Eine Art strömenden Stillstands ist es, was Franz Schubert im langsamen Satz seines Streichquintetts D 956 ausbreitet: die Zeit angehalten im selbstvergessenen, zauberisch eigenartig wechselnden harmonischen Leuchten endloser Linien, umrahmt von pochenden oder gezupften Tönen der Außenstimmen. Hier wie andernorts betonten das Londoner Belcea Quartet und Valentin Erben am markanten zweiten Violoncello das Geheimnisvolle an Schuberts raunenden Pianissimi, die sie überraschend streng durchhielten, niemals durch ein Zuviel an vergrößerndem Espressivo störten. Wundersam ausdrucksvolle Momente waren der Lohn ihrer somit betont unsentimentalen, freilich agogisch flexiblen Lesart, die im Finale auch das tänzerische Element Wiener Provenienz hervorkehrte.
Begonnen hatte der Abend mit Haydns Quartett Hob. III:32, dessen höchst komplexe Gestalt seiner eigentlichen Bezeichnung „Divertimento“ spottet. Und in Schostakowitschs vorletztem Quartett op. 142 fanden die vier Streicher virtuos zu heulender Intensität und zuletzt zu verklärter Ruhe.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2009)

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