So ganz passt das noch nicht zusammen: Da sind einerseits die Souveränität und technische Perfektion, mit denen die 21-jährige Pianistin Lise de la Salle „ihren“ Rachmaninow in die Tasten hämmert. Klar und präzise, klug interpretiert und keineswegs romantisch verbrämt präsentiert sie das zweite Klavierkonzert (das mit Billy Wilders Film Das verflixte siebente Jahr auch cineastische Berühmtheit erlangte, weil Marilyn Monroe sich durch das Werk verführen ließ...).
Sowohl die liedhaft-melodiösen Passagen als auch das virtuos-effektvolle Finale spielte de la Salle mit größter Musikalität und Innerlichkeit. Auf der anderen Seite ist da die noch etwas unsichere junge Frau, die im Zusammenspiel mit dem Orchester noch nicht ganz so versiert scheint. Aber Fabio Luisi nimmt darauf Rücksicht – und lässt so eine solide, aber nicht immer ganz transparente Lesart des Werks entstehen.
Mehr Herzblut scheint Luisi für Tschaikowskis fünfte Symphonie zu haben. Hier arbeitet er feinste Details heraus und spannt um das Schicksalsmotiv herum einen großen Spannungsbogen vom schwelgerischen Andante bis zum plötzlich und wirklich als Überraschungsmoment einsetzenden Allegro vivace im Finale.
Wh: Heute, Freitag, 19.30 Uhr. Nächstes Konzert: 12./13. Februar 2010, Wiener Symphoniker, Vladimir Fedosejev, Singverein, Ana Maria Martinez, Szymanowski, Mahler.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

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