Wetterglück und Rekordbesuch: 140.000 bei "Konzert für Europa"

24.05.2007 | 23:29 |   (DiePresse.com)

Valery Gergiev dirigierte das Open-Air-Konzert der Wiener Philharmoniker im Schlosspark Schönbrunn.

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Russlands Präsident war zwar zu Mittag wieder abgereist, dennoch dominierte russische Musik auch am Donnerstagabend beim "Konzert für Europa". Dirigent Valery Gergiev hatte für das Programm Ohrwürmer seiner Landsleute Peter Iljitsch Tschaikowsky und Igor Strawinsky ausgesucht. Im vierten Jahr hatte man beim dem 2004 ins Leben gerufenen und von ORF und 3sat live übertragenen Open-Air der Wiener Philharmoniker im Schlosspark Schönbrunn endlich Wetterglück. Bei sommerlichen Temperaturen schätzten die Veranstalter die Besucher (unter ihnen Bundespräsident, Bundes- und Vizekanzler) auf die neue Rekordzahl von 140.000.

"Wir sind überglücklich, dass es endlich einmal schön ist", freute sich Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg vor Beginn, und auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) zeigte sich zufrieden: "Nach vier Mal Regen haben sich Wien und die Zuschauer das verdient." Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton meinte leger: "Das letzte Mal, als ich hier war, war ich im Park joggen." Diesmal durfte er gemeinsam mit US-Filmstar Sharon Stone einen großen Scheck entgegennehmen. Damit werde Kindern auf der ganzen Welt geholfen, versicherte er: "Thank you. God bless you all!"

"Wer will bei so einer Gelegenheit experimentieren?" hatte Dirigent Gergiev im Vorfeld seine Musik-Auswahl begründet, die auf Stücke aus Tschaikowskys "Nußknacker" und "Schwanensee" sowie Strawinskys "Le Sacre du Printemps" gefallen war. So ergab sich ganz natürlich erstmals die Chance, mit Ballett-Einlagen in direkte Konkurrenz zum berühmteren Jahreskreis-Auftritt der Wiener Philharmoniker, dem Neujahrskonzert, zu treten. Solotänzerin Kathrin Czerny und Mitglieder des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper tanzten in der teilweise recht modernen Choreographie von Patricia Sollak vor wunderbarer Kulisse. Erstmals bot die Bühne auch einen Durchblick auf Neptunbrunnen und Gloriette, nicht zum ersten Mal gab es dagegen auch ein kleines Feuerwerk.

Gergiev hielt sich ganz an seine Ankündigung, vor allem an jene zu denken, die nicht zu den regelmäßigen Konzertbesuchern zählen, und setzte auf Wirkung, nicht auf Feinsinn. Als hätte es nicht vorher bereits genug Pauken und Trompeten gegeben, ließ der Dirigent bei den ebenfalls dem russischen Repertoire entnommenen Zugaben schließlich bei Aram Chatschaturjans Säbeltanz nach einer ersten Version und der Nachfrage "War es schnell genug?" gleich einen zweiten Durchlauf bei noch höherem Tempo spielen.

2004 waren bei einem Dirigat von Bobby McFerrin ebenso 90.000 Besucher gekommen wie im Jahr darauf bei Zubin Mehta. Fiel die Witterung schon in den beiden ersten Jahren kühl bis kalt aus, so musste im Vorjahr das auf 70.000 Zuhörer geschätzte Publikum mit Placido Domingo nach der wetterbedingten Absage eines ersten Termins beim zweiten Anlauf einem Regenguss trotzen. "Nächstes Jahr spielen wir dann bei Schneegestöber!" hatte damals der Philharmoniker-Vorstand mit Galgenhumor angekündigt. Diesmal habe man erstmals wegen Schönwetters absagen wollen, scherzte er diesmal. Doch sogar Gewitter blieben aus. Der Abend mit Kaiserwetter vor dem ehemaligen Kaiserschloss schloss zunächst mit einem gefühlvoll gespielten "Wiener Blut", der laut Hellsberg "eigentlichen Hymne von Wien". Da gaben ihm am Ende auch die anwesenden Gelsen recht. Und eine Polka als allerletzte Zugabe brachte schließlich, "das einzige, was uns heute gefehlt hat" (Hellsberg): "Unter Donner und Blitz".

Das nächste "Konzert für Europa" findet am 3. Juni 2008 statt, "mit einem französisch-spanischen Programm", wie Hellsberg ankündigte.

 
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7 Kommentare
Gast: Thomas Semrau
29.05.2007 09:55
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Ein belangloses Wuschkonzert

...mit einem blamablen Moderator. Herr Hellsberg sollte bitte nicht mehr moderieren. War das wirklich englisch?

Pflanze
25.05.2007 10:20
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Mangelhafte technische Umsetzung

Wohnte auch gestern, wie in den vergangenen Jahren, dem Open-Air Konzert in Schloss Schönbrunn bei, denn wann außer bei diesem jährlichen Event hat man/frau die Möglichkeit, die Wiener Philharmoniker gratis zu sehen.
Es war natürlich wieder ein tolles Ereignis in einer einzigartigen Location. Und endlich stellte sich auch jenes Wetter ein, dass dieses Konzert verdient. Somit waren die Voraussetzungen für ein einzigartiges Konzerterlebnis gegeben, doch leider kam es nicht dazu. Die Lautstärke war dermaßen gering, dass man auf den Grünflächen Richtung Gloriette hinauf fast schon Hörgeräte gebraucht hätte, um überhaupt noch etwas von der Darbietung verstehen zu können. Ich möchte den Veranstaltern keine Absicht unterstellen, doch die technische Umsetzung der akustischen Darbietung war mehr als mangelhaft. Für nächstes Jahr wünsche ich mir Boxen auch auf den Wiesenflächen zw Bühne und Gloriette damit es, wie voriges Jahr, trotz Regens, zu einem einmaligen Erlebnis wird.

Antworten Gast: Lucky Luke
25.05.2007 10:57
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Re: Mangelhafte technische Umsetzung

War heuer nicht dabei, aber 2006 wars genau so: Viel zu wenig Aufwand was die Soundtechnik betrifft! Meiner Meinung nach könnte man dafür ruhig was investieren... Aber bei Kulturinvestitionen scheiden sich bekanntlich die Geister... und Soundtechnik kostet leider viel!

Antworten Antworten Pflanze
25.05.2007 13:09
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Re: Re: Mangelhafte technische Umsetzung

2006 hab ich's lauter empfunde, auch auf den Wiesen hinter der Bühne!
Aber Sie haben Recht, eine Umsetzung kostet!
Die Wiener SPÖ steuert ja ebenfalls Geldmittel bei! Ich würde es begrüßen, wenn sie beim niveaulosen Donauinselfest ein wenig einsparen würde und das eingesparte Geld für das Konzert für Europa investieren würde!

Gast: Fred Keller
25.05.2007 09:29
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russisches Bierzelt

Wie richtig doch mein Vorschreiber die Athmosphäre beschrieben hat.

Und diese Konzertmachenschaft kostet den Steuerzahler jede Menge Geld, was nirgends ausser in der Presse stand!

Nur liest das anscheinend niemand.

Gast: WRS
25.05.2007 07:00
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Das Konzert fuer Europa

Als ein Besucher des Konzertes erinnert es mich mehr an ein Bierfest mit Zelten von verschiedenen Brauereien und Wuerstelstaenden. Oesterreich hat mit diesem Konzert "fuer Europa" eine Hommage an Russland gegeben und an den gestern wieder abgereisten Praesidenten Putin. Es kann nicht "fuer Europa" heissen wenn ausschliesslich Stuecke russischer Komponisten gespielt wurden ausser dem Abschluss von Johann Strauss.

Antworten Gast: HB
25.05.2007 10:56
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Schwaches Programm

Dieses Konzert hat sicher keine Werbung für klassiscshe Musik gemacht - die dargebotene "Musik" war vielfach eine Beleidigung der Ohren und der Hörnerven, was aber nicht am Orchester gelegen ist.

Man hätte in einem Konzert für Europa doch erwarten dürfen, mehr als nur Kompositionen von russischen Komponisten hören zu dürfen - wie wohltuend wären da Stücke von z.B. Beethoven und Verdi gewesen, von Mozart gar nicht zu sprechen.

Sinkothek

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