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Heimkehr zu Heimchen und Herd

13.05.2002 | 00:00 |  VON STEFAN MUSIL (Die Presse)

Monteverdi gab man zum Auftakt der Festwochen im Theater an der Wien. "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" als Gastspiel aus Aix-en-Provence zeigte sich brav gesungen, hübsch inszeniert, nett gespielt - und war demgemäß ziemlich fad.

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Es fährt keine Straßenbahn auf der Linken Wienzeile. Sonst hätte man sich bei der ersten Musiktheater-Premiere der heurigen Wiener Festwochen ebensogut im Theater in der Josefstadt glauben können.

So hübsch und geordnet, so ordentlich und gepflegt, so unaufgeregt und dezent altmodisch verlief nämlich der erste Opernabend des Festivals.

Was diese Produktion von Monteverdis "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" bei den Wiener Festwochen zu suchen hat, bleibt ein wenig rätselhaft. Ist es ein programmatischer Wink, daß es in Sachen Musiktheater bei den Festwochen ein paar Schritte zurück geht?

Beim französischen Sommerfestival in Aix-en-Provence kam die Produktion bereits 2000 heraus, eine Gemeinschaftsarbeit mit gleich vier französischen Theatern. Was nun den Wiener Besuchern verkauft wird, erweist sich wenigstens als blendend eingespielt. Als richtungweisend, aufsehenerregend, gar modern zeigt es sich nicht.

Das vielleicht Spannendste an diesem "Ulisse" ist, daß das Ensemble aus lauter jungen, unbekannten Sängern besteht, die ihre Sache meistens untadelig, manchmal sogar recht gut machen. Was jedoch fehlt, sind persönlichkeitsstarke, ausdrucksfähige Protagonisten, die ein Musikdrama von Monteverdi notwendig hätte.

In dieses Bild fügt sich auch die orchestrale Seite. Hierfür verantwortlich sind "Les Arts Florissants" unter ihrem Leiter William Christie. Sie spielen sauber und stilistisch brav und recht trocken, in kleiner Besetzung eine nicht gerade vor Phantasie und Farben sprühende Instrumentation.

Schließlich wäre noch die Regie von Adrian Nobel. Er ist künstlerischer Leiter der traditionsreichen Royal Shakespeare Company in London. Das sieht man seiner Arbeit an. Denn er versteht sein Handwerk, so sehr, daß er sich in seiner Regie auf dieses beschränkt. Also wird meist frei von Inspiration artig die Handlung erzählt, in erbaulichen Arrangements auch ein wenig gesprungen, getanzt, geherzt, geklatscht und an der Rampe gestanden - bis Noble gegen Ende seine heute schon ein wenig abgestanden wirkende Theaterluft auch noch ausgeht.

Das simple, schmucke Bühnenbild, mit seinen drei U-förmig aufgestellten Wänden, dem Sand am Boden und den tönernen Amphoren im Eck könnte ebenso eine Hotel-Lobby gehobenerer Klasse auf einer griechischen Ferieninsel sein. Nett anzusehen ist es, für drei Stunden Oper aber mager.

Wie anders Monteverdi packen kann, haben in Wien erst kürzlich Jordi Savall und seine Mitstreiter kongenial im Konzerthaus bei "L'Orfeo" bewiesen. Hier brauchte es keine Inszenierung um mit Monteverdis Musik in den Bann zu ziehen. Ein Niveau, an das die Aufführung im Theater an der Wien in keinem Moment heranreichen konnte. Aber "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" hinterläßt zumindest den Eindruck eines anständigen Opernabends - Festwochen bräuchte es dafür allerdings keine.

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