Konzerthaus: Die Kraft der Andeutung

Jubel für Rafał Blechacz: Mit Chopins 2. Klavierkonzert lieferte er den Höhepunkt eines Abends mit dem RSO Wien.

Rafał Blechacz.
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Rafał Blechacz.
Rafał Blechacz. – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Virtuosengesten sind Rafał Blechacz fremd. Stimmt schon, bei der zweiten Zugabe, dem quecksilbrigen Scherzo aus Beethovens Sonate op. 2/2, nutzte er die Schlusspointe, also den Schwung des letzten Tons, bereits zum Aufstehen vom Klavier: Dass er mit Anfang dreißig schon genauso abgeklärt ist wie Artur Rubinstein, das kann ja niemand von ihm erwarten. Aber er ist auf dem Weg dahin, dieser mit ernster Miene in die Musik versunkene, trotz seiner jungen Jahre bereits als Grandseigneur auftretende Pole, der 2005 den Warschauer Chopin-Wettbewerb sensationell in allen Kategorien gewonnen hat. Den pianistischen Belcanto in Chopins f-Moll-Klavierkonzert erfüllt er mit einem Ton von ebenmäßigem Perlmuttschimmer, deutet dabei stets mehr an, als er ausspricht, wahrt in jedem Moment die Contenance: In der Gesamtheit der wohlgeformten Kantilenen liegt der Ausdruck, nicht in einzelnen, auf die Spitze getriebenen Details. Die Dialoge mit dem Fagott gelingen da poetisch, aber ohne Aufgeblasenheit, das Larghetto zumal erfüllt der Zauber der Sehnsucht.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2017)

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