Dvořáks tragisches Trio

Das Wiener Klaviertrio feiert sein 25-jähriges Bestehen. Im Mozartsaal überzeugte es mit Dvořák, Schubert und Casella.

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Flügel – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Man kann nur hoffen, dass es dem Vorweihnachtsklimbim geschuldet war, dass die Reihen im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses ein wenig ausgedünnt besetzt waren. An dem, was das Wiener Klaviertrio zu bieten imstande ist, sollte es nicht liegen. Seit 2006/07 bestreitet dieses Kollektiv einen eigenen Zyklus im Wiener Konzerthaus und mit der Reihe in der aktuellen Saison feiert die Kammermusikformation ihr 25-jähriges Bestehen. Das Trio gastiert auch international, gibt Unterricht und hat einige mit Preisen ausgezeichnete Tonträger vorgelegt. Wobei allerdings einzig der Pianist Stefan Mendl von Beginn an dabei ist. 2001 übernahm Matthias Gredler die Position des Cellisten. Seit 2012 ersetzt der junge Geiger Bogdan Božović schließlich Wolfgang Redik. Gefeiert wird dennoch, und das zu Recht.

Als roten Faden durch die Jubiläumssaison im Konzerthaus hat man sich Werke von Antonín Dvořák gewählt: Drei seiner vier Klaviertrios stehen auf dem Programm, zum Finale folgt mit Unterstützung von Johannes Flieder noch das Klavierquartett Es-Dur op. 87. Im aktuellen Konzert wurde nun Dvořáks Klaviertrio op. 65 gespielt: ein ganz außergewöhnliches Stück, weit ausladend, dunkel, ernsthaft, dramatisch. Dvořák hat es unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter geschrieben und sich damit – auch nach der Kritik an seiner Oper „Dimitrij“ – einen immensen Entwicklungsschritt abgetrotzt, hin zu seinem reiferen Kompositionsstil. Kurz nach Vollendung hat er das Werk dann noch einmal grundlegend umgearbeitet.

 

Schubert kühl, aber delikat

Es ist eine große technische wie interpretatorische Herausforderung, die das Trio überzeugend meisterte. Mit Mendl im pianistischen Zentrum, dem herrlich sonoren Cellospiel von Gredler und dem feinen, geschmeidigen, aber durchaus zu dramatischerer Expansion fähigen Violinton von Božović, fand man zu Intensität und schöner Feinabstimmung. Diese Balance fehlte beim Mozart-Trio KV 542 mit dem doch stark dominierenden Klavier noch, sie stellte sich aber spätestens bei Schuberts „Notturno“ ein, das mit kühlem, aber sehr delikatem Ton gespielt wurde. Davor Alfredo Casellas „Sicilienne et burlesque“, mitreißend temperamentvoll. Kammermusikfreunde sollten sich jedenfalls den nächsten Dvořák-Termin des Wiener Klaviertrios am 18.März in den Kalender schreiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2013)

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