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Maestro Mozart, der Millionär

30.01.2010 | 18:38 |  von Martin Kugler (Die Presse)

Die Einkommenssituation von Wolfgang Amadeus Mozart dürfte viel besser gewesen sein, als die Forschung bisher dachte. Ein "verarmtes Genie" war er jedenfalls sicher nicht.

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Mein Wunsch, und meine Hoffnung ist – mir Ehre, Ruhm und Geld zu machen.“ So ist es in Wolfgang Amadeus Mozarts Briefen nachzulesen. Nun, das ist ihm auch gelungen: Folgt man Günther G. Bauer, dem ehemaligen Rektor der Universität Mozarteum in Salzburg, dann verdiente Mozart außerordentlich gut. Konkret: In seinen elf Wiener Jahren (1781 bis 1791) nahm er – in heutigem Geldwert ausgedrückt – zwischen ein und zwei Millionen Euro ein. Das ist ungefähr so viel wie Joseph Haydn in allen sechs Jahrzehnten seines Schaffens verdient hat. Und das Zehnfache dessen, was sein Vater Leopold Zeit seines Lebens lukrieren konnte.

Dieser Befund, den Bauer in seinem neuen Buch „Mozart – Geld, Ruhm und Ehre“ (Verlag Karl Heinrich Bock; 32,60 Euro) erstellt hat, steht in völligem Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht, dass Mozart ein armer Schlucker gewesen sei, ein verkanntes Genie, das hinten und vorn nicht mit dem Geld auskam. Schließlich hinterließ er laut seiner Frau Constanze „nur 3000 Gulden“ Schulden – und er ist ja angeblich in einem Armengrab verscharrt worden...

Letztere irrige Meinung ist längst widerlegt – die Begräbnissitten waren damals nun einmal so und nicht anders. Seit zwei Jahrzehnten laufen Mozart-Forscher nun auch gegen die angebliche Armut des Maestros Sturm. Doch so richtig überzeugend waren die Ergebnisse bisher nicht. Das Hauptproblem: Die Einnahmen- und Ausgabenbücher Mozarts sind verschollen. Freilich deuten schon die andernorts dokumentierten Einnahmen ein relativ hohes Niveau an. Maynard Solomon zum Beispiel kam im Jahr 1995 für die Wiener Jahre auf Einkünfte zwischen 26.144 und 33.585 Gulden. Wobei er anmerkte, dass es weitere Einnahmemöglichkeiten gegeben haben müsse.

Mangels Belegen war an dieser Stelle Schluss für die Mozart-Forschung. Bauer ersann daher einen völlig anderen Zugang zu dem Problem. Oder besser gesagt: Ihm kam der Zufall zu Hilfe. Vor fünf Jahren, so erzählt er, sei ihm eine Broschüre aus dem Jahr 1788 in die Hände gefallen: die „Genaue Rechnungstafel für Beamte, welche 500 bis 1000 fl. Besoldung haben“. Darin ist detailliert aufgelistet, was es gekostet hat, in Wien ein standesgemäßes Leben zu führen – inklusive aller Ausgaben für Essen, Kleidung, Miete, Beleuchtung, Bedienung, Arzt oder Apotheker. Ein mittlerer Beamter, so wird in dem Büchlein nachgerechnet, kam mit 1000 Gulden nicht aus.


Preiszettel anno 1790. Bauer: „Da fiel bei mir der Groschen: Ich probiere dasselbe bei Mozart.“ Und so hat er sich zusammen mit 24 Kolleginnen und Kollegen darangemacht, das Alltagsleben in den 1780er-Jahren in minuziöser Kleinarbeit zu rekonstruieren. Einen Grundstock an Hinweisen und Belegen hatte der emeritierte Professor bereits bei seinen zehnjährigen Recherchen zu dem Buch über das Spielverhalten des Komponisten („Mozart – Glück, Spiel und Leidenschaft“) angelegt. „Wir haben damals alles, was mit Geld zu tun hat, zur Seite gelegt“, erinnert er sich. Nun suchte man ganz gezielt weiter. „Man findet erstaunlich viel in den Archiven – von Preiszetteln bis zu Haushaltsbüchern.“

In 17 Kapiteln werden die neuen Funde nun ausgebreitet. Es wurde recherchiert, wie viel Wohnen, Heizen, Beleuchtung, Essen und Trinken, Bedienung, Kleidung, Friseur, Reisen, Instrumente, Möbel, Ärzte oder Bälle kosteten. Auch die Kuren von Constanze Mozart wurden beziffert, ebenso Ausgaben für Friseure und Spenden an die Kirche bzw. die Freimaurer.

Wie viel Geld Mozart verspielt hat, ist dagegen kaum zu rekonstruieren. Seine ganze Habe hat er jedenfalls nicht bei Billard, Pharao oder Tarock verloren, argumentiert Bauer. Denn der Großteil seines Einkommens ist in dem aufwendigen, beinahe aristokratischen Lebensstil aufgegangen, den Mozart führte. Und auch führen musste, denn er bewegte sich in der ersten Gesellschaft der Hauptstadt des Habsburgerreiches, auch bei Hofe.

In Summe kommt Bauer für die Wiener Jahre auf Gesamtausgaben von mindestens 55.677 Gulden. Das ist beinahe doppelt so viel, wie man bisher dachte. Pro Jahr macht das also im Schnitt zumindest 5000 Gulden (73.500 bis 150.000 Euro) aus. Manche Jahre fielen freilich schwächer aus – und aus dieser Zeit stammen auch die bekannten „Bettelbriefe“ des Komponisten an Freunde und Gönner. Dafür gab es aber immer wieder auch Jahre, in denen das Einkommen 10.000 Gulden überstiegen haben dürfte.


Unbekannte Honorare. Wo kam das viele Geld aber her? Bauer schlägt – wie andere Mozart-Forscher vor ihm – eine Reihe möglicher zusätzlicher Quellen vor: bisher nicht bekannte Konzerthonorare (diese konnten 500 Gulden übersteigen), nicht verrechnete Notenverkäufe, nicht dokumentierte Unterrichtseinnahmen, Geschenke oder Spielgewinne. Es könnte auch Sachzuwendungen gegeben haben, zum Beispiel nicht verlangte oder nachgelassene Mietkosten.

Ob Mozart nun gut oder schlecht mit Geld umgehen konnte, sei dahingestellt – das wird sich ohne die Rechnungsbücher kaum klären lassen. Eines ist aber evident: Hätte er mehr gespart (und hätte er länger gelebt), dann heißt das noch lange nicht, dass er es besser gehabt hätte. Haydn hat sein Vermögen in öffentlichen und privaten Schuldverschreibungen angelegt– und durch die dramatische Inflation während der Napoleonischen Wirren fast alles verloren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2010)

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7 Kommentare
Gast: alsk
05.02.2010 23:23
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Lange bekannt.

Ist schon lange bekannt , Mozarts problem war
das er es mit vollen Händen verprasste.
Aber zu seiner Zeit zählte er zu den Spitzenverdienern.

Gast: Amadillo
03.02.2010 18:18
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Die zahllosen Peinlichkeiten in Bauers neuem Buch

beginnen schon damit, dass er das Bild von Cignaroli "Miozart im blauen Morgenmantel" für echt hält. Bauers grobe Unkenntnis der Mozart-Literatur und seine Unbedarftheit als abslouter Nicht-Historiker können angesichts hier des vorgeführten Publicity-Aufwands nur verwundern.

Antworten Gast: Polykarp Nelson
18.02.2010 23:35
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Re: Die zahllosen Peinlichkeiten in Bauers neuem Buch

Ein sehr seltsames Buch. Das beginnt schon mit dem peinlichen Namedropping in einer Liste von "Mitarbeitern", von denen manche nur eine Frage oder ein E-Mail beantwortet haben und sich einer gegen die Vereinnahmung nicht wehren kann, weil er lange tot ist. Besonders kurios wird es, wenn sich der Autor gescheiter als Mozart selbst gebärdet: "Die Kutschenfahrten kosteten mehr als der Komponist vermutete"! (S. 82)

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Re: Re: Die zahllosen Peinlichkeiten in Bauers neuem Buch

Dass Mozart viel Geld verdient und nicht gratis gelebt hat, wussten wir schon. Der Autor hat die "Genaue Rechnungstafel" von 1788 gefunden, fasst aber sonst nur die fehlerhafte Sekundärliteratur zusammen. Er hält den Deiner-Bericht für echt, glaubt, dass der Eingang des Camesina-Hauses in der Domgasse 5 lag und wenn er behauptet, Mozart habe anlässlich der Begräbnisse seiner Kinder Leichenschmäuse(!) veranstaltet, so wird klar, dass das Wien des 18. Jahrhunderts für Bauer ein total fremder Planet bleibt.

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Re: Re: Die zahllosen Peinlichkeiten in Bauers neuem Buch

Dass Mozart viel Geld verdient und nicht gratis gelebt hat, wussten wir schon. Der Autor hat die "Genaue Rechnungstafel" von 1788 gefunden, fasst aber sonst nur die fehlerhafte Sekundärliteratur zusammen. Er hält den Deiner-Bericht für echt, glaubt, dass der Eingang des Camesina-Hauses in der Domgasse 5 lag und wenn er behauptet, Mozart habe anlässlich der Begräbnisse seiner Kinder Leichenschmäuse(!) veranstaltet, so wird klar, dass das Wien des 18. Jahrhunderts für Bauer ein total fremder Planet bleibt.

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Es gibt keine neuen Funde,

es ist alles lange bekannt, nur neue Hirnblasen werden auf Glanzpapier präsentiert. Die Spielschulden sind immer noch nicht nachweisbar und wie der verwehte Regisseur und Spieleforscher Bauer sich nun als "Mozart-Experte" geriert, ist nur lachkrampferregend.

ichmeine
31.01.2010 07:24
1 0

das "denkt die Forschung" aber schon seit Jahrzehnten

saure Gurkenzeit in der Wissenschaft?

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