Aviso: Die Gruberova erinnert sich an die Zukunft

Im Herbst gibt es ein Wiedersehen mit Verdis Violetta – in Hamburg szenisch, in München und im Wiener Musikverein konzertant.

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Gruberova – (c) APA (Herbert P. Oczeret)

Einmal noch die Violetta! Die Titelpartie in Verdis „Traviata“ ist und bleibt eine der großen Herausforderungen für Sopranistinnen. Und zwar in der Regel für solche, die gerade den Zenit ihrer Karriere erreicht haben. Fordert der Komponist von seiner Protagonistin doch perfekte Koloratur-Disziplin – in der legendären Schlussszene des ersten Akts – wie auch expressive Differenzierungskunst.

Ein Drahtseilakt für wahre Primadonnen. Und Edita Gruberova gilt vielen Musikfreunden als die Primadonna. Die Violetta gehörte zu ihrem Repertoire – bis in die 90er. „Ich habe sie“, erinnert sich die Künstlerin, „zum letzten Mal an der New Yorker Met unter Carlos Kleibers Leitung gesungen.“ Damals war die Rolle sogar so etwas wie Gruberovas Markenzeichen: „Ich sang sie auch an der Wiener Staatsoper und anlässlich eines Tokio-Gastspiels des Florentiner Maggio Musicale unter Zubin Mehta.“ Dann war Schluss.

Die Gruberova machte, chronologisch gesprochen, einen Rückschritt, der freilich in Sachen Vokalartistik ein wiederholter Griff nach den Sternen war: „Anna Bolena“, „Roberto Devereux“, zuletzt auch die „Norma“: „Belcanto-Rollen waren für mich Herausforderungen, denen mein ganzes Interesse und künstlerisches Schaffen galt. Doch lag mir die Violetta immer am Herzen. Die große Arie habe ich in Konzerten immer wieder ins Programm genommen.“

 

Publikumsliebling aus Pressburg

Da spielten auch nostalgische Gefühle mit: „Mit der ,Traviata‘ habe ich 1968 in Banska Bystriza mein erstes Engagement angetreten!“ Wiener Musikfreunde erinnern sich an die junge Sängerin aus Pressburg, die wenig später an der Staatsoper – noch keineswegs als Violetta, aber beispielsweise als virtuose Rosina in Rossinis „Barbier von Sevilla“ – endlos Spitzentöne aushalten konnte.

Sie war Publikumsliebling, lang bevor sie als Zerbinetta in der von Karl Böhm dirigierten Premiere von Strauss' „Ariadne auf Naxos“ den internationalen Durchbruch schaffte. Von da an setzten Direktoren Premieren für sie an. Als Erster Egon Seefehlner, der für die Gruberova Donizettis „Lucia di Lammermoor“ ins Staatsoper-Repertoire zurückholte.

Die „Traviata“ folgte im Gruberova-Kanon dann erst wieder vergleichsweise spät. Und sie kehrt nun wieder. Nicht zuletzt, weil diese Partie für die Interpretin „eine große Frauengestalt“ darstellt, „die alle Facetten des Lebens beinhaltet: Liebe, Eifersucht, Tod. Ich glaube“, sagt die Gruberova, „dass ich heute mit meiner Erfahrung diese Frau reicher gestalten kann.“

Hamburg macht im November den Anfang. In Wien endet die „Traviata“-Tour – im Großen Musikvereinssaal am 21.Dezember 2010 werden Paolo Gavanelli und – wie einst die Gruberova aus Pressburg kommend – Pavol Breslik die Partner sein. Wie schon bei den Aufführungen in München (11. und 17.Dezember) dirigiert Marco Armiliato. Als Gäste mit von der Partie: Marie McLaughlin als Flora und Kurt Rydl als Doktor Grenvil!

„La Traviata“ im Großen Musikvereinssaal: 21.Dezember 2010. Tel.: 01/505 8190.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2010)

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