Maestro Muti und seine Meisterschüler

Aus 600 Teilnehmern wählten Riccardo Muti und seine Jury in Ravenna fünf Dirigenten.

Riccardo Muti (2014)
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Riccardo Muti (2014)
Riccardo Muti (2014) – (c) APA/EPA/JAVIER DEL REAL/HANDOUT

Wie kann man junge Menschen lehren, gute Orchestermusiker zu werden? Vor knapp 15 Jahren gründete Riccardo Muti hierfür sein Orchestra Giovanile Luigi Cherubini. Drei Jahre können sich junge italienische MusikerInnen unter 30 mit renommierten Dirigenten bei Auftritten in Italien und Gastspielen im Ausland Voraussetzungen für ihre Karriere erarbeiten. Vor drei Jahren gründete Muti zudem in Ravenna für junge Dirigenten und Korrepetitoren seine Italian Opera Company. Der Gedanke, etwas für die italienische Oper tun zu müssen, kam Muti nicht, „weil ich glaube, Hüter der Wahrheit zu sein“, wie er sagt: „Doch ich weiß Dinge, die mir meine Lehrer weitergegeben haben, aber auch von meinem Zugang zur Oper. Ich hatte immer den Eindruck, dass mittlerweile italienische Oper im Vergleich zur deutschen oder österreichischen als Kategorie B angesehen wird.“

 

Einzige Österreicherin: K. Wincor

Nach „Falstaff“ und „La Traviata“ in den beiden ersten Academy-Jahren galt es diesmal für die jungen Musiker, die bei den Auftritten auf die bestens vorbereiteten Musiker des Cherubini-Orchesters zählen konnten, Einblicke in „Aida“ zu gewinnen. Wer nicht zu den Privilegierten zählte, die es ins Finale schafften, konnte Mutis Unterweisungen als Besucher des Teatro Alighieri folgen, und damit seiner Ambition, „Dinge weiterzugeben, die man nicht in Büchern findet“.

Das Resultat wurde in zwei Konzerten mit Ausschnitten aus „Aida“ präsentiert. Den ersten Abend bestritt Muti mit dem Cherubini-Orchester und den dafür nötigen Sängern, am zweiten stellten sich die fünf Dirigentenfinalisten mit beinahe denselben Ausschnitten vor. Vor allem der unaufgeregt und technisch versiert agierende Finne Kaapo Johannes Ijas zeigte am Beispiel des vierten „Aida“-Akts, dass er offenbar am Beginn einer großen Karriere steht. Mehr auf Showeffekt und die suggestive Kraft der Dramatik setzte der Iran-Deutsche Hossein Pishkar.

Vornehmlich um Akkuratesse scheint es dem sehr auf kontrollierten Schwung setzenden Armenisch-Schweizer Gevorg Gharabekyan zu gehen. Marco Bellini muss sein Temperament noch etwas zügeln und Übersicht gewinnen. Die einzige Finalistin aus Österreich, Katharina Wincor, Assistentin im Arnold Schoenberg Chor, sollte noch einiges an Respekt vor ihrer künftigen Aufgabe ablegen und mehr ihrer Persönlichkeit vertrauen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2017)

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