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Konzerthaus: Brillant, aber ohne Geheimnis

11.11.2007 | 17:51 |   (Die Presse)

John Eliot Gardiner mit dem Brahms-Requiem und dessen Wurzeln bei Schütz und Bach.

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„Ziemlich langsam und mit Ausdruck“ steht da über dem ersten Satz von Johannes Brahms' „Deutschem Requiem“: eine Anweisung, deren zweiter Teil hörbar schwierig zu realisieren ist, wenn sich die Streicher jeden Vibratos zu entraten haben...

Nach etlichen Jahren Pause war wieder einmal Sir John Eliot Gardiner in Wien zu Gast – und zwar mit seinem exzellenten Monteverdi Choir und dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique, jener Parallel-Formation der English Baroque Soloists, mit der er das Repertoire des 19.Jahrhunderts erarbeitet. Der intelligent und beziehungsreich programmierte Abend stellte dem Brahms-Requiem thematisch passende ältere Werke von Heinrich Schütz über Bach bis zu Brahms selbst voran: etwa dessen frühen Begräbnisgesang op.13, ein denkbar düsteres, von Bläsern und Pauken begleitetes Chorstück. Oder das Urbild jenes bis zu Alban Bergs Violinkonzert folgenreichen Chorals „Es ist genug“ von Johann Rudolf Ahle, dem Bach freilich in seiner erregend-expressiven Harmonisierung noch größere Dringlichkeit verliehen hat – welche der Monteverdi Choir mit glühender Intensität erfüllte.


Präziser Monteverdi Choir

Sowohl hier als auch bei Schützens vielstimmigen Bibelvertonungen und zuletzt bei einer schlicht homophonen, innigen Sterbearie von Johann Christoph Bach zeigte der Monteverdi Choir in allen Stimmen hohe Flexibilität, präzise Intonation und Reinheit des Klangs – Tugenden, die auch das Brahms-Requiem auszeichneten. Nur ließen dabei Gardiners unbestritten klare interpretatorische Antworten noch mehr Fragen offen. Freilich ermöglichen die historischen Instrumente trotz kleiner Schwächen größere Transparenz, entwickelt sich in den zum Teil flüssigen Tempi gar so etwas wie rhythmischer Drive. Doch bei aller Freude über die mit großer Übersicht zu strahlendem Triumph gesteigerten, mit Elan und Brillanz ausgeführten Schlussfugen: Die Entwicklung dahin, die grüblerisch-zweifelnden, düsteren Abschnitte blieben vergleichsweise blass und unerfüllt. Camilla Tilling wirkte mit ihrem hübschen, aber flackrigen Sopran neben dem Chor, der im Forte lieber steif klang als das verpönte Vibrato einzusetzen, etwas fehl am Platze; Matthew Brook erfüllte den Bariton-Part immerhin mit ausreichend sonorer Autorität. wawe

DEMNÄCHST: Harnoncourt

Am 7.Dezember legt Nikolaus Harnoncourt mit den Wiener Philharmonikern und dem Arnold Schoenberg Chor im Musikverein seine Sicht auf das „Deutsche Requiem“ dar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2007)

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1 Kommentare
0 0

"wenn sich die Streicher jeden Vibratos zu entraten haben..."

Und das ist natürlich insofern Unsinn, als es zu Brahms' Zeiten jede Menge Gesangs- und Streichervibrato gab. Aber manche "Originalklangmusiker" lassen sich eben bis hin zur Musik von Wagner und Brahms blödmachen.

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