Der tapfere Retter in allen heldischen Tenor-Nöten

Zum Tod von Manfred Jung, dem Siegfried-Darsteller im Bayreuther Jahrhundert-„Ring“.

Er war ein Retter in der Not – auch in Wien, zu einem Zeitpunkt, an dem noch niemand ahnen konnte, was aus ihm werden würde: Als in der letzten Vorstellung der Premierenserie des rettungslos missglückten Staatsopern-„Zigeunerbarons“ zum Strauß-Jahr 1975 nach und nach die Sänger absprangen und kein Barinkay mehr zur Verfügung stand, holte man einen jungen Mann, dem Kenner eine vielversprechende Karriere prophezeiten: Das war das Wien-Debüt von Manfred Jung.

An der Staatsoper hat Jung im weiteren Verlauf nicht oft gesungen, doch erlangte er Weltruhm als beweglicher und mutiger Charakterdarsteller in der legendären Bayreuther Produktion des „Rings des Nibelungen“ unter Patrice Chéreau: 1977 übernahm Jung zunächst den „Götterdämmerungs“-Siegfried, anlässlich der Filmdokumentation sang er beide Partien und entpuppte sich als glänzender Singschauspieler, der die filmreifen Herausforderungen mühelos bewältigte.

Das herbe Timbre seines kraftvollen Tenors mochten manche Wagnerianer nicht ästimieren, dem glänzenden Darsteller streute man freilich Rosen – und überhäufte ihn mit Auszeichnungen und exzellenten Kritiken. Dabei hatte die Karriere des Sängers hinter den Kulissen begonnen, der Starkstromtechniker arbeitete als Beleuchter am Theater in Essen, ehe er an der Folkwang Hochschule ein Gesangstudium aufnahm. Das schwere Heldenfach führte ihn in der Folge an alle großen Häuser von Bayreuth bis an die Met. Zuletzt fungierte Jung als Leiter des Cantilena Gesangswettbewerbs. Er starb im 77. Lebensjahr. (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2017)

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