Sopranistin Katharina Jing An Gebauer hat sich selbst eine kleine Oper auf den Leib geschneidert. Als Ilona steht und liegt sie selbst auf der Bühne des Reinhardt-Seminars, um die heiklen Koloraturen zur Darstellung der kapriziösen Hintergangenen in Schnitzlers „Anatols Hochzeitsmorgen“ zu absolvieren. Dass eine Sängerin selbst zur Komponierfeder greift, hat Raritätscharakter. Die Techniken Schönberg'scher, aber auch Johann-Strauß'scher Provenienz beherrscht sie genügend, um eine Fin-de-Siècle-Melange aus Atonalität und Walzerseligkeit zu brauen. Wirklich überzeugend hat schon Allvater Schönberg selbst („Von heute auf morgen“) Komödiantisches nicht mit avantgardistischen Klängen zu unterlegen gewusst. So blieb der Effekt von Gebauers klug arrangiertem und achtbar inszeniertem Werk deutlich hinter jenem der anderen Novität zurück.
Musiker in der Erotikfalle
Die Uraufführung von Christoph Ehrenfellners „Mae Mona“ erregte ehrliche Begeisterung. Der Komponist hat sich selbst mit viel Fantasie ein skurril-abgründiges Libretto um drei alpenländische Musiker gezimmert, die in die Fänge einer fernöstlichen Liebesfalle aus Dienerin und Herrin geraten. Vor allem aber erzählt er die Geschichte mit suggestiven klanglichen Mitteln, die zwar aus traditionellen romantischen Wurzeln sprießen, doch originelle neue Blüten treiben. Wer als Liebesmusik eine Metamorphose des Adagiettos aus Mahlers Fünfter wagt und an dem Anspruch nicht scheitert, erweist die Erneuerungsfähigkeit der Tonalität. Ehrenfellner verfügt über eine Theaterpranke, gewinnt mit wenigen melodischen, rhythmischen oder farblichen Strichen Atmosphäre, oft intensiv verdichtet – so bleibt der Zuschauer fasziniert ob der krausen, doch unausweichlichen Geschichte.
Sie wird in der sicher zupackenden Regie von Benjamin Prins in stimmungsvoll ausgeleuchteten Dekors von Thomas K. Mörschbacher (Dirigent: Huw Rhys James) simmgewaltig erzählt: Mit Akiko Nakajima (Mae Mona) hat das junge Ensemble eine professionelle Vorkämpferin: Nina Tarandek als Yu steht an Ausdruckskraft kaum zurück, und die Herren Andrea Kammerzelt, Lothar Burtscher und Mathias Frey schlagen sich im ungleichen, weil von den Damen unfehlbar dominierten Geschlechterkampf wacker. sin
Wiederholung: 28. Mai, 19 Uhr,
1140 Wien, Penzinger Straße 7
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2009)

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