurück gegeben worden ist. Bitte laßt die Philharmoniker spielen, denn die, die das Mitgetragen haben, sind schon lange nicht mehr im Orchester. Zum Glück sind jetzt bereits viele junge Künstler im Orchester, die mit der Vergangenheit nichts zu tun haben. Hier versucht man ja nur, erfolgreiche Künstler in den Dreck zu ziehen.

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Re: Wozu die Hysterie?

Dann sollen die Philharmoniker nicht mit ihrer Vergangenheit selektiv hausieren gehen!

Re: Wozu die Hysterie?

in en Dreck gezogen werden nicht die Künstler der WPh.
Es geht darum, eine der erfolgreichsten Institutionen anzupatzen! Und sei es auch mit größter Beschädigung im Ausland.
Hauptsache ein politisch Korrekter hat wieder etwas, womit er in die Zeitung kommt ...

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Unfassbar!

Ich möchte gar nicht über die Zeit 1938-1945 urteilen, aber dass der illegale Nazi, SS-Mann und Gestapospitzel Helmut Wobisch von 1953 bis 1969 Geschäftsführer der Philharmoniker sein konnte, ist ein Skandal! Ein Mann, der 1960 dem aus der Haft entlassenen ehem. Gauleiter Schirach den 1941 verliehenen Ehrenring "überbrachte"!
Mich wundert nicht, dass jahrzehntelang bei den Philharmonikern ein Widerstand gegen Vergangenheitserhellung bestanden hat!

 
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