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Salzburger Festspiele: Der andere Jedermann

19.08.2009 | 18:33 |   (Die Presse)

Quasthoff und Vogt mit ernsten Gesängen im Haus für Mozart.

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Er hoffe, dass die Tradition der Liederabende auch in der kommenden Salzburger Intendanz bestehen bleibe, leitete Thomas Quasthoff den Zugabenteil seines Konzerts ein und erhielt auch dafür höchste Zustimmung. Nicht zuletzt als Liedbegleiter hat sich Markus Hinterhäuser früh einen internationalen Namen gemacht. Diese Liebe ist geblieben. Auch heuer punktet der Salzburger Konzertchef mit seinem Konzept, bedeutende Sängerinnen und Sänger mit ebensolchen Pianisten zusammenzubringen. Wie Dienstagabend im Haus für Mozart.

Denn als Partner am Flügel agierte mit Lars Vogt einer der interessantesten deutschen Pianisten. Ein Meister nobler Zurückhaltung, stets beredter Phrasierung, glasklarer Artikulation, der zuzuhören und entsprechend zu reagieren versteht. Was er gewiss seiner reichen kammermusikalischen Erfahrung verdankt: Seit 1998 leitet der in aller Welt gefragte Interpret das von ihm begründete Kammermusikfestival „Spannungen“ in der Eifel.

Ernste Gesänge hatte sich das Duo Quasthoff-Vogt für seinen akklamierten Salzburgauftritt ausgesucht. Es spannte dabei den Bogen von Mahlers selbst in den hoffnungsvollsten Passagen von Resignation begleiteten Rückert-Liedern bis zu Brahms' Vier ernsten Gesängen – seit jeher ein nicht nur artikulatorisches Prunkstück in Quasthoffs Repertoire, woran er auch diesmal keinen Zweifel ließ.

Da stimmte einfach alles. Ideal die Balance zwischen Sänger und Pianist, der seine Rolle als Mitgestalter ernst nahm, ohne sich dabei nach vorne zu drängen. Und schlichtweg meisterhaft, mit welcher Selbstverständlichkeit Quasthoff die Botschaften des schon von den Schatten des Todes erfüllten Brahms über die Rampe brachte. Eindringlicher, aber auch unprätentiöser ist das kaum denkbar.

Letzte Dinge prägten auch den Mittelteil: die – zumal in dieser Umgebung – nicht mit solcher Tiefenschärfe aufwartenden, einst öfters zu hörenden „Jedermann“-Monologe von Frank Martin und ein für Quasthoff komponierter Solo-Monolog: „Entsorgt“ von Aribert Reimann nach einem die Wachstumsgesellschaft attackierenden Text von Nicolas Born. „Das verruchte Gesindel spürt nichts, sie schließen die Kartelle“, lautet es in dieser Gesellschaftskritik, die den Solisten zwingt, alle Register seiner Kunst zu ziehen: sängerisch, sprachlich, zudem noch das Bekenntnishafte des Sujets herauszuarbeiten. Quasthoff konnte alles. dob

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2009)

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