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Valentina Naforniţa: Wiens Opern-Nesthäkchen

Bild: (c) Staatsoper/Chris Dunlop 

Valentina Naforniţa schaffte den Sprung aus einem kleinen Dorf in Moldawien auf die großen Opernbühnen der Welt. Nun erzählt sie, wie das kam.

 (Die Presse)

Es ist wirklich schnell gegangen: Ich kam ja sofort nach Wien. Die Staatsoper war das erste Opernhaus, an dem ich aufgetreten bin“, sagt Valentina Naforniţa im Rückblick auf ihr Bühnendebüt. Seit zwei Jahren ist die blutjunge Sopranistin aus Moldawien Mitglied des Wiener Ensembles. Dieser Tage steht sie als Oscar in Verdis „Ballo in maschera“ auf der Bühne, kommenden Sonntag ist sie die Papagena in der Neuinszenierung der „Zauberflöte“.

In der Selbstbeschreibung scheint weniger der Stolz auf das Erreichte mitzuschwingen als das Staunen darüber. Und die Dankbarkeit, die sie Wiens Direktor Dominique Meyer gegenüber empfindet, der das eminente Talent der Künstlerin schon entdeckt hatte, bevor sie hochdekoriert als Siegerin aus dem Wettbewerb von Cardiff hervorging. „Damals waren viele Agenten und Direktoren da, und ich bekam sofort Angebote für große Partien von allen möglichen Opernhäusern. Da konnte ich aber sagen: Danke, ich habe schon einen Vertrag unterschrieben.“

 

Ein Sieg und ein vorsichtiger Beginn

Meyer hatte Valentina Naforniţa zum Vorsingen gebeten und sofort ins Ensemble engagiert. „Wir haben durchaus vorsichtig und klein angefangen“, sagt die Sängerin, „man hat mich nicht auf die Bühne gestoßen: Jetzt sing' die Gilda.“ Doch kamen recht rasch auch prächtige Rollen hinzu: Spätestens ihre Musette in Puccinis „Bohème“ und natürlich der Auftritt an der Seite von Adam Plachetka anlässlich der Eröffnung des Opernballs 2013 machte ein breites Publikum auf Nafornitaaufmerksam.

Es ist daher auch einer Absage zuzuschreiben, dass sie in der neuen Mozart-Produktion noch einmal die Miniaturpartie der Papagena singt: „Die Papagena war meine allererste Rolle im Oktober 2011. Jetzt bin ich an sich schon auf die Pamina vorbereitet, die ich im kommenden Juni singen werde.“

Debüts an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, an der Mailänder Scala und am Nationaltheater München hat sie schon hinter sich, freut sich aber, in Wien „in Ruhe“ weitermachen zu dürfen. Nebst der Pamina gibt es in der laufenden Spielzeit unter anderem auch Auftritte als Musette, Zerlina („Don Giovanni“), Adina („Liebestrank“) und vor allem als Gilda in Verdis „Rigoletto“ an der Seite von Leo Nucci: „Darauf freue ich mich ganz besonders“, sagt sie, „weil ich weiß, wie unendlich viel ich von einer solchen Bühnenpersönlichkeit lernen kann.“ Den Höhenflug kann die Künstlerin noch gar nicht richtig fassen: „Ich komme aus einem kleinen Dorf in Moldawien“, erzählt sie, „und es war für mich großartig, in eine Stadt wie Bukarest zu kommen, um dort an der Musikuniversität studieren zu dürfen. In Rumänien war das Leben viel besser als in Moldawien!“

 

„Ich wollte Popsängerin werden“

Dass sie rasch eine international renommierte Opernsängerin werden würde, hätte sie sich damals nicht im Traum einfallen lassen. Singen, das ja, ein künstlerischer Beruf, das war stets nach ihrem Sinn – „und meine Eltern haben das immer unterstützt. Aber mit Oper kam ich ja zu Hause überhaupt nicht in Berührung. Ich habe nur alles nachgesungen, was ich hörte, seit ich drei Jahre alt war. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, in welcher Sprache die Lieder waren und was der Text bedeutete. Ich wollte Popsängerin werden“, sagt sie – und war zunächst enttäuscht, als man ihr an der heimatlichen Musikschule beschied, einen entsprechenden Kurs hätte man gar nicht anzubieten. Zur Wahl standen vielmehr Folklore oder Oper. „Volksmusik war nicht meins. So kam ich zur Oper – dabei hatte ich zuvor nur einmal ,Madame Butterfly‘ im Fernsehen gesehen und ,Eugen Onegin‘ in Kischinau, was mir aber enormen Eindruck gemacht hat: Tschaikowsky, diese Musik geht sofort unter die Haut!“

Mittlerweile sorgt sie selbst dafür, dass Oper dem Publikum unter die Haut geht – und hat „gottlob nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, wie ich es wagen konnte, in meinem Alter schon auf den großen Bühnen der Welt zu stehen. Mit den Korrepetitoren der Staatsoper erarbeite ich konsequent meine nächsten Partien, wir absolvieren ein volles Programm.“ Das Singen sei jedenfalls „harte Arbeit“, von der sie sich beim Schwimmen entspannt, oder auf Reisen, indem sie die großen Museen besucht – „und hie und da auch einmal während eines Films vor dem Fernseher einschlafe . . .“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2013)

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